Der Bundespräsident sollte ein Weichei sein

Der Bundespräsident sollte ein Weichei sein

trend-Redakteur Othmar Pruckner

Die Republik braucht weder einen kleinen Diktator noch einen großen Vorsitzenden. Sondern einen langweiligen Staats-Coach.

Sind Sie auch davon überzeugt, dass Österreich einen ganz starken Präsidenten braucht? Einen, der unseren geschmähten Politkasperln endlich einmal die Wadln graderichtet? Der die Regierung, nach kurzer, intensiver Bedenkzeit knallhart entlässt oder, noch besser, gleich gar nicht bestellt? Der jede Woche Kanzler und Vizekanzler in die Hofburg befehligt und ihnen den Kopf - aber ordentlich - wäscht? Wenn Sie das wollen, sollten Sie bitte nicht weiterlesen. Hier wird nämlich ein Jobprofil des Bundespräsidenten (beziehungsweise der Bundespräsidentin) gezeichnet, das völlig anders aussieht als permanent öffentlich herbeigewünscht.

Ich will, unter uns gesprochen, nämlich keinen Cowboy als Präsidenten, sondern viel lieber ein fades Weichei. Das klingt jetzt wenig unterhaltsam, aber Lasso und Schießeisen führen in der Regel zu nichts. In unserer aufgeganselten Erlebnis-und Mediendemokratie kommt Gelassenheit nicht so gut, genau die täte aber dem hysterischen Reizklima sehr wohl. Der Präsident soll bitte niemals aus der Hüfte schießen, sondern ruhig Blut bewahren. Zuhören. Abwägen. Ein Möchtegern-Rambo im Lande reicht. Was die Republik braucht, ist ein Mann oder eine Frau, bei dem (oder der) sich nicht nur die Regierungsspitzen, sondern auch Sozialpartnerbosse und Wirtschaftskapitäne - jawohl! - richtig ausweinen dürfen. Österreich braucht weder einen großen Vorsitzenden noch einen kleinen Diktator, sondern einen Bundes-Coach. Das wäre die Jobanforderung. Diese einzulösen ist freilich schwer genug.


Das Regierungsteam braucht niemanden, der peitschenknallend Höchstleistungen einfordert

Man muss sich ja bloß die nähere Zukunft ausmalen: Die nächste Nationalratswahl, die kommende Regierungsbildung wird kaum frisch und fröhlich über die Bühne gehen. Da werden, um es salopp zu sagen, die Fetzen fliegen, und zwar ordentlich. In den kommenden Krisen hilft es nix, wenn der Herr Präsident/die Frau Präsidentin oberg'scheit eins draufsetzt oder gar die beleidigte Leberwurst spielt.

Mit Bundescoach ist - nota bene - nicht "Nationaltrainer" gemeint. Das Regierungsteam braucht niemanden, der peitschenknallend Höchstleistungen einfordert und während des Spiels ständig ins Feld brüllt. Was es braucht, ist vielmehr eine Stimme der Vernunft. Die ist in der Regel leise. Es braucht keinen neuen Aufreger, sondern einen Beruhiger in unruhiger werdenden Zeiten. Es braucht keinen strengen Schiri, sondern jemanden, der gesittete Debatten auslösen, führen und wieder einfangen kann.

Coaches, das wissen viele aus eigener Erfahrung, können Ehen retten und auch Unternehmen. Sie können Betriebsübergaben moderieren, Konflikte im Management lösen, böse Streits schlichten. Sie dürfen dabei freilich selbst nie in den Vordergrund treten, sondern sollten im Gegenteil stets clever und smart, eben diplomatisch, im Hintergrund agieren.

Ja, so ein Coach an der Staatsspitze, das täte dem Lande gut. Jemand, der die österreichische Seele versteht, der nicht stark, sondern vor allem klug agiert. Der ein Mediator ist, ein Mensch, der nicht kläfft, sondern vermittelt. Der ein Raumklima schafft, in dem man weiterhin in Ruhe wirtschaften und in Frieden leben kann.

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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