Zahl der Brauereien in der Schweiz wächst munter weiter

Im Windschatten der beiden Biergrößen Carlsberg und Heineken hat die Zahl der Brauereien in der Schweiz massiv zugenommen. Alleine in den vergangenen drei Jahren sind hierzulande unter dem Strich 257 Brauereien entstanden. Gegenwärtig zählt die Schweiz 667 Brauereien, die biersteuerpflichtig (ab 400 Liter Ausstoß) sind, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bekannt gibt.

Diese Zahl beinhaltet bereits die Brauereien, die im zweiten und dritten Quartal (April respektive Juli 2016) mit dem Brauen beginnen werden. Allerdings ändere sich die Zahl infolge Neuanmeldungen und Brauaufgaben nahezu täglich, heißt es.

Die hohe Anzahl der Brauereien, ihre breite geografische Verteilung in der gesamten Schweiz und die Rückkehr zu einer eher gewerblich-handwerklichen Tradition mit kleinen Ausstoßmengen erinnern an jene Zeiten am Ende des 19. Jahrhunderts, als praktisch in jedem größeren Dorf eine Brauerei betrieben wurde, schreibt der Zürcher Wirtschaftshistoriker Matthias Wiesmann in seinem Buch "Bier und wir".

Am Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Branche eine Blütezeit mit vielen Brauereigründungen, an die sich ein Bereinigungsprozess anschloss, der die Anzahl Betriebe drastisch verringerte und nur die kapitalkräftigen Betriebe überleben ließ.

Heute haben wir es mit einer anderen Ausgangslage zu tun. Durch den Eintritt der internationalen Brauereigrößen Heineken und Carlsberg ist der Kuchen im Schweizer Markt weitgehend verteilt. Die beiden Großen dürften laut Schätzungen rund zwei Drittel des Schweizer Biermarktes beherrschen.

Die kleinen Brauereien profitieren dabei von einem Unbehagen in der Bevölkerung, das mit der Globalisierung der Wirtschaft einhergeht. Der solvente Konsument ruft wieder stärker nach lokalen Produkten, gerade bei Lebensmitteln. Es werden wieder verstärkt Lebensmittel nachgefragt, die in der unmittelbaren Umgebung produziert worden sind, wie Wiesmann schreibt.

Obwohl auch Carlsberg und Heineken in der Schweiz produzieren, kommt dieser Effekt stärker den Regionalbrauereien und den "neuen" Brauereien zugute. Diese Kleinen könnten zusätzlich vom Reiz des Neuen, des Revolutionären profitieren, schreibt Wiessmann.

Einige Brauereien wie Turbinenbräu in Zürich sind als direkte Reaktion auf Brauereischließungen oder -übernahmen entstanden. Der Erfolg löste in einigen Städten, die schon lange keine Brauerei mehr hatten, Nachahmereffekte aus, so etwa im Jahr 2000 in Solothurn mit dem Öufi-Bier.

Trotz der vielen neuen Brauereien hinkt die Nachfrage der Konsumenten nach neuen Biersorten noch hinterher. Das helle Lagerbier (filtriert oder trüb) beherrscht nach wie vor den Markt. Lagerbier macht gemäß den Angaben des Schweizer Brauerei-Verbandes (SBV) im vergangenen Jahr 79,2 Prozent der Bierkonsums aus. Spezialbiere, die einen höheren Stammwürze und Alkoholgehalt haben als Lagerbier, kommen auf 10,9 Prozent Marktanteil.

Die restlichen 9,9 Prozent sind Spezialitätenbiere. Darunter fallen Leicht-, Luxus-, Mais-, Weizen-, Dinkel-, Emmer-, Mehrkorn- und andere Spezialitätenbiere.

Insgesamt wurden 2015 hierzulande 4,6 Millionen Hektoliter Bier getrunken. Das ist etwas weniger als im Vorjahr. Knapp drei Viertel davon sind Schweizer Biere, gut ein Viertel kommen aus dem Ausland. Der Durchschnittskonsum pro Kopf ist von 56,3 l auf 55,3 l pro Jahr gesunken. Das ist laut SBV der tiefste Wert seit zehn Jahren. 1990/91 waren noch 71 Liter pro Kopf getrunken worden.

Zum Vergleich: Mit Abstand am meisten bechern die Tschechen: Mit 143 Litern je Einwohner - Kinder und Abstinenzler mitgezählt - im vorigen Jahr liegt das Land einsam an der Weltspitze.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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