Einkommensteuer: Wer von der Senkung ab 2022 profitiert

Im Zuge der ökosozialen Steuerreform wird auch die Einkommensteuer für Einkommensteile zwischen 18.000 € und 60.000 € bis 2024 schrittweise gesenkt. Je nach Einkommen ergibt sich daraus eine jährliche Steuerentlastung von bis zu 1.230 Euro. Lukas Decker, Manager bei TPA Steuerberatung, erklärt.

Thema: Steuertipps
Einkommensteuer: Wer von der Senkung ab 2022 profitiert

Die letzte Reform mit Steuersenkungen für niedrige Einkommen ist erst zwei Jahre her. Nun folgt durch die ökosoziale Steuerreform 2022 eine weitere Reduktion der Einkommensteuersätze, diesmal für die höheren Einkommensstufen - sowohl im Bereich der Einkommensteuer als auch der Lohnsteuer. Damit soll die kalte Progression etwas abgefangen werden. Steuerberater Lukas Decker von der TPA Steuerberatung fasst die wichtigsten Reformpunkte zusammen.


Steuerreform 2022

Entlastung von Einkommen zwischen 18.000 Euro und 60.000 Euro

Zunächst ein Blick in den Rückspiegel: Vor zwei Jahren wurde bereits der Eingangssteuersatz für Einkommen von 11.000 bis 18.000 Euro von 25 Prozent auf 20 Prozent reduziert und sorgte damit für eine Steuerentlastung von jährlich bis zu 350 Euro. (Anmerkung: Die ersten 11.000 € sind steuerfrei.) Von dieser Entlastung haben alle voll profitiert, die ein jährliches Einkommen über 18.000 Euro erzielen – das entspricht einem Brutto-Monatsgehalt von rund 1.800 Euro.

Die kürzlich beschlossenen Änderungen betreffen nun Personen mit einem steuerlichen Einkommen von 18.000 bis 60.000 Euro pro Jahr. Die folgenden Anpassungen werden schrittweise ab 2022 wirksam und bewirken eine stufenweise Entlastung von der Einkommensteuer bis 2024:

  • Der Steuersatz für Einkommensteile von 18.001 € bis 31.000 € reduziert sich von 35 Prozent auf 30 Prozent
  • bei Einkommensteilen von 31.000 bis 60.000 Euro erfolgt eine Senkung von 42 Prozent auf 40 Prozent

Übersicht: Reduktion der Steuersätze für Einkommensteile von 18.001 € bis 60.000 €

Der bisher gültige Steuersatz von 35 % für Einkommensanteile von 18.001 € bis 31.000 € wird in zwei Stufen reduziert, und zwar auf 32,5 % im Jahr 2022 und auf 30 % im Jahr 2023. Dadurch ergibt sich eine Steuerersparnis von bis zu 325 Euro für 2022 sowie von bis zu 650 Euro für 2023.

Die Entlastung wird für alle spürbar, die ein Bruttogehalt von mindestens 1.800 Euro beziehen. Bei einem monatlichen Bruttobezug von etwa 3.200 Euro wird die Entlastung voll spürbar und bewirkt, dass das Nettoeinkommen im Jahr 2022 um 325 Euro und 2023 um 650 Euro steigt.

Personen, die ein Bruttogehalt über 3.200 Euro beziehen, profitieren zusätzlich ab 2023 von der Senkung der nächsten Tarifstufe. Aktuell kommt auf Einkommensteile von jährlich 31.000 bis 60.000 Euro ein Steuersatz von 42 % zur Anwendung. Dieser wird 2023 auf 41 % und im Jahr 2024 auf 40 % gesenkt. Dadurch ergibt sich eine steuerliche Entlastung von bis zu 290 Euro im Jahr 2023 und bis zu 580 Euro in 2024. Personen mit einem monatlichen Bruttogehalt von rund 6.050 Euro werden von der Steuersenkung voll profitieren, Bezieher von einem Bruttogehalt zwischen 3.200 und 6.050 Euro anteilig.

Beide Steuersatz-Änderungen zusammen bedeuten eine maximale Erhöhung des jährlichen Nettoeinkommens von 325 Euro im Jahr 2020. Eine Erhöhung des Nettoeinkommens von 940 Euro im Jahr 2023 und von 1.230 € ab 2024. TPA Steuerberater Decker: "Es profitieren alle von der Steuersatzsenkung, die ein monatliches Bruttogehalt ab 1.800 Euro beziehen. Die Entlastung fällt bei einem höheren Verdienst jedoch größer aus, da hier ja auch die kalte Progression viel stärker wirksam wird. So wird die Steuerentlastung bei einem monatlichen Bruttogehalt von etwa 6.050 Euro voll ausgeschöpft und bedeutet 2024 ein berechnetes Plus von 1.230 Euro."

Die Entlastung in absoluten Beträgen:

Je höher das Gehalt, umso höher die Entlastung in absoluten Beträgen. Wer ein Jahresbruttogehalt von 56.000 Euro bezieht, wird schrittweise bis 2024 um bis zu 1.009 Euro entlastet. 2022 wird die Steuer um bis zu 325 Euro gesenkt. Diese höchste Steuersenkung in absoluten Beträgen erreichen 2022 all jene, die brutto jährlich mehr als 70.000 Euro ( bei 14 Gehältern) verdienen. 2023 steigt die Entlastung kräftig auf bis zu 940 Euro an.

Was in die Berechnung nicht eingeflossen ist

Diese Aufstellung versteht sich als eine grobe Indikation und rechnet mit den sozialversicherungsrechtlichen Werten von 2022. Die jährlich zu erwartenden SV-Erhöhungen ab 2023 sind naturgemäß nicht eingearbeitet.

Das „steuerliche Einkommen“ entspricht den zwölf laufenden Bezügen abzüglich der Dienstnehmerbeiträge an die Sozialversicherung. Weihnachtsremuneration und Urlaubsgeld werden mit sechs Prozent gesondert besteuert und sind nicht enthalten. Allfällige zusätzliche Bezüge (zB Prämien und Boni) wären im steuerlichen Einkommen erhöhend zu berücksichtigen, allfällige abzugsfähige Ausgaben der persönlichen Sphäre (zB Spenden, Kirchenbeitrag) sind noch abzuziehen.

Entlastung könnte von der Inflation rasch wieder vernichtet werden

Wie sich zeigt, tritt eine wesentliche Steuerentlastung erst ab einem monatlichen Bruttobezug von rund 2.500 Euro ein. Diese beträgt ab 2023 gut 300 Euro pro Jahr. "Wie rasch die Entlastung von der Inflation jedoch wieder „aufgefressen“ wird, ist eine andere Frage. Denn die Abschaffung der kalten Progression durch eine automatische Anpassung der Tarifstufen an die Inflation ist – trotz vieler Diskussionen – weiterhin nicht zu erwarten", so Steuerprofi Decker.

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