Der FORMAT-Kanzler-Check: Werner Faymann oder Wilhelm Molterer?

Österreich steht vor der Wahl: Faymann oder Molterer wird der neue Kanzler. Als Typen völlig unterschiedlich, würde der Sieger das Land auch in eine ideologisch völlig anders ausgerichtete Zukunft führen.

Soviel steht fest: Einer von beiden, Infrastrukturminister Faymann oder Finanzminister Molterer, wird der neue Bundeskanzler Österreichs. Doch wer wäre der bessere Kanzler? Wer für das Land, für die Wirtschaft und für die Geldbörse jedes einzelnen Wählers? Und haben die beiden überhaupt das Zeug für den schwierigsten Job der Republik?
Geht es nach den Österreichern, hat Molterer bei zwei wesentlichen Kanzlereigenschaften die Nase vorn: In aktuellen OGM-Umfragen wird der ÖVP-Chef sowohl als durchsetzungsfähiger wie auch glaubwürdiger als sein roter Konkurrent eingestuft. Faymann punktet hingegen beim Faktor Sympathie – der von der SPÖ identifizierte Schwachpunkt des spröden Sachpolitikers Molterer. Wie überhaupt beide Politiker ein völlig unterschiedlicher Politikstil auszeichnet.

Strong versus caring leader
Politikwissenschaftler Peter Filzmaier hält einen potenziellen Kanzler Molterer jedenfalls für den Typ „strong leader“: „Dieser versucht erst gar nicht, mit Sympathie zu punkten, sondern überzeugt mit Entschlossenheit und Entscheidungskraft.“ Faymann fällt für der Politologen in die zweite Kategorie von Führungspersönlichkeiten. „Faymann ist der ‚caring leader‘, der auf soziale Wärme und Sympathie setzt und im Prinzip zum Volkskanzler avanciert.“ Filzmaiers Resümee: Wer sein Führungskonzept am besten vermittelt, wird am 28. September die Wahl gewinnen. Allerdings hängt das Votum der Wähler nicht ausschließlich von der Person des Spitzenkandidaten ab. Die beiden Kanzlerkandidaten stehen auch für zum Teil diametral entgegengesetzte inhaltliche Ausrichtungen.

Wirtschaftspartei ÖVP
Gerade in seiner Position als Finanzminister hat Molterer in den vergangenen 18 Monaten gezeigt, dass er ein kühler Rechner und umsichtiger Verwalter des Staatsbudgets ist. In Zeiten einer drohenden Rezession, weltweit steigender Inflation und zusammenbrechender Finanzmärkte nicht unbedingt ein Nachteil. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer gibt Molterer in dieser Frage einen Pluspunkt gegenüber seinem roten Pendant: „Viele Wähler könnten angesichts der wirtschaftlich unruhigen Zeiten auf die Wirtschaftskompetenz und Budgeterfahrung Molterers setzen.“

Börselschmeichler und Privatisierungen
Ein Trumpf der ÖVP, der für Bachmayer im Wahlkampf viel zu wenig ausgespielt wurde. Stattdessen versprachen ÖVP wie auch SPÖ und andere Parteien Maßnahmen gegen die Teuerung, die zwar einmalig das Börsel entlasten, aber nicht nachhaltig wirken würden. Darunter finden sich die 13. Familienbeihilfe (105 bis 150 Euro pro Jahr), das Österreich-Ticket für alle öffentlichen Transportmittel sowie der Gratis-Kindergarten ab dem 5. Lebensjahr. Aber auch welchen wirtschaftspolitischen Kurs die ÖVP unter Molterer einschlagen würde, ist absehbar: Weitere Privatisierungen von staatsnahen Unternehmen, um zum Beispiel einen Pflegefonds zu speisen. Eine klare, unzweideutige Pro-EU-Haltung, eine steuerliche Entlastung von Spitzenverdienern und Klein- und Mittelbetrieben sowie die Stärkung des Wirtschaftsstandorts.

SPÖ und der soziale Ausgleich
Auch SPÖ-Wahlkampfschlager Werner Faymann punktete mit der Strategie, allen Wählerschichten finanzielle Versprechungen zu machen. Im Unterschied zur ÖVP nimmt Faymann dafür auch gern ein höheres Budgetdefizit in Kauf, was ihm als Kanzler in kurzer Zeit herbe Kritik aus Brüssel einbringen würde.
Was insgesamt zur neuen Linie der Sozialdemokratischen Partei passt: Gegenüber der Europäischen Union wird die Partei in Zukunft einen kritischeren Kurs fahren und in Allianz mit der „Kronen Zeitung“ eine Politik für „die Sorgen der einfachen Bürger“ machen.

Keiner ist Kreisky
Ob die SPÖ dafür auch das Risiko eingeht, dass sich Unternehmen weniger begeistert als in den vergangenen Jahren in Österreich ansiedeln, hat der sozialdemokratische Spitzenkandidat im Wahlkampf nicht beantwortet. Wie auch konkrete Pläne zur Umsetzung der Gesamtschule und der Einführung einer Vermögenssteuer, die beide unter einem Kanzler Faymann aktuell würden, fehlen. Für den Politikexperten Fritz Plasser steht jedenfalls fest, dass beide Kandidaten das Zeug zum Kanzler haben. Allerdings: „An das Kanzlerimage Bruno Kreiskys aus den 70er-Jahren kommt niemand mehr heran.“ Dafür ist das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Politiker insgesamt zu stark gesunken. Was der Wahlausgang wohl beweisen wird.

Von Markus Pühringer und Nicole Stern

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