Corona-Lockdown: Wien sperrt am 3. Mai wieder teilweise auf

Der Handel, Freizeitbetriebe, Dienstleister, Friseure und Museen dürfen ab kommender Woche wieder öffnen. Weiterhin gibt es Skepsis zu den Öffnungsschritten des Bundes am 19. Mai. Die Viruszahlen bleiben hoch, aber stabil.

Corona-Lockdown: Wien sperrt am 3. Mai wieder teilweise auf

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (r.) und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr zur Öffnung am 3. Mai

Wien. Wien beendet den harten Lockdown anders als erwartet schon am 3. Mai. Damit dürfen ab dem kommenden Montag neben dem Handel Friseure, Kosmetikerinnen, Fußpfleger, Masseurinnen und andere "körpernahe Dienstleister" wieder öffnen. Auch Museen und Freizeitbetriebe wie Zoos dürfen aufsperren, die Gastronomie bleibt geschlossen (bis vorläufig 19. Mai).

Begleitet werden die Öffnungsschritte mit Tests, wie Bürgermeister Michael Ludwig nach Beratungen mit Fachleuten erklärte. Ludwig schloss gleichzeitig eine Rücknahme der Öffnungen im Falle steigender Infektionszahlen nicht aus.

Die Regeln

Die bisher geltenden Maskenpflicht beleibt aufrecht, ebenso Abstandsregeln und eine Mindestfläche von 20 Quadratmetern pro Person. Bei den Dienstleistern wird eine Terminvereinbarung empfohlen.

Die Voraussetzung für das Eintreten in die Geschäfte ist ein negativer Antigentest (nicht älter als 48 Stunden) oder ein negativer PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden). Eine in den letzten sechs Monaten durchgemachte Corona-Infektion mit schriftlichem Nachweis ermöglicht den Besuch von körpernahen Dienstleistern ohne Test.

Ausgenommen von der Testpflicht ist der Handel. Konsumenten dürfen ab kommenden Montag [3. Mai] auch ohne negativen Testbescheid in die Geschäfte.

Auch ein weiteres Wiener Lockdown-Spezifikum fällt: Die FFP2-Maskenpflicht, die an einigen öffentlichen Plätzen verhängt worden war. Sie wird ebenfalls aufgehoben. Bereits am Wochenende wurden in der Wiener Innenstadt die FFP-Maskenpflicht und das Konsumationsverbot in der Nähe von Take-away-Ständen verschiedener Restaurants oder Kaffeehäuser aufgehoben.

Mit dem Lockdownende schon ab 3. Mai geht Wien den gleich Weg wie Niederösterreich, das Burgenland hat schon vor einer Woche geöffnet. Die drei Bundesländer hatten als Ostregion gemeinsam am 1. April einen "Oster-Lockdown" verhängt und ihn später bis 18. April verlängert.

Wien und Niederösterreich verlängerten noch einmal bis 2. Mai - wobei die Schulen schon am 26. April öffneten -, während das Burgenland mit 19. April wieder zu den weniger restriktiven Regeln zurückkehrte. In Wien wird dies nun ebenfalls geschehen. Auf APA-Anfrage wurde bekräftigt, dass die Aufsperr-Erlaubnis auch für die zunächst nicht genannten Bereiche wie Museen und Zoos gilt.

Wirkender Schutz, aber Vorsicht!

Ludwig berichtete von seiner heutigen Beratungsrunde, an der unter anderem Spitalsärzte und Fachleute aus dem Bereich der Pflege teilgenommen haben. Diese hätten ihn darüber unterrichtet, dass die Schutzmaßnahmen offenbar wirken und die Situation in den Spitälern nicht mehr so angespannt sei wie vor drei Wochen: "Resümierend kann man sagen, es ist besser geworden." Aber, so fügte er warnend hinzu, noch liege man über der kritischen Marke von 33 Prozent Coronapatienten auf den Intensivstationen. "Wir sind noch lange nicht dort, wo wir sein sollten."

Trotzdem seien "umsichtige, intelligente und nachhaltige" Öffnungsschritte möglich. Bei den persönlichen Dienstleistern bedeutet dies Testpflicht, wie sie bereits vor dem Ost-Lockdown gegolten hat. In diesem Bereich sei eine derartige Verpflichtung möglich, da man sich dort meist Termine ausmache, gab der Stadtchef zu bedenken. Eintrittstests im Handel, wie sie in der Ostregion zuletzt im Raum standen, waren heute kein Thema mehr.

Ludwig appellierte jedoch auch an die "Eigenverantwortung" der Wienerinnen und Wiener und ersuchte weiter um Vorsicht. Es bestehe die Gefahr, dass Menschen aus Freude über die Lockerungen unvorsichtig würden.

Die Suche nach dem Virus-Weg

Sollte sich die Situation bei den Infektionszahlen und in den Krankenhäusern wieder verschlechtern, dann sei eine Rücknahme der Schritte denkbar, bekräftigte er. Begleitend zur Öffnung wird Wien wissenschaftlich erheben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich an bestimmten Orten anzustecken. Es sei zwar bekannt, dass dies oft in den Familien oder im privaten Umfeld geschehe, aber das Virus müsse dort ja hineingetragen werden, gab Ludwig zu bedenken. "Das wird dort nicht wie Schwammerl aus dem Boden wachsen."

Solange nicht ein größerer Teil der Bevölkerung durchgeimpft ist, werde man sich noch mit Masken, Testungen oder Contact Tracing behelfen müssen. Ludwig verwies auch auf den Umstand, dass nun oft Jüngere betroffen seien. Es sei verständlich, dass diese - gerade bei schönem Wetter - die Kommunikation mit anderen suchen würden. Problematisch sei aber, dass auch in dieser Gruppe milde Verläufe mit gravierenden Langzeitfolgen einhergehen könnten.

Die Skepsis zu Öffnungsschritten am 19. Mai

Ludwig bekräftigte einmal mehr, dass er noch nicht über die vom Bund angedachten allgemeinen Öffnungsschritte ab 19. Mai entschieden habe. Prognosen seien hier schwierig, versicherte er: "Alles was über zehn Tage hinausreicht, ist nicht seriös bestimmbar." Er mache aber einmal mehr keinen Hehl daraus, dass er "sehr skeptisch" ist, viele Bereiche auf einmal aufzusperren. "Ich bin bei der Öffnung in der Gruppe Sicherheit." Ein erstes Gespräch - erneut mit Experten - wird es im Rathaus kommende Woche geben, kündigte Ludwig an.

Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr zeigte sich überzeugt, dass die heute angekündigten Schritte gut zu vertreten seien. Froh zeigte er sich darüber, dass die Schulen in Wien bereits wieder geöffnet haben. Er hob die entsprechenden Sicherheitskonzepte hervor und verwies auch auf das laufenden Pilotprojekt, bei dem erhoben wird, wie PCR-Gurgeltests in Bildungseinrichtungen logistisch durchgeführt werden können. "Die Schulen können ein Vorbild sein für andere Gesellschaftsbereiche", zeigte sich der Vizebürgermeister und Bildungsstadtrat überzeugt.

Corona-Zahlen: stabil auf hohem Niveau

Die Coronazahlen schienen sich zuletzt in Wien zu stabilisieren, wenn auch auf noch hohem Niveau. Für den gestrigen Montag wurden etwa 354 positive Test-Befunde eingemeldet. Inklusive Nachmeldungen und abzüglich von Datenbereinigungen aus den vergangenen Tagen waren es gar nur 176 neue Fälle.

Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie in der Bundeshauptstadt 132.296 positive bestätigte Testungen und 2.163 Todesfälle aufgrund von bzw. an den Folgen von Covid-19 dokumentiert. Aktiv an der Erkrankung laborieren 4.639 Personen, wieder gesund sind 125.494.

In den Wiener Spitälern zeigte sich ein etwas ambivalentes Bild: Im 24-Stunden-Vergleich gab es eine Zunahme an Corona-Patientinnen und -Patienten, auch auf den Intensivstationen. Im Wochenvergleich zeigen die Daten unterdessen einen deutlichen Rückgang bei den Covid-Belagszahlen. Laut Daten des Innen- und Gesundheitsministeriums müssen derzeit 629 Patientinnen und Patienten aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus in einem Krankenhaus versorgt werden, 186 davon intensivmedizinisch.

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