conwert konzentriert sich weiter auf Wohnimmobilien

Der in Wien börsennotierte Immobilienkonzern conwert bleibt dabei, Gewerbeimmobilien abzustoßen und sich auf Wohnimmobilien in Wien und Deutschland zu konzentrieren. Zugleich wird investiert, um Leerstände zu verringern, sagte der seit September tätige Chef Wolfgang Beck am Mittwoch bei der Vorstellung der Quartalszahlen. 2016 soll ein Sparprogramm die Mitarbeiterzahl um 20 Prozent verringern.

Rund ein Drittel des Bestandes mit einem Wert von 900 Mio. Euro - davon 700 Mio. Euro Gewerbeimmobilien - gehört nicht zum künftigen Kerngeschäft der conwert und steht daher zum Verkauf. Dazu gehören alle Gewerbeimmobilien bis auf 25 Objekte mit besonders guter Lage und leichter Vermietbarkeit sowie Wohnungen in schlechter Lage bzw. rund um Gewerbeimmobilien. Vom Verkauf der Gewerbeimmobilien ist Österreich stärker betroffen als Deutschland, da zwei Drittel der conwert-Gewerbeimmobilien in Österreich liegen. Während heuer nicht zum Kerngeschäft gehörende Objekte im Wert von 150 bis 200 Mio. Euro abgestoßen werden dürften, soll 2016 der Verkaufswert 300 bis 350 Mio. Euro erreichen.
conwert rechnet mit hohen Mittelzuflüssen aufgrund der geplanten Verkäufe, hält sich aber die Begebung einer Anleihe offen, "wenn es die Märkte erlauben, günstig Bonds zu platzieren", so Beck. Geplant war eine 500-Mio.-Euro Anleihe, weil manche Investoren erst ab dieser Größenordnung einsteigen, aber je nach Marktentwicklung könnte es auch eine Anleihe über 300 Mio. Euro werden, sagte Finanzchef Thomas Doll.
Auch wenn conwert in den ersten drei Quartalen 2015 laut Beck "das beste Ergebnis in der conwert-Geschichte" erwirtschaftet hat, steht dem Unternehmen ein Sparprogramm bevor. Ein Fünftel der 450 Mitarbeiter muss gehen, die Kosten sollen bis Sommer 2016 um 8 Mio. Euro gesenkt werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen bereits, bis Sommer 2016 soll es eine Einigung geben. Der Mitarbeiterabbau werde sich vor allem in Deutschland auswirken.
Vom Verkauf der Gewerbeimmobilien ist insbesondere die börsennotierte Tochter ECO Business betroffen. Beck wollte sich nicht dazu äußern, ob das Unternehmen von der Börse genommen wird, Druck in die Richtung gibt es aber offenbar nicht. Denn die Kosten für das Listing fielen mit 200.000 Euro nicht ins Gewicht und das Problem, dass man eine börsennotierte Tochter nicht so gut integrieren kann, habe man gelöst, indem bei internen Leistungen keine Mehrwertsteuer anfalle, führte Beck aus: "Auf der reinen Kostenseite spielt das Listing keine große Rolle".
Erst im August hat die deutsche Adler Real Estate 25 Prozent an der conwert übernommen. Mit diesem Shareholder werde Ruhe einkehren, ist Beck zuversichtlich. Davor hatte es heftige Kämpfe unter den Eigentümern gegeben, eine Klage von Petrus Advisers wegen der Reduzierung der Verwaltungsräte von fünf auf vier ist noch anhängig. conwert bemühe sich, offene Rechtsstreitigkeiten zu beenden.
Mit Anfang 2016 sollen 80 Prozent des Portfolios auf Wohnungen entfallen - und 80 Prozent aller bewirtschafteten Flächen sollen in Deutschland liegen. Die Dividende wird wie üblich 60 Prozent des FFO 1 betragen, sagte Beck. Dieser wird heuer mit 48 Mio. Euro und 2016 mit 65 Mio. Euro erwartet.
Ein Ausstieg aus dem Wiener Wohnungsmarkt ist für conwert derzeit auch kein Thema, obwohl der Wert der Wohnungen inzwischen das 29-fache der Miete erreicht hat und damit das Doppelte der meisten Standorte in Deutschland. Wenn man keinen weiteren Anstieg erwarte, könnte man über einen Verkauf nachdenken, das sei aber derzeit kein Thema, so Beck.

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