Abhördienst NSA plante Zugriff auf alle Mobilfunknetze

Der US-Abhördienst NSA plante laut "The Intercept" eine Überwachung, die bisherige Annahmen weit übertreffen. Ziel war eine weltweite Überwachung aller Mobilfunker. Und neuere Verschlüsselungtechniken sollten ebenso geknackt werden, was aus jüngst veröffentlichen Snowden-Unterlagen zur Operation AURORAGOLD hervorgeht.

Abhördienst NSA plante Zugriff auf alle Mobilfunknetze

Ex-NSA-Mann und Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden hat noch weitere brisante Daten über NSA-Pläne im Köcher.

Washington. Die NSA hat laut Informationen aus Snowden-Papieren hunderte Mobilfunkanbieter ausgespäht, um früh auf Schwachstellen in den Netzen zu stoßen. Unter anderem habe der US-Geheimdienst dafür Arbeitsgruppen der Branchenvereinigung GSMA ausgeforscht, berichtete die Website "The Intercept" am Donnerstag. Bei der Operation "AURORAGOLD" seien mehr als 1.200 E-Mail-Konten in der Branche überwacht worden.

Die abgeschöpften Informationen über Sicherheitslücken würden an die Teams weitergegeben, die Software zum Eindringen in die Netze entwickeln, schrieb "The Intercept". Zum Jahr 2012 habe die NSA technische Informationen über 70 Prozent der Mobilfunk-Betreiber weltweit gesammelt.

Unter anderem habe der Abhördienst die Dokumente ausgewertet, in denen die Anbieter Informationen über das Funktionieren ihrer Netze austauschen. Das ist eine Standardprozedur, damit das Roaming bei Reisen in andere Länder funktioniert. Mit diesen Daten könne die National Security Agency (NSA) besser nach Sicherheitslücken suchen - und auch erfolgreicher daran arbeiten, eigene Schwachstellen einzuführen, heißt es in den Unterlagen.

Dass die NSA den Mobilfunk im Visier hat, war bereits bekannt. Sie soll die gängige Verschlüsselung des betagten GSM-Funkstandards geknackt und vor Jahren auch ein ungesichertes Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben. Das Ausmaß der Ausforschung von Mobilfunkanbietern ist aber neu. Laut den Dokumenten arbeitet die NSA auch daran, neuere Verschlüsselungstechniken auszuhebeln.

IT-Sicherheitsexperte Karsten Nohl sagte "The Intercept", das Ziel der NSA dürfte den Dokumenten zufolge gewesen sein, auf alle Mobilfunknetze in der Welt zugreifen zu können. Mikko Hypponen von der Antivirenfirma F-Secure wies darauf hin, dass eventuelle Schwachstellen genauso auch von Kriminellen ausgenützt werden könnten.

Bei "The Intercept" werten Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald die von dem Ex-Geheimdienstmitarbeiter und nunmehrigen Informanten Edward Snowden beschafften NSA-Unterlagen aus. Snowden, der mittlerweile in Russland lebt, hatte im vergangenen Jahr weitreichende Überwachungspraktiken des Geheimdienstes öffentlich gemacht.

Alternativer Nobelpreis

Der Ex-NSA-Mann Snowden hatte am 1. Dezember 2014 zusammen mit "Guardian"-Herausgeber Alan Rusbridger am Montag in Stockholm den Alternativen Nobelpreis verliehen bekommen. Snowden wurde der Preis in Abwesenheit verliehen.

"Es ist ein außergewöhnliches Privileg, zu den vielen gezählt zu werden, die für Menschenrechte gekämpft haben", sagte Snowden, der bei der Verleihung im schwedischen Reichstag per Video zugeschaltet wurde. Die USA suchen Snowden unter anderem wegen Geheimnisverrats.

Am Abend des selben Tages wurde Snowdens Vertrauter, der US-Journalist Glenn Greenwald (47), in München mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet werden. Die Informationen, die Snowden 2013 an Greenwald und seine Kollegen beim "Guardian" übergab, enthüllten NSA-Überwachungsprogramme wie "Prism". Damit kann der US-Geheimdienst auf Millionen Daten von Nutzern von Internetfirmen wie Facebook oder Google zugreifen. Um sich einer Strafverfolgung durch die US-Behörden zu entziehen, hält sich Snowden ist Snowden auf der Flucht vor den US-Ermittlern. Er hält sich in Russland auf. Dort hat er eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre.

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