Die große Angst der Ferrari-Lenker

Der Steuerhinterziehung verdächtig ist jeder, der ein Auto mit mehr als 250 PS besitzt.

Diego Mariopti kämpft mit einem Parkplatzproblem. Der Autohändler vom Autohaus Aurelia Motorsport in Rom weiß kaum noch wohin mit seinen vielen Edelkarossen. "Normalerweise haben wir 10, maximal 15 Ferraris auf unserem Stellplatz, jetzt sind es 40“, stöhnt Mariopti. Auch die Porsches, Mercedes und andere luxuriöse Schlitten, die seit Dezember von ihren Besitzern schnell bei ihm in Kommission gegeben wurden, bringen den Händler an die Grenze seiner Kapazitäten.

Ferrari & Co um 20 Prozent billiger
Abnehmer sind trotz der Schnäppchenpreise rar. Laut italienischen Händlern wurden gebrauchte Ferraris seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent billiger, Porsches um 20 Prozent. "Und die Preise könnten sogar um bis zu 50 Prozent fallen“, schätzt Diego Mariopti.

Grund für die Panikverkäufe ist die italienische Finanz, die seit Ende des Vorjahres Jagd auf reiche Italiener macht. Der Steuerhinterziehung verdächtig ist jeder, der ein Auto mit mehr als 250 PS besitzt. Die Methode der Fahnder ist recht pragmatisch: Wer mit einem teuren Schlitten durch die Straße röhrt, muss damit rechnen, aufgehalten zu werden. Wenn der Lebensstil nicht zu den Angaben auf der Steuererklärung passt, wird gnadenlos auf Herz und Nieren geprüft.

Die neue Regierung unter Mario Monti hat dem Steuerbetrug den Kampf angesagt. Schätzungen zufolge werden in Italien jährlich 120 Milliarden Euro am Fiskus vorbeigeschleust. Die Aktion scharf gegen Lenker von Luxuskarrossen startete Ende Dezember in Cortina d’Ampezzo und wurde jetzt auf Rom, Portofino, Florenz und die italienische Riviera ausgedehnt. Vielen Italienern ist deswegen die Lust vergangen, einen teuren Wagen zu lenken.

Zahlungen nur noch mit Karte

Doch die Regierung Monti geht noch weiter. Um die legendären Schwarzgeldflüsse einzudämmen, dürfen Geschäfte ab 1.000 Euro nicht mehr in bar abgewickelt werden, sondern es müssen Bankomat- oder Kreditkarten verwendet werden. So mancher Italiener wagt deshalb erst gar nicht mehr, ein nobles Auto zu kaufen. "Auch die für uns wichtigen Kunden aus Russland und den arabischen Staaten bleiben aus, weil die bar zahlen wollen“, erzählt Händler Mariopti. Ähnliche Klagen sind aus Luxushotels in Südtirols Wintersportorten zu hören. Das Verbot, Rechnungen über 1.000 Euro in bar zu kassieren, verprellt nicht nur manchen Italiener, sondern auch die russische Kundschaft.

Autohändler hoffen jetzt auf den typisch italienischen Schlendrian. "Bisher wurden neue Maßnahmen in den ersten sechs Monaten streng kontrolliert, doch dann hat sich keiner mehr ernsthaft darum gekümmert“, sagt Diego Mariopti. Doch auch er ist skeptisch: Denn angesichts der gähnend leeren Staatskassen und des Drucks der Finanzmärkte auf die Regierung könnten den Beamten diesmal auf längere Sicht hart bleiben.

Anneliese Proissl

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