Burgstaller: "Aktuell sind wir mit 88 Millionen im Plus"

Burgstaller: "Aktuell sind wir mit 88 Millionen im Plus"

FORMAT: Frau Landeshauptfrau, wie viele Schulden hat das Land Salzburg wenige Tage vor der Landtagswahl nun eigentlich genau?

Gabi Burgstaller: Wir haben 850 Millionen Haushaltsschulden, unser Wohnbaufonds hat 605 Millionen Finanzschulden, denen dreifache Werte gegenüberstehen. Aus den Spekulationsgeschäften gab es 1,8 Milliarden Schulden als Kredite, über 900 Millionen davon haben wir abgebaut.

Bis Ende 2013 will Salzburg aus allen Spekulationsgeschäften draußen sein. Schaffen Sie das?

Burgstaller: Wir bemühen uns. Aktuell sind wir mit 88 Millionen im Plus.

Wie geht es Ihnen persönlich mit dem Druck der vergangenen Monate?

Burgstaller: Jeder mit Gespür kann sich vorstellen, dass man das nur aushält, wenn man Zuspruch bekommt. Den habe ich. Nur die ÖVP hat ausschließlich im Sinn, Erster zu werden.

Ihr Verhältnis zu ÖVP-Chef Haslauer hat gelitten. Was tun Sie, wenn nach der Wahl keine andere Regierungsvariante bleibt als wieder mit der ÖVP?

Burgstaller: Wenn die SPÖ wieder die Regierungsbildung übertragen bekommt, werde ich alle Parteien einladen - aber darauf achten, wer bei Reformen Partner sein kann. Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Können Sie mit der ÖVP überhaupt noch - und können vor allem Haslauer und Sie noch miteinander?

Burgstaller: Die ÖVP-Führung hat das Land im Stich gelassen. Eine ÖVP nach Haslauer kann für uns aber Partner sein.

Eine neue Koalition mit der ÖVP ist also möglich, jedoch erst nach erfolgtem Rücktritt Wilfried Haslauers?

Burgstaller: So ist es. Er hat uns in der schweren Situation im Regen stehen lassen und sich in meinen Augen disqualifiziert. Es gibt in der ÖVP aber viele konstruktive Kräfte, zu denen ich gute Verbindungen habe.

Zum Beispiel?

Burgstaller: Wenn ich die mit vollem Namen nenne, bekommt ihnen das nicht gut.

Es könnte sich auch eine Alternative zur ÖVP als Koalitionspartner ergeben.

Burgstaller: Das entscheiden zunächst die Wähler. Ich will in der schwierigen Situation des Landes keine Koalition des kleinstmöglichen Nenners, sondern eine der größtmöglichen Reformen.

Ein Szenario ist, dass die SPÖ vor der ÖVP bleibt, beide Parteien aber massiv Stimmen verlieren. Wo liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze, ab der Sie zurücktreten, auch wenn Sie Erste sind?

Burgstaller: Solche Fragen beantworte ich erst nach dem Wahltag.

Wie groß schätzen Sie selbst die Chance ein, dass Sie nach der Wahl nicht mehr Landeshauptfrau sind?

Burgstaller: Das ist Spekulation. Wir werden es am 5. Mai um 17 Uhr wissen.

Verschiedene Gerüchte über eine Amtsmüdigkeit ihrerseits gab es ja bereits vor dem Finanzskandal.

Burgstaller: Das war kein Gerücht und hatte nichts mit Amtsmüdigkeit zu tun. Ich hatte eine andere berufliche Perspektive, die ist mittlerweile Geschichte. Dass ich 2014 unter normalen Umständen nicht mehr angetreten wäre, habe ich bereits öffentlich gesagt.

Bleiben Sie die volle Periode, wenn Sie neuerlich Landeshauptfrau werden?

Burgstaller: Das kann ich derzeit nicht sagen. Wenn ich gewählt werde, möchte ich die Reformen umsetzen, in zwei Jahren kann man da viel erreichen.

Heißt das, wenn Sie wiedergewählt werden, räumen Sie zuerst auf und übergeben dann an einen Nachfolger?

Burgstaller: Das kann durchaus sein. Es gibt gute Leute in der Salzburger SPÖ, die das Ruder übernehmen können.

Wann lernen wir die denn kennen?

Burgstaller: Es gibt sie, machen Sie sich keine Sorgen. Sie werden ein Abbild der Zukunft in der nächsten Regierung sehen, sollten wir gewählt werden.

Ihr ehemaliger Kronprinz David Brenner kommt aber nicht zurück?

Burgstaller: Das schließe ich aus.

Was werden Sie tun, wenn Sie nicht mehr Landeshauptfrau von Salzburg sind? Haben Sie noch politische Ziele?

Burgstaller: Ich habe mir immer vorgenommen, nicht in der Politik in Pension zu gehen. Das Leben ist so vielfältig, ich möchte auch noch andere Erfahrungen machen. Derzeit ist mein Platz aber hier. Danach mache ich etwas ganz anderes.

- Klaus Puchleitner

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Heide Schmidt, Juristin und Politikerin (zunächst FPÖ, dann Gründerin des Liberalen Forums LIF).

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