"Auf lange Sicht bringen Spekulationen gar nichts"

"Auf lange Sicht bringen Spekulationen gar nichts"

FORMAT: In Österreich machen die Finanzgeschäfte von Salzburg und Linz Schlagzeilen. Zu Linz haben Sie ein Gutachten gestellt. Gibt es Parallelen zu den Salzburger Spekulationen?

Martin Janssen: Das sind, soweit ich das hier aus Zürich beurteilen kann, zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte, die miteinander nicht vergleichbar sind. In Linz wurde der Stadt eine komplexe Struktur von Finanzprodukten von der Bank, wie mir schien, aufgeschwatzt. In Salzburg hingegen wurden über viele Jahre Derivatgeschäfte gemacht – unter Beiziehung von mehreren Finanzexperten. Parallel dazu hat offenbar eine Beamtin verdeckte Geschäfte in großem Umfang getätigt. Dem scheint unrechtmäßiges Handeln zugrunde zu liegen. In Linz gibt es ein solches unrechtmäßiges Handeln nicht.

Mit welchen Strategien und Maßnahmen kann man solche Vorfälle in Zukunft verhindern?

Janssen: Das ist eine schwierige Frage. Generell sollte genau kontrolliert werden, aber wenn man bei jeder einzelnen Transaktion extrem misstrauisch ist, hört das Leben, wie wir es kennen, auf. Man kann nicht immer von kriminellen Absichten ausgehen. Die Gesellschaft baut auf einem gewissen Vertrauen auf. Diese Beamtin hat anscheinend geschickt hinter dem Rücken der Vorgesetzten und Kontrolleure agiert.

Sind Spekulationsgeschäfte für öffentliche Institutionen sinnvoll, oder sollte man generell die Finger davon lassen?

Janssen: Auf den internationalen Kapitalmärkten gibt es jede Menge profund ausgebildeter Experten. Um dort erfolgreich zu sein, muss man besser sein als diese Experten. Es ist unklar, warum gerade Beamte oder eine österreichische Behörde besser sein sollten als diese Fachleute. Es kann auch nicht Sache einer Behörde sein, Währungsspekulationen zu tätigen. So etwas wundert mich schon. Zudem zeigt sich auf den Märkten: Auf lange Sicht und im Durchschnitt gerechnet bringen die Spekulationen gar nichts. Vielleicht gelingt manchmal ein kleines Plus, aber langfristig gleicht man sich dem Durchschnitt an, wobei die Kosten nicht gedeckt werden können.

Welche Rolle spielen Banken? Sind sie mit schuld?

Janssen: Im Fall der Stadt Linz ist die Stadt wohl der Bank auf den Leim gegangen. Dazu kommt, dass das Geschäft, wie unsere Analyse zeigte, schon am Tag des Verkaufs nicht angemessen bewertet war. Die Beratung erfolgte also gegen die offensichtlichen Interessen von Linz.

Offenbar sind Institutionen und Verwaltungsbehörden in Österreich anfälliger für Spekulationsgeschäfte als in anderen Ländern. Wie handhabt man dies in der Schweiz?

Janssen: Es ist mir nicht bekannt, dass öffentliche Einrichtungen in der Schweiz Fremdwährungskredite aufnehmen würden. Ich würde in so einem Fall auch auf die Barrikaden steigen und einen entsprechenden Zeitungsartikel schreiben; es würden sicher auch Leserbriefe verfasst. Dass das in der Schweiz nicht vorkommt, hat natürlich auch mit den tiefen Zinsen im Schweizer Franken zu tun.

Rauchverbot: ÖVP-Granden stemmen sich gegen Sebastian Kurz

Politik

Rauchverbot: ÖVP-Granden stemmen sich gegen Sebastian Kurz

Kommentar
trend-Redakteurin Angelika Kramer

Standpunkte

Buwog-Prozess: Acht Jahre Einzigartigkeit sind genug

Politik

ÖVP und FPÖ einig: Rauchverbot in Gastronomie soll nicht kommen