Russland will Österreich auf Steueroasen-Liste setzen

Russland will Österreich auf Steueroasen-Liste setzen

Auf die Watchlist von Russland: Das Fiaker-Image angepatzt - Österreich ist aus russischer Sicht Steueroase.

Österreichischen Töchtern russischer Unternehmen droht ab Jänner 2016 die Doppelbesteuerung. Über die geplante russische Verordnung wurde Wien bisher nicht informiert .

Wien/Moskau. Österreich findet sich in einer vorläufigen Liste von 119 Staaten und Territorien, die nach Ansicht russischer Behörden den Austausch von Steuerinformationen mit Russland nicht gewährleisten. Sollte das Dokument tatsächlich wie geplant in Form einer Verordnung in Kraft treten, drohen russischen Investoren in Österreich ab Jänner 2016 massive steuerliche Nachteile in ihrem Heimatland.

In ihrer Liste von Ländern und Territorien, die den Austausch von Steuerinformationen mit der Russischen Föderation behindern, nennt die russische Steuerbehörde FNS neben vielen Offshore-Gebieten auch die EU-Staaten Estland, Großbritannien, Österreich und Malta sowie Liechtenstein und die Schweiz. Der am 26. Oktober veröffentlichte Entwurf einer Verordnung der FNS befindet sich bis zum 9. November 2015 in Begutachtung und soll mit 1. Jänner 2016 in Kraft treten.

Unternehmen, die in den aufgelisteten Ländern und Territorien aktiv sind und zu mehr als 25 Prozent Russen oder russischen Firmen gehören, droht laut russischem Steuerrecht eine doppelte Besteuerung im jeweiligen Land und in Russland - davor würde sie auch das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Russland nicht schützen.

Ob eine Aufnahme Österreichs in die betreffende Liste auch österreichische Investoren in Russland benachteiligen könnte, ist bisher unklar. In der österreichischen Botschaft in Moskau heißt es auf Nachfrage, dass man vorweg über das Vorhaben der russischen Steuerbehörde nicht informiert gewesen sei. Der Sachverhalt werde derzeit intensiv geprüft, sagte eine Sprecherin zur APA.

Aus dem Finanzministerium in Wien hieß es auf Anfrage, man sei von den russischen Behörden über das Vorhaben nicht informiert worden. Russland habe jetzt auch - wie Österreich schon im vergangenen Jahr - ein multilaterales Amtshilfeübereinkommen ratifiziert, das nun den Austausch steuerlich relevanter Informationen ermögliche.

Von der Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" befragte Experten rechnen mit"ernsthaften Auswirkungen" für russische Unternehmen, die zudem bis Anfang 2016 keine Chance mehr auf eine steuerschonende Umstrukturierung von Auslandsbeteiligungen hätten. "Die Liste verursacht Beschränkungen für Banken und Versicherungsgesellschaften und beraubt sie der Möglichkeit, nach einer günstigeren Quote zu versteuern", zitiert "Wedomosti" eine russische Vertreterin des internationalen Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers.

Obwohl Österreich für russische Holdinggesellschaften nicht so eine große Rolle spielt wie Luxemburg, die Niederlande oder Zypern - die nicht auf der FNS-Liste aufscheinen -, haben viele russische Unternehmen Tochterfirmen in Wien. So beherbergt die Bundeshauptstadt etwa die Sberbank Europe AG und die zum Gazprom-Konzern zählende Ölhandelsgesellschaft Gazprom Neft Trading GmbH.

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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