Brexit - Nigel Farage tritt als UKIP-Chef zurück

Brexit - Nigel Farage tritt als UKIP-Chef zurück

"Aufgabe erfüllt" - daher tritt Nigel Farage zurück.

Brexit der anderen Sorte: Der Kampagnenführer für den Austritt Großbritanniens und Chef der Partei UKIP (UK Independence Party) kneift. Nachdem er die Briten mit Brexit zum Austritt aus der EU getrieben hat, ist er nun zurückgetreten. Die Kritik am Verhalten von Farage folgte prompt. Die "Zündler" schleichen sich davon.

London. Der Chef der rechtspopulistischen britischen Partei UKIP, Nigel Farage, tritt zurück. Der Brexit-Wortführer sagte am Montag, er habe mit dem Votum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seine "Aufgabe erfüllt", nun wolle er "sein Leben zurückhaben". Er werde aber weiterhin die Partei sowie "Unabhängigkeitsbewegungen" in anderen EU-Ländern unterstützen, betonte Farage.

"Ich habe entschieden, als Chef der UKIP zurückzutreten", sagte Farage vor Journalisten. "Der Sieg des 'Leave'-Lagers bei dem Referendum bedeutet, dass sich meine politischen Ziele erfüllt haben." Um dieses Ziel hatte sich sein ganzes politisches Leben gedreht - "absolut alles", wie er mitten im Brexit-Wahlkampf der Nachrichtenagentur AFP sagte. Dafür habe er seit der Gründung der UKIP 1993 gekämpft.

Farage, Brexit-Wortführer und Chef der rechtspopulistischen britischen Partei UKIP, sagte am Montag, er habe mit dem Votum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seine "Aufgabe erfüllt". Der als Favorit für den Posten des Premierministers gehandelte Brexit-Wortführer bei den britischen Konservativen, Boris Johnson, hatte am Donnerstag überraschend angekündigt, nicht bei der Wahl zum Tory-Vorsitzenden anzutreten.

Als vor eineinhalb Wochen das Ergebnis der Brexit-Abstimmung verkündet wurde, hatte Farage Tränen in den Augen vor Freude. Während des Wahlkampfes hatte der selbsterklärte Europa-Hasser mit seinen Sprüchen die Aufmerksamkeit der Medien gefesselt und seine Anhänger mit seiner scharfen Rhetorik begeistert. Gemäßigten Konservativen galt der starke Raucher und Trinker, der gern mit einem Bier in der Hand und einer Zigarette zwischen den Lippen im Pub seine Volkstümlichkeit demonstriert, dagegen als zu radikal und zu kontrovers.

Sein verruchtes Image verhinderte auch sechs Mal, dass die Briten Farage ins Londoner Parlament wählten. Nicht verlegen, trat der Europagegner daraufhin zur Wahl des EU-Parlaments in Straßburg an, wo er seit 1999 ohne Unterbrechung sitzt. Wie andere Rechtspopulisten auch sah er keinen Widerspruch darin, im Europaparlament zu sitzen und trotzdem in den schrillsten Tönen gegen die "korrupten" und "antidemokratischen" EU-Institutionen zu hetzen.

Der nun zurückgetretene UKIP-Chef Nigel Farage hatte schon wenige Stunden nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses vor laufender Kamera eingestanden, dass die Brexit-Kampagne mit falschen Zahlen agiert hatte. Farage sprach salopp von "einem Fehler", für den er freilich sich selbst nicht in der Verantwortung sieht.


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Der 52-jährige Farage ist Mitglied der ersten Stunde der 1993 gegründeten UKIP. Es ist nicht sein erster Rücktritt vom Parteivorsitz. 2015 quittierte er sein Amt, als seine Partei nicht einen Parlamentssitz bei den Wahlen im Vereinigten Königreich errang. Drei Tage später verkündete er jedoch wieder den Rücktritt vom Rücktritt.

Die Brexit-Befürworter haben im Wahlkampf damit geworben, den Zuzug von Ausländern aus der EU zu begrenzen. Allerdings wollen sie auch einen möglichst ungehinderten Zugang zum gemeinsamen Markt der EU erhalten. Die UKIP, der Kritiker rechtspopulistische Parolen vorwerfen, zählte zu den entschiedensten Befürwortern einer Trennung von der EU.

Mit scharfen Worten hat der ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, Othmar Karas, den Rücktritt des britischen UKIP-Chefs Nigel Farage kommentiert. "Die Zündler schleichen sich davon. Das Nicht-Antreten Boris Johnsons und der Rücktritt Nigel Farages zeigen die Verantwortungslosigkeit und Planlosigkeit der Brexit-Befürworter", sagte Karas am Montag.

"Erst richten Sie einen Scherbenhaufen an und dann wollen sie sich an den Aufräumarbeiten nicht beteiligen", kritisierte Karas.

Das Duett der Kneifer

Der Brexit hat in Großbritannien auch eine innenpolitische Krise ausgelöst. Der konservative Premierminister David Cameron hat seinen Rücktritt angekündigt. Sein Konkurrent, Parteifreund und Brexit-Gewinner, der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson, hat am Freitag bereits gekniffen. Er war sich mit seinem politischen Gegner Nigel Farage aber einer Meinung für den Brexit. Johnson kampagnisierte wie Frage für einen Austritt Großbritannien. Am vorigen Freitag verzichtete Johnson aber überraschend auf eine Kandidatur für die Cameron-Nachfolge.

Aber auch bei der Opposition wird kräftig gestritten. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbin wird massiv aus den eigenen Reihen angegriffen und muss nach einem Misstrauensvotum um sein politisches Überleben kämpfen.

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