5000 Zuhörer bei FPÖ-Kundgebung am Viktor-Adler-Markt. Ein Lokalaugenschein

Donnerstag, der 9. September, noch 31 Tage bis zur Wien-Wahl. Der Viktor-Adler-Markt ist wieder in Blau gehalten.

FPÖ-Luftballons mit dem „Superhelden“ HC Men, Partyzelte in blau und selbst ein Teil des Publikums ist bemüht, blaue Akzente zu setzen, zum Beispiel mit gewagtem hellblauem Seidenschal zum roten Plastik-Lederjackerl. Vorne die Bühne: Noch, macht nur die John Otti Band Bierzelt-"Musik", die HC-, HC-Sprechchöre finden noch wenig Widerhall.

Ganz hinten, hinter zwei Zäunen die Gegendemonstranten mit „Nazis-Raus“ Parolen, dazwischen eine größer werdende Anzahl an Interessierten, rundum Dutzende gelangweilte Polizisten. HC Strache ist erst für 18.00 Uhr angekündigt, noch gut eine Stunde ist Zeit, aber die Alkoholika bei den blauen Ständen finden bereits regen Anklang.

Da betritt Einpeitscher Harald Vilimsky die Bühne, mit mikrophonverstärkt und trotzdem gebrüllten FPÖ-Slogans: „Uns gehts um die Wienerinnen und Wiener.“ Und damit klar ist, wer nicht dazugehört: „Jeder, dem das nicht gefällt, soll gehen. Hätte die FPÖ schon heute das Sagen, gäbe es für die eine Vorteilskarte Richtung Marakesch oder Richtung Istanbul.“ Jubel in der Menge. Der Enddreißiger nebenan in Jeansjacke mit „Häupl, nein danke-T-Shirt“ johlt und erklärt dem Zopf-Träger neben ihm: „89 Prozent in den Schulen sind schon nicht deutschsprachig, des soll sozial sein? Geht’s nach den Sozis sollens wohl 100 Prozent werden.“ Gemeinsam ärgern sich die beiden über die Hetzkampagne – nicht die gegen Ausländer, sondern die angebliche im ORF gegen ihr Idol Heinz-Christian Strache, doch der ist nach wie vor nur auf den Wahlkampf-Postillen zu sehen. Die Menge wartet und trinkt.

Zwei Männer mit Schmiss und Anzug flüchten vor einem bereits Torkelnden mit Bierbechern, ein angewiderter Blick, da hilft auch die gemeinsame Parteipräferenz wenig.

Und weiter hinten gibt’s beinahe Krawall, nicht von den Demonstranten: Zwei Mitsiebziger wollen gehen. Ihre Ehefrauen schimpfen entsetzt: „Jetzt könnts net gehen, der Strache war ja net amal no da.“ Sie bleiben, aber mit Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern von ihren Frauen entfernt. Zum Walzer aus der Operette „Wiener Blut“ tanzt hier hinten nur ein kleines Mädchen.

Dann ist er da, Eye of the Tiger. Jetzt funktioniert das mit den HC Sprechchören auch mal. Die Österreichfahne, die ganz oben am Eckhaus über dem Viktor-Adler-Markt weht, wird nun geschwenkt. Strache bedankt sich fürs Kommen, bedenkt die „linken Randalierer“ hinten mit Häme. Natürlich geht’s nochmals um die Wiener und Wienerinnen, Jubel in der Menge. Aber auch die „gut Integrierten“ seien willkommen. Das entlockt dem Mann mit Glatze im schwarzen, nationalen Polo-Shirt kein Klatschen: Einer, der Andi (sprich „Aaaande“) reibt sich die Hände, sein Gegenüber meint zu verstehen, grinst und sagt: „Türken schlägern“. Ein anderer sagt: „Später“, er hat die „Zecken hinten eh auf Video“. Ein Handy läutet, der Klingelton ein Sprechchor: „Zecken raus, Zecken raus“.

Strache ist gerade bei „Wir sind für und nicht gegen ...-Sagern“, zum Beispiel: „Wir sind für unsere Heimat“. Die T-Shirt-Rückseite eines Lauschenden konterkariert die FPÖ-Sager. In Fraktur steht da: „Wir wissen, wen wir hassen“, die Vorderseite mit einem kleinen Comic-Kuklux-Clan-Kapuzenmännchen konkretisiert sein Gedankengut nochmals.

Strache fabuliert über eine gut integrierte, gebildete Polin. Ein Grüppchen gut angetrunkener Männer und Frauen ist ebenfalls beim Thema Nummer eins hier – den Ausländern. Hier kann man sich einfach nicht vorstellen, dass „die was bringen, für die zahlen wir nur ein, die gehen ja nicht wieder heim, sondern bei uns in Pension.“
Strache will keine Ostöffnung des Arbeitsmarkts, sondern Arbeitsplätze für die Wiener. Eine Wienerin kommentiert: „Mir gehen ja net amal arbeiten.“ Strache hört davon nichts, Zeit zu gehen und ihn mit den Seinen mit dem „goldenem Wienerherz“ alleine zu lassen.

Am Viktor-Adler-Markt ist man halt unter sich, die Zuwanderer vom Markt nebenan fühlen sich nicht willkommen, drängen sich durch die Menge zur U-Bahn. Nur das kleine dunkel-gelockte Zuwanderermädchen im Kinderwagen freut sich mächtig über ein Wahlwerbegeschenk, das HC-Bärchen.

Martina Madner

Peter Pelinka

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