10 Fragen zu Ihrer Pension

10 Fragen zu Ihrer Pension

Neben den Steuern und der Bildung sind die Renten das große Streitthema bei den Regierungsverhandlungen. Das Pensionssystem braucht irgendwann eine Totalreform.

SPÖ und ÖVP drücken sich um dieses Eingeständnis. Schon wieder klafft trotz vergangener Reformen ein Finanzierungs-Milliardenloch. In der Bevölkerung herrscht Verunsicherung. FORMAT beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Pensionen.

1. Sind die Pensionen trotz des Milliardenlochs im Budget wirklich noch sicher?

Es wird auch in Zukunft eine staatliche Rente geben, aber weniger als heute. Denn bis 2060 steigen die staatlichen Zuschüsse ins Pensionssystem von derzeit 8,7 auf (valorisiert) knapp 37 Milliarden Euro. Wenn man nicht mit niedrigeren Renten gegensteuert. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Auf 1.000 Erwerbstätige kommen im Jahr 2060 500 Über-65-Jährige (derzeit: 270). Wegen zu erwartender neuer Milliardenlöcher im Budget bleibt offen, ob aktuelle Pensionsvereinbarungen halten. Die Beträge, die ab 2014 am Pensionskonto stehen, sind "ein politisches Versprechen, aber nicht mehr“, meint Pensionsexperte Ulrich Schuh: "Und bei den heute Jüngeren kann dieses Versprechen sicher nicht eingehalten werden.“

2. Das Pensionskonto kommt. Was bedeutet das für die Renten?

Für alle vor 1955 Geborenen bedeutet das Pensionskonto gar nichts, weil es für sie nicht gilt. Für alle anderen heißt es, dass ihre Pensionen nach einem neuen System berechnet werden: Nicht mehr die besten oder die letzten Jahre bilden die Berechnungsgrundlage für die Pensionshöhe, sondern das Einkommen des gesamten Arbeitslebens. Für so gut wie alle künftigen Pensionsbezieher sinkt dadurch ihre Rente. Pensionskonto heißt auch: Jeder Österreicher kann im Internet nachsehen, wieviel Pension er monatlich bekäme, würde er am Tag der Nachschau in Rente gehen - wenn er dürfte. Pro Beitragsmonat erhöht sich die Gutschrift auf dem Konto, bis sie am Tag des Rentenantritts ident mit der echten Pensionshöhe ist. Das Pensionskonto ist kein Beitragsmodell - man erhält nicht das aufs Konto, was man einzahlt. Die Beiträge werden nach einem komplizierten Modell in Gutschriften umgerechnet. Das Pensionskonto gilt ab 1.1.2014 - tatsächlich nachsehen, was drauf ist, können die Meisten ab Juli, vielleicht erst ab 2015. So lange braucht die PVA, bis alle Daten verarbeitet sind.

3. Werden unsere Pensionen künftig deutlich niedriger ausfallen?

Wie schon beschrieben: ja. Die größten Verlierer werden wegen des Pensionskontos heute junge Berufstätige mit Karriereknicks, Babypausen oder Auszeiten sowie stark schwankenden Einkommenskurven sein. Sie könnten bis zu 25 Prozent verlieren. Beispiel einer leitenden Angestellten, 35 Jahre alt, die im Lebensschnitt 3.500 Euro verdient und jahrelang in Teilzeit ist: Nach alter Berechnung würde sie im Jahr 2043 rund 2.500 Euro Pension erhalten (auf Kaufkraft-Basis von 2013). Im Pensionskonto-Modell sind es künftig 1.830 Euro.

4. Wie wichtig ist der Fragebogen, den die PVA an viele Östereicher verschickte?

1,7 Millionen Österreicher bekamen heuer Post von der PVA. Die Pensionsversicherung will wissen, was man während jener Zeiten gemacht hat, zu denen ihr keine Daten vorliegen. Sie sagt: um die Erstgutschrift für das Pensionskonto berechnen zu können. Doch wer den Brief nicht beantwortet, muss keine Nachteile fürchten - die Berechnung funktioniert so. Und Beitragszeiten nachmelden, die vielleicht die Rente erhöhen, kann man bis zum Tag des Pensionsantritts. Ausbildungszeiten haben keinen Einfluss auf die spätere Pensionshöhe - außer, man kauft sie nach. Genau das möchte die PVA mit ihrer Frage nach Zeugnissen und Studienabschlüssen erreichen. Die PVA würde davon profitieren, weil der Nachkauf fast immer mehr kostet (über 1000 Euro pro Monat), als er bringt. Bis auf wenige Ausnahmen ist es klüger, das Geld privat anzulegen. Und Achtung: Wer Erwerbszeiten nachmeldet, zu denen die PVA keine Daten hatte, dem könnte sogar eine Nachforderung von Beiträgen ins Haus stehen.

5. Warum hat unser Pensionssystem überhaupt Finanzierungsprobleme?

Das österreichische Pensionssystem stammt aus den 1950er-Jahren und funktioniert nach dem Umlageverfahren - die heute im Erwerbsleben Stehenden zahlen die Renten der Pensionisten. Das nennt man "Generationenvertrag“. Weil die Menschen inzwischen länger in Ausbildung stehen und älter werden als früher, arbeiten sie kürzer und beziehen länger eine Pension. Folgerichtig werden kürzer Beiträge in das Pensionssystem eingezahlt und länger Renten daraus bezogen. Das kann sich nicht ausgehen, daher muss der Staat Geld zuschießen.

6. Warum wollen Experten das schwedische Rentenmodell für Österreich?

In Schweden gibt es kein Umlage-, sondern ein Beitragsmodell. Auf das Pensionskonto eines Schweden kommen nicht umgerechnete Gutschriften, sondern seine tatsächlich geleisteten Beiträge. Wann die Schweden in Pension gehen, entscheiden sie innerhalb eines gewissen Rahmens selbst. Sie bekommen dann das, was sie im Erwerbsleben selbst eingezahlt haben, in Raten bis zum Erreichen der statistischen Lebenserwartung als Rente ausgezahlt. Erst danach übernimmt der Staat die Raten. Für den ist das ein Nullsummenspiel. Das Modell ist zukunftssicher, leistbar, transparent, einfach zu handhaben. Pferdefuß: Weil die Pensionen niedriger sind, tut eine parallele private Altersvorsorge Not.

7. Werden wir in Zukunft wirklich später in Pension gehen müssen?

Ja. Egal, was die Parteien versprechen oder ankündigen - daran führt kein Weg vorbei. Auf welche Weise das faktische an das gesetzliche Pensionsantrittsalter angeglichen werden soll, darüber streitet die Politik. Aber dass es so kommen wird, dürfte feststehen. Ab 2024 soll zudem das Antrittsalter der Frauen an das der Männer angeglichen werden. Derzeit liegt das gesetzliche Antrittsalter für Männer bei 65, das für Frauen bei 60 Jahren.

8. Warum ist immer vom faktischen Antrittsalter die Rede?

Weil sich bislang kaum jemand ans gesetzliche Antrittsalter hält: Von den 2,273 Millionen Pensionisten sind zwölf Prozent jünger als 60. Knapp die Hälfte der 133.000 Pensionsanträge aus dem Vorjahr wurden vorzeitig gestellt. Das durchschnittliche faktische Antrittsalter von derzeit 58,4 Jahren steigt nur langsam - zu langsam. Aber es ist entscheidend für die Größe der jährlichen Finanzierungslücke bei den Pensionen. Als Faustregel gilt: Jedes Jahr, das die Österreicher später in Pension gehen, spart dem Steuerzahler rund 1,4 Milliarden.

9. Invaliditätspension, Hacklerregelung: Welche Verschärfungen kommen jetzt?

Ende 2012 bezogen knapp 23.000 Männer und 21.000 Frauen unter 50 Jahren eine Invaliditätspension. 2014 wird nun die Invaliditätspension für unter 50-Jährige abgeschafft. Betroffene erhalten stattdessen Rehabilitations-Unterstützung und müssen, wenn sie wieder gesund sind, zurück ins Erwerbsleben. Auch der Berufsschutz wird eingeschränkt. Die "Hacklerregelung“ wird de facto abgeschafft. Und bei der sogenannten "Korridorpension“, die man ab einem Alter von 62 antreten kann, erhöhen sich die Abschläge von 4,2 auf 5,1 Prozent.

10. Wird es künftig überhaupt genug Jobs für ältere Arbeitnehmer geben?

Das ist die große Frage, hier ist die Politik gefordert, gute Rahmenbedingungen für altersgerechtes Arbeiten zu schaffen. Bisher scheitert sie daran kläglich. Das nun kolportierte ausgeweitete Bonus-Malus-System für Unternehmen, die Arbeitsplätze für Ältere schaffen, ist lediglich Kosmetik.

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