Zika-Virus: IAEA will Moskitos sterilisieren

Zika-Virus: IAEA will Moskitos sterilisieren

Im österreichischen Seibersdorf forscht die IAEA daran, das Zika-Virus durch die Sterilisierung von Moskitos zu bekämpfen. Unklar ist noch, wie hoch die Kosten eines solchen Projekts für Länder wie Brasilien wären.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat ihre Hilfe im Kampf gegen das Zika-Virus in Süd- und Mittelamerika angeboten. In Seibersdorf in Niederösterreich wurde eine Methode zur Sterilisierung von männlichen Moskitos durch Bestrahlung entwickelt. Die Technologie wurde aus mehreren Ländern angefragt, die Gespräche mit Brasilien laufen.

Das Zika-Virus wird durch infizierte Weibchen übertragen, nur diese stechen. Bei der Sterile Insect Technique (SIT) werden allerdings die Männchen unfruchtbar gemacht, erläuterte IAEA-Experte Aldo Malavasi bei der Pressekonferenz. Die durch ionisierende Strahlung in einem Labor sterilisierten Insekten werden dann in einem begrenzten Gebiet in die Wildnis entlassen. Durch die unfruchtbaren Spermien legen die Weibchen Eier, die sich nicht entwickeln. Es handle sich um eine "elegante, absolut sichere Technik", vergleichbar mit Röntgenstrahlen, sagte Malavasi.

"Wir müssen eine Menge produzieren, sie in die Freiheit entlassen und den Erfolg des Projekts überwachen", hob der Experte die Schwierigkeiten hervor. Wichtig sei die Kombination mit traditionellen Methoden wie der Trockenlegung von Brutgebieten. Davon hänge auch die Schnelligkeit des Erfolgs ab. Die Dezimierung einer bestimmten Insektenart in einer Region kann laut Malavasi ein paar Monate bis zu eineinhalb Jahre dauern.

Es handle sich um eine "Verhütungsmethode für Insekten", sagte sein IAEA-Kollege Jorge Hendrichs. Die Technik sei "nachhaltig und umweltfreundlich", es würden keine Tiere getötet. "Die Strahlenmethode ist rein physikalisch", es gebe dadurch keine genetischen Veränderungen in der Natur und das Programm könne auf Wunsch sofort gestoppt und rückgängig gemacht werden.

Kosten noch nicht abschätzbar

Ob die Technologie gegen das Zika-Virus eingesetzt wird, ist noch unklar. "Wir reagieren auf Anfragen aus Mitgliedsstaaten der IAEA", sagte Konstantinos Bourtzis, Molekularbiologe in Seibersdorf. Es gebe eine steigende Zahl von Anfragen aus verschiedenen Ländern. Mit dem ebenfalls betroffenen Brasilien gebe es bereits Gespräche. Dort wurde die Technologie vor einem Jahr erstmals wegen des Dengue-Fiebers und der Chikungunya-Erkrankung angefragt. Am 16. und 17. Februar sind konkrete Gespräche mit der brasilianischen Regierung wegen des Zika-Virus geplant, "um einen schnellstmöglichen Weg aus der Krankheitswelle zu finden", berichtete Bourtzis.

Nun hänge es davon ab, "wie viel Brasilien investieren will". Die Kosten sind noch nicht abschätzbar, das komme vor allem auf die dortigen Arbeits- und Entwicklungskosten an. Für die IAEA gehe es "nicht um Profit", fügte Hendrichs hinzu. "Wir leiten die Projekte nicht, wir stellen die Technologie zur Verfügung." Für eine Million sterile Fruchtfliegen müsse aber beispielsweise mit einem Preis von 300 bis 400 Dollar gerechnet werden.

Nur für kleine Gebiete einsetzbar

Die Methode kann laut Bourtzis sofort eingesetzt werden, allerdings nicht in ganzen Ländern, sondern in Städten oder Gemeinden von begrenzter Größe. Bei Pilotversuchen in Italien und China wurden 80- bis fast 100-prozentige Reduzierungen von Insektenarten innerhalb einer Saison erzielt. Die Technologie wurde bereits in mehrere asiatische Länder und nach Mittel- und Nordamerika exportiert.

In Los Angeles werden seit 1994 erfolgreich 300 Millionen sterile Fruchtliegen pro Woche ausgesetzt. Mexiko ist durch das SIT-Programm seit 47 Jahren frei von Fruchtfliegen, betonte Hendrichs. "In den vergangenen Jahren wurden viele Fortschritte gemacht. Die Technologie ist verfügbar und funktioniert." Das SIT-Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Welternährungsorganisation (FAO) durchgeführt.

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