Casinos-Affäre: Finanzminister Müller will Aufklärung unterstützen

 Casinos-Affäre: Finanzminister Müller will Aufklärung unterstützen

Finanzminister Eduard Müller (re.) und Inneminister Wolfgang Peschorn.

Die SPÖ stellt eine dringliche Anfrage zur Postenbesetzung bei der Casino Austria. Der Finanzminister leitete Prüfung von Gutachten ein.

Wien/Gumpoldskirchen. Finanzminister Eduard Müller hat am Dienstag zugesichert, sein Ministerium werde die Behörden und das Parlament bei der Aufklärung der Causa Casinos "vollumfänglich" unterstützen. Das sagte er bei der Beantwortung einer an ihn gerichteten Dringlichen Anfrage der SPÖ im Nationalrat. Müller gab außerdem bekannt, dass er die Finanzprokuratur in der Affäre mit einer genauen Prüfung beauftragt habe.

Bei der Prüfung gehe es um ein übermitteltes Privatgutachten "zur glücksspielrechtlichen Beurteilung der Bestellung eines Vorstandsmitgliedes der Casag", erklärte der Finanzminister am Dienstag vor den Abgeordneten - wohl mit Blick auf die Bestellung von FPÖ-Bezirksrat Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria. Diese Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, berichtete Müller am Dienstag.

Im April sei bereits eine erforderliche Redlichkeits- und Eignungsprüfung nach dem Glücksspielgesetz erfolgt, sagte Müller. Die glücksspielrechtlichen Anforderungen wurden seitens der Casag bescheinigt, so Müller. Zum Zeitpunkt der Bestellung lagen demnach keine Gründe vor, die einer möglichen Bestellung widersprachen.

Keine Informationen

Weiters berichtete Müller, dass die Staatskommissäre vom damaligen Finanzminister Hartwig Löger "keine Informationen über die Eignung von Peter Sidlo erhalten" hätten. Löger hätte in dieser Causa keine Weisungen erteilt, so Müller. ÖVP-Minister Löger war unter Verdacht geraten, weil sich Ex-Vizekanzler Strache bei ihm per SMS für "deine Unterstützung bezüglich CASAG" bedankt hatte.

Angesprochen auf das Verhältnis zwischen Finanzministerium und der Staatsholding ÖBAG, dessen Vorstand Thomas Schmid in der Casinos-Affäre ebenfalls ins Visier der Ermittler geraten ist, hielt Müller fest, dass durch die Umwandlung der Vorgängergesellschaft ÖBIB in die ÖBAG eine wesentliche Änderung in der Eigentümerrolle des Finanzministeriums eintrat. "Während die Geschäftsführung der in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung errichteten ÖBIB entsprechend den Bestimmungen des GmbH-Gesetzes den Weisungen des Bundesministers für Finanzen unterworfen war, ist der Vorstand der in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft errichteten ÖBAG grundsätzlich weisungsfrei", so Müller.

Im Rahmen der Verantwortung

Der Finanzminister versicherte jedenfalls, er werde die Behörden und das Parlament vollumfänglich in der raschen Aufklärung der gegenständlichen Causa unterstützen. "Im Rahmen unserer Verantwortung werden wir darauf achten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Gesellschaften geschützt und die Interessen der Republik im Sinne der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gewahrt werden", sagte er. "Außerdem dürfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht die Leidtragenden der Causa sein."

Viele Fragen der Dringlichen SPÖ-Anfrage konnte Müller am Dienstag nicht beantworten - er berief sich etwa darauf, dass ihm keine Informationen vorliegen würden, dass er sich an die Amtsverschwiegenheit halten müsse, dass er Medienberichte nicht kommentiere oder dass es in der Causa ein als "Verschlusssache" geführtes Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gebe. Aus diesen Gründen hatte Müller auf viele Fragen "keine inhaltlichen Antworten".

Müller selbst habe mit Betroffenen in der ÖBAG Gespräche geführt, sagte er am Dienstag. "Der Vorsitzende des Aufsichtsrates bekräftigt, dass nach seinen Wahrnehmungen sowohl ÖBAG-intern als auch in Bezug auf das Management der Beteiligungsgesellschaften der ÖBAG die volle Handlungsfähigkeit des Vorstandes gegeben ist und daher derzeit kein Handlungsbedarf besteht", betonte der Minister, dem versprochen wurde, über weitere Entwicklungen informiert zu werden.

Keine Weisungen von Müller

Müller selbst habe zur Vorstandsbestellung der Casinos Austria keine Weisungen erteilt, sagte er. Von den Chatverläufen, die zuletzt durch diverse Berichte geisterten, habe Müller auch aus den Medien erfahren.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hatte zuvor in ihrer Rede im Nationalrat "schonungslose Aufklärung" gefordert. Einen Untersuchungsausschuss zur Causa Casinos nannte sie "unausweichlich". In einem solchen U-Ausschuss sollten unter anderem Fragen beantwortet werden wie "Welche Regierungsmitglieder haben hier mitgespielt?" oder "Haben sie Fäden gezogen oder sind sie nur informiert worden?", so Rendi-Wagner.

"Jeder Tag, der vergeht, wirft einen Verdacht mehr auf", sagte die SPÖ-Chefin und kündigte an: "Wir werden dafür sorgen, dass diese Aufklärung erfolgt." Der Verdacht des Gegengeschäftes wiege "sehr schwer", sagte Rendi-Wagner in Bezug auf den Verdacht "Postenvergabe gegen Casinolizenzen". Statt über den Verdacht der Korruption zu sprechen, würde sie im Nationalrat lieber über "die großen Zukunftsherausforderungen unserer Zeit" reden, etwa wie man der Klimakrise begegne.

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