Der amerikanische Traum: Obama erweckt Hoffnungen - und könnte sie erfüllen

Barack Obamas Wähler verkörpern die USA: Minderheiten, Mittelschichten, Internet-Generation, Liberale – alle finden sich in ihm wieder und hoffen gemeinsam auf eine bessere Zukunft. Peter Filzmaier, Peter Weinberger und Hannah Brandstätter berichten aus Washington, New York und Los Angeles über die historische Wahl.

Um 3.00 Uhr MEZ verwettete CNN-Moderator Anderson Cooper sein Leben darauf, dass ein Sieg des republikanischen Kandidaten John McCain rein rechnerisch nicht mehr möglich sei. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass auch der Schlüsselstaat Ohio definitiv Senator Obama zufallen würde. Danach gab es bei den Obama-Fans in den USA und in der Welt kein Halten mehr. Die Party konnte beginnen: In einer historischen Wahlnacht mit Rekordwahlbeteiligung war der 47-jährige Obama zum ersten afroafrikanischen Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Welt gewählt worden.

Der Wandel hat begonnen
Um die Story, die eher einem Hollywood-Drehbuch als der Realität zu entspringen scheint, perfekt zu machen, hielt Obama vor 200.000 Anhängern in Chicago eine geniale Siegesrede an die Nation und die Welt: „Das ist die Antwort, die jene dazu gebracht hat, die Geschichte zu verändern, hin zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Obwohl ihnen lange und von so vielen gesagt wurde, es sei zynisch, ängstlich oder zweifelhaft, was wir erreichen wollen. Es hat lange gedauert, aber heute Nacht … hat der Wandel in Amerika angefangen.“

Wie weit trägt die Hoffnung?
Ob aber ­allein das Versprechen von Veränderung ausreichen wird, die globalen Herausforderungen der Zukunft zu meistern? Diese Frage vieler Obama-Kritiker tauchte bereits in den ersten Stunden nach der US-Wahlentscheidung auf. Der künftige Präsident ließ jedenfalls in seiner Rede keinen Zweifel daran, dass er sich der kritischen Situation im Land und in der Welt bewusst ist: „Wir wissen, dass die Herausforderungen von morgen die größten unseres Lebens sind: zwei Kriege, ein Planet in Gefahr und die schlimmste Finanzkrise des Jahrhunderts.“

Indikatoren für Veränderung
Abgesehen von der weltweiten Euphorie, die der bisherige Senator des US-Bundesstaat Illinois mit seinem Wahlsieg ausgelöst hat, sprechen tatsächlich einige ­reale Indikatoren dafür, dass Obama einiges verändern kann – in den USA selbst sowie auch in der Außenpolitik: Durch die komfortable Mehrheit im US-Kongress – die Demokraten haben bei den US-Wahlen am Dienstag die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat ausgebaut – kann die Obama-Administration Gesetzesänderungen politisch leichter durchsetzen. Zudem kommt, dass Obama sich nach diesem Wahlsieg der absoluten Gefolgschaft seiner Parteikollegen sicher sein kann – ja manche Demokraten dem Präsidenten ihren Sitz im Kongress verdanken und ihm gefällig sein werden.

Perfekter Beraterstab
Zudem scheint der 44. Präsident der USA schon bisher von einem Beraterstab umgeben gewesen zu sein, der perfekt funktioniert und wie eine Maschine fast fehlerlos funktioniert hat. Alle politischen Beobachter sind sich einig, dass Obamas Wahlkampagne perfekt funktioniert hat.
Weiters ist Obama – anders als alle anderen Präsidenten vor ihm – weniger abhängig von den großen Konzernen. Seine gesamte Kampagne wurde tatsächlich mit kleinen Geldbeträgen des Mittelstandes ­finanziert und nicht wie üblich von den Lobbyisten in Washington. Nicht zuletzt könnte sich für Obama durch die unübersehbare Euphorie, die er im eigenen Land und in der ganzen Welt auslöst, ein „windows of opportunity“ öffnen, sich in der ganzen Welt als respektierter neuer Leader zu positionieren, der seinen Verbündeten mit Respekt auf Augenhöhe begegnet.

Was kommt als Nächstes?
Beobachter in den USA rechnen schon in den nächsten Tagen mit den ersten Personalentscheidungen Obamas. John Podesta, ehemaliger enger Berater von US-Präsident Bill Clinton, ist seit Wochen damit beschäftigt, für Obama den Übergang bis zum Tag der Angelobung am 20. Jänner 2009 zu managen. Potenzielle Regierungskandidaten werden auf Sünden in der Vergangenheit durchleuchtet, mit der Bush-Administration wurden bereits Vorbereitungstreffen abgehalten, um die Tage bis zur Amtseinführung nicht untätig verstreichen zu lassen. Auch beim Welt-Finanzgipfel am 15. November, bei dem noch Bush die USA vertreten wird, soll Obama mit einem eigenen Team zumindest vertreten sein. Und keine Frage, die Präsidentschaft Obamas kommt einem Himmelfahrtskommando gleich. Aber selbst den größten Pessimisten muss man nun entgegenhalten: Die Rassenfrage in den USA ist nach mehr als 300 Jahren Kampf entscheiden. Nicht nur, aber auch darüber freut sich der Großteil der Menschheit in Zeiten wie diesen.

Von Markus Pühringer

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