20 Thesen im FORMAT-Check

95 Thesen von Managern zeigen, was die Politik tun müsste um Reformen in Österreich durchzuführen. FORMAT nimmt 20 Thesen unter die Lupe.

Unternehmer-Revolution

These 1: Sowohl Schule als auch Eltern müssen Kindern mehr Selbständigkeit mitgeben
Das Image der Selbständigkeit ist in Österreich äußerst schlecht. Unternehmerisches Denken muss in der Schule und im Elternhaus gefördert werden.

These 2: Wir brauchen eine Unternehmerverträglichkeits- prüfung
Wie es in Umweltfragen eine Umweltverträglichkeitsprüfung gibt, braucht es auch bei gesetzlichen Regulierungsvorhaben eine Prüfung der Auswirkungen auf unternehmerisches Handeln.

These 3: Mehr Unternehmertum braucht mehr Fairness im Wettbewerb
Österreich ist von gleichen Rahmenbedingungen für unternehmerischen Wettbewerb weit entfernt. Die Bundeswettbewerbsbehörde muss personell aufgestockt und das Wirtschaftsministerium um Wettbewerbskompetenzen ausgebaut werden.

These 4: Unternehmen brauchen keine Subventionen, sondern eine radikale Steuersenkung
Alle wirtschaftlichen Förderungen sind abzuschaffen. In gleichem Umfang werden die Steuern für Unternehmen gesenkt.

Bildung neu denken

These 5: Schulen brauchen Freiraum anstelle bürokratischer Verwaltungsapparate
Österreichs Schulen und Hochschulen brauchen ein modernes, selbstbestimmtes Management, das Direktoren wie engagierten Pädagogen und Pädagoginnen Gestaltungsfreiräume bringt.

These 6: Lehrerinnen und Lehrer sind die Architekten der Zukunft
Die Freude am gemeinsamen Lernen soll jungen Menschen erhalten bleiben. Lehrerinnen und Lehrer brauchen deshalb Entwicklungsmöglichkeiten, würdige Arbeitsplätze, und Engagement muss sich lohnen.

These 7: Lernen endet nicht am Schultor – bleiben wir neugierig bis ins höhere Alter
Lebensbegleitendes Lernen ist gerade in Hochlohnländern enorm wichtig. Bildungsbarrieren sind da kontraproduktiv. Bildung lohnt sich auch bei Älteren für Unternehmen, aber auch für den Staat. Pensionszahlungen sind später notwendig, und fitte Ältere verursachen weniger Gesundheitskosten.

Die Rolle der Finanzmärkte

These 8: Finanzmärkte dienen der Realwirtschaft
Dafür braucht es neue Regelungen, die helfen, möglichst wenig Fehler zu machen und präzise Vorhersagen zu treffen.

These 9: Wir brauchen moderne und sinnvolle Finanzmarktprodukte
Ein moderner Standort völlig ohne moderne Finanzprodukte ist nicht vorstellbar. Dennoch gibt es Situationen, in denen man das eine oder andere Instrument – zur Beruhigung der Märkte – aussetzen sollte.

These 10: Wir müssen einen Ordnungsrahmen etablieren, der die Schwächen des Marktes auffängt
Dafür braucht es ein verbessertes Risikomanagement der Banken wie etwa ein Entlohnungssystem, das der jeweiligen Rolle der Mitarbeiter entspricht: Boni für nachhaltiges Geschäft, Fixgehalt für kontrollierende Mitarbeiter.

These 11: Erhöhung der Eigenkapitalausstattung der Banken für risikobehaftete Geschäfte
Das ist der mit Abstand wichtigste Schritt. Die Baseler Ausschüsse arbeiten mit Hochdruck daran.

These 12: Diversifizierte Refinanzierung mit großem Anteil stabiler Quellen ist von großer Bedeutung
Das Management der Liquiditätsrisiken war bisher Stiefkind der Banken. Die Regulierung der Liquidität wird wichtiger.

Wirtschaft 2.0

These 13: Natürliches und soziales Kapital müssen in der Bewertung von wirtschaftlichen Aktivitäten eine größere Rolle spielen
Bilanzen, Gewinne oder das Bruttoinlandsprodukt sind als Indikatoren für wirtschaftlichen Erfolg nicht ausreichend. Modernes Wirtschaften bezieht soziale und natürliche Ressourcen in die Rechnung mit ein.

These 14: Entdecken wir die Vielfalt von Wohlstand wieder
Mehr Konsum bedeutet nicht notwendigerweise mehr Wohlstand. Nicht die Summe an Produkten, sondern wie diese die Qualität des Lebens verbessern, sorgt für Glück.

These 15: Die Anreize auf den Märkten müssen auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft werden
Die Folgen wirtschaftlicher Aktivitäten müssen über den Tag hinaus geplant werden. Investitionen an falscher Stelle werfen ihre Schatten über Jahrzehnte.

Unromantische Familien

These 16: Stabile familiäre Bindungen eröffnen Freiräume
Stabile familiäre Bindungen unabhängig von romantischen Idealvorstellungen fördern nicht nur die berufliche Entfaltung von Männern und Frauen, sie sind auch Voraussetzung für die Realisierung von Kinderwünschen.

These 17: Familie ist vielfältig zu denken
Familie besteht nicht nur aus Kindern und Eltern, sie entsteht überall dort, wo Kinder mit Erwachsenen zusammenleben. Politik sollte deshalb nicht ein Modell präferieren.

These 18: Die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben bietet ökonomische Chancen für Unternehmen und die Volkswirtschaft
Familienfreundliche Arbeitszeiten und Kinderbetreuung vermeiden teure Überstunden, steigern die Gesundheit und Leistungsfähigkeit, mindern dadurch Fehlzeiten und Knowhow-Verluste durch längere Auszeiten.

These 19: Wahlfreiheit muss die Einkommenschancen von Frauen fördern
Steigen die Löhne automatisch mit der Dauer des Dienstverhältnisses, sind Personen mit Babypausen benachteiligt. Die Sozialpartner sollten das Senioritätsprinzip reformieren.

These 20: Politik und Gesellschaft sollten die Vielfalt von Familien positiv bewerten
Die österreichische Politik hat die Tendenz, nur die Defizite von Lebensmustern zu kommunizieren. Wenn die Gründung einer Familie gefährlich erscheint, animiert das junge Menschen nicht, ihren Kinderwunsch umzusetzen.

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Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten in Wien

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