Der Streit um die Wirtschaftskammer-Pensionen

Betriebliche Aufregung: Bis zu 200 Millionen Euro müsste die WKO nachschießen, um ihren Pensionisten die versprochenen Firmen-Renten auszahlen zu können.

Von lukrativen Betriebspensionen ist wegen der Wirtschaftskrise und der schlechten Ergebnisse der Pensionsfonds- und -kassen wenig übrig geblieben. Da geht es den ­Wirt­schaftskammer-Mitarbeitern nach FORMAT exklusiv vorliegenden Informationen offenbar nicht anders. Seit 1999 gab es die Möglichkeit, von der klassischen Kammerpension in eine neue, modernere Pensionskasse zu wechseln. Allerdings war schon bald klar: Die ursprünglich prognostizierten Erträge der Pensionskasse von 7,5 Prozent pro Jahr werden bei weitem nicht erreicht. Nach der Wirtschaftskrise zeigte sich sogar ein 40-prozentiger Verlust bei den Kassenpensionen. Von wesentlichen Erträgen kann man nun nicht mehr sprechen. Stattdessen bedeutet das für rund 1.900 aktive und ehemalige Kämmerer eine deutlich niedrigere Pension. Vor allem jene, die vor dem Umstieg mit einer Pension von 70 bis 80 Prozent ihres letzten Einkommens rechnen konnten, sind nun mit enormen Einbußen konfrontiert.

Klagen die Pensionisten ihre Kammer?

Insgesamt geht es um bis zu 200 Millionen Euro, die die Wirtschafts-kammer der Pensionskasse nun zuschießen müsste, damit die Mitarbeiter tatsächlich zu jenen Pensionen kommen, die 1999 noch zu­gesichert worden sind. Aktuell wird kammerintern noch verhandelt, eine Klage der Mitarbeiter – wie beim ORF oder bei Siemens – kann man „wegen der noch laufenden Gespräche“ aber weder im Präsidium der Wirtschaftskammer noch im Betriebsrat ausschließen. Ein WKO-Insider bestätigte FORMAT allerdings, dass die Erfolgschancen einer Klage bereits juris­tisch geprüft wurden.

Betriebspensionen sind Chef­sache

Am Mittwoch gab es in der WKO-Zentrale in Wien ein geheimes Gespräch von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (Bild oben) mit seinen Landeskammer-Chefs. Der stellvertretende Generalsekretär Herwig Höllinger saß als Zuständiger für Personalfragen und Finanzen mit am Tisch und wurde beauftragt, Gespräche mit dem Betriebsrat mit Unterstützung der Landespräsidenten zu ­führen. Höllinger bestätigt die Verluste der Kasse: „Natürlich waren wir, wie jede andere Pensionskasse auch, von der Internetblase 2002 und von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen.“ Und für einzelne Mitarbeiter, „nicht alle“, kann das zu geringeren Pensionen führen als angenommen. Das träfe vor allem jene, die knapp vor ihrem Pensions­antritt stünden. Aber: „Wir haben nie eine bestimmte Pensionshöhe zugesagt oder versprochen. Es war transparent, dass es sich beim neuen Modell um ein beitragsorientiertes System handelt, das vom Performanceergebnis abhängig ist.“ Dass es um 200 Millionen Euro geht, will Höllerer nicht bestätigen: „Wir nehmen das Thema aber ernst und treten nun in Verhandlungen mit dem Betriebsrat ein.“ Präsident Christoph Leitl will die Causa übrigens erst nach den Ergebnissen der Verhandlungen kommentieren.

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