Zika-Virus - Lähmungskrankheit Guillain-Barre vermehrt in Rio

16 Patienten sind seit Anfang des Jahres in einer Spezialklinik in Behandlung. Oberösterreichischer Tropenmediziner "diagnostiziert" übertriebene Gefahr.

Rio de Janeiro/Wien. Im Zusammenhang mit dem Zika-Virus sind in Rio de Janeiro mehrere schwere Fälle der Lähmungskrankheit Guillain-Barre bekannt geworden. Wie die Zeitung "O Globo" am Freitag berichtete, habe das auf die Behandlung von Nervenkrankheiten spezialisierte Hospital Universitario Antonio Pedro seit Jänner 16 Patienten behandelt.

Zwei Patienten, die sich mit Zika-Viren infiziert hatten, befänden sich in sehr ernstem Zustand. Normalerweise registriere man fünf Fälle von Guillain-Barre pro Jahr. Auch ein Ausbruch der Viruserkrankung 2013/2014 in Französisch-Polynesien ging einher mit einem Anstieg der Zahl der Fälle der Lähmungskrankheit.

Typische Symptome dieser entzündlichen Erkrankung der Nerven sind Lähmungen, die meist an den Händen oder Füßen beginnen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Ursache für die Erkrankung ist unklar. Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Zika-Virus könnte vorhanden sein, ist aber wissenschaftlich genauso wenig endgültig bewiesen wie eine Verbindung zum Auftreten von Mikroenzephalopathie bei Babys.

Das Zika-Virus werde überbewertet - das sagte jetzt der Linzer Tropenmediziner Martin Haditsch in einer Aussendung der oö. Ärztekammer. Dass die WHO den Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, sei nicht nachvollziehbar. Nachsatz: "Schwangere oder Frauen in der Phase der aktiven Familienplanung sollten grundsätzlich nicht in die Tropen reisen. Das hat jetzt nicht explizit mit dem Zika-Virus tun."

Die Ausrufung des globalen Gesundheitsnotstands durch die WHO erzeuge für ihn, Haditsch, "eine skurrile Situation": Das sei in den vergangenen 15 Jahren nur bei SARS, Schweinegrippe, Kinderlähmung und zuletzt Ebola geschehen. Die Maßnahme erleichtere lediglich das Vorgehen gegen die übertragenden Moskitos. Der Tropenmediziner wies darauf hin, dass beispielsweise das Dengue-Fieber jährlich mehr Todesopfer fordere als Ebola. "2015 gab es 1,6 Millionen Dengue-Fieber-Fälle in Brasilien, und in der Dominikanischen Republik, einer der Lieblingsdestinationen europäischer Touristen, gab es von 2014 bis 2015 rund 540.000 Erkrankungen am Chikungunya-Fieber." Man solle nicht so tun als wäre Zika "die einzige und größte Gefahr".

Auch würden jährlich genauso viele Menschen an der Grippe sterben wie bei Autounfällen, trotzdem lasse sich kaum jemand impfen. "Käme nun ein Zika-Virus-Impfstoff auf den Markt, würden sich vermutlich mehr Leute impfen lassen, nur weil gerade ein Hype gefördert wird."

Das Blutspendewesen ist auch in Österreich, was das Zika-Virus betrifft, so sicher wie nur möglich. Jeder Blutspender wird entsprechend befragt. War er in einem Gebiet, in dem das Virus grassiert, gilt eine "Rückstellungsfrist" von zumindest 28 Tagen, hieß es am Freitag bei der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes in Wien.

"Das ist gesetzlich geregelt", sagte Christoph Jungbauer, Arzt bei der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Im Rahmen der vor jeder Blutspende erfolgenden Information und Befragung werden auch allfällige Auslandsaufenthalte erhoben. Die Empfehlungen bezüglich einzelner Rückstellungsfristen werden zumindest wöchentlich überprüft, man könne aber auch bei Bedarf sofort reagieren.

Beim Zika-Virus wird von 28 Tagen ausgegangen. Doch wegen der Überschneidung der Verbreitung des potenziellen Krankheitserregers - 70 bis 80 Prozent der Infektionen verlaufen überhaupt ohne Symptome, sonst treten am ehesten grippeähnliche Beschwerden auf - mit Dengue-und Gelbfieber-Viren würden im Einzelfall sogar noch längere Fristen empfohlen. "Das Blutspendewesen ist extrem sicher", betonte Jungbauer.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro