City-Ranking: Wien ist Spitzenreiter in Sachen Lebensqualität

Wien ist weltweiter Spitzenreiter bei der Lebensqualität. Das geht auf Kosten der wirtschaftlichen Attraktivität, des Big-Mac-Index und der Kaufkraft.

Die Chance, in Wien Opfer eines Mordes zu werden, liegt bei 1:100.000. Das ist ein ausgesprochen niedriger Wert. Ein Londoner Citizen lebt mit einer statistischen Mordopfer-Wahrscheinlichkeit von 1:40.000, Einwohner von New York ereilt dieses Schicksal mit einer Quote von 1:16.600. In Bezug auf die Mordrate ist Wien daher tatsächlich eine der sichersten Großstädte der Welt. Selbst die 105.000 Straftaten im ersten Halbjahr 2010 sind ein vergleichsweise guter Wert. Anders liegt der Fall allerdings bei Wohnungseinbrüchen und Taschendiebstählen, wo selbst Mega-Cities wie New York, Paris oder Berlin besser liegen. Alles Zahlen, die im laufenden Wiener Wahlkampf von den Parteien je nach Interessenlage für ihre Kampagnen benutzt werden.

Bürgermeister Michael Häupl inszeniert sich in diesen emotionalen Wochen als Übervater der Stadt, der für ein „lebenswertes“ Wien kämpft. Die FPÖ will ein „besseres, sozialeres, gerechteres und sichereres Wien“, und die ÖVP sagt überhaupt, dass „es auch anders geht“. Was damit jeweils gemeint ist, sagen die Wahlkämpfer, wenn überhaupt, nur in Überschriften dazu.

Als europäische Großstadt steht Wien aber weniger im Wettbewerb mit den anderen acht Bundesländern, sondern misst sich mit Städten wie Paris, Berlin, London, Prag oder New York. Und hier muss die Stadt, glaubt man den zahlreichen Studien und Erhebungen , keinen Vergleich scheuen. Besonders stolz ist man im Rathaus auf die jährliche Studie der Unternehmensberater von Mercer, die Wien bereits zum zweiten Mal in Folge zum weltweiten Spitzenreiter in puncto Lebensqualität gekürt haben. Auch wenn die Methodik der Studie angezweifelt wird – die Ergebnisse beruhen auf Antworten ausländischer Mitarbeiter in internationalen Unternehmen –, so bietet sie gerade dadurch einen erfrischenden Blick von außen auf die Stadt der Raunzer und Grantler – was auch gerne als Wiener Gemütlichkeit bezeichnet wird.

Für dieses Mehr an Lebensqualität muss man allerdings in Wien auf ökonomisch relevante Indikatoren wie Kaufkraft, Brutto-Stundenlohn oder Lebenshaltungskosten verzichten. In Tokio, London oder New York muss man beispielsweise einige Minuten weniger lang für einen Big Mac arbeiten. Dieser Befund gilt jedoch nicht nur für Burger, sondern auch für andere, wichtigere Güter des täglichen Lebens wie Miete, Kleidung oder elektronische Geräte. Ein weiteres Manko Wiens: Die Stadt zieht keine jungen, gebildeten Zuwanderer an. Anders als Berlin, das als „arm, aber sexy“ gilt, ist Wien für junge Menschen aus dem Ausland wenig attraktiv. Zugpferd des Wien-Tourismus ist noch immer das imperiale Erbe, eine kreative Szene wie in London, Amsterdam oder Barcelona existiert kaum.

Dafür behält sich die Stadt ihren morbiden Charme. Die Wiener lächeln österreichweit am häufigsten, und ein Erdgrab ist schon um schlappe 2.000 Euro auf zehn Jahre für die Zeit danach reserviert.

Sllideshow: Wien im Vergleich

– Markus Pühringer

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