Wissenschafter veröffentlichen Nachlass von Walter Eucken

Zum 125. Geburtstag wird der deutsche Wirtschaftsprofessor gewürdigt. Walter Eucken gilt mit der sogenannten "Freiburger Schule" als Vater der Sozialen Marktwirtschaft und Drehbuchautor des deutschen Wirtschaftswunders. Zusammen mit dem Österreicher Friedrich August von Hayek ist er der bekannteste Vertreter des Ordoliberalismus.

Freiburg. Wissenschafter aus Freiburg und Jena untersuchen den Nachlass des Wirtschaftsprofessors Walter Eucken. In 15 Bänden werde er im Laufe der nächsten Jahre veröffentlicht, sagte der Leiter des Walter Eucken Instituts in Freiburg, Lars Feld. Eucken gilt als Vater der Sozialen Marktwirtschaft und als Drehbuchautor des deutschen Wirtschaftswunders.

Die Familie habe Schriften, Aufzeichnungen und Tagebücher bereitgestellt, diese würden nun aufgearbeitet. Eine zentrale Rolle spiele dabei Euckens Rolle im Nationalsozialismus. Eucken (1891-1950) war als Wirtschaftswissenschaftler in Freiburg tätig. Er hat die Grundlagen für die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland erarbeitet. Am 17. Jänner wäre er 125 Jahre alt geworden.

"Die Veröffentlichung des Nachlasses ist ein wichtiger Schritt, weil er letzte Zweifel ausräumt, welche Rolle Eucken im Nationalsozialismus hatte", sagte Feld: "Durch den Nachlass wird deutlich, dass er ein erklärter Gegner des NS-Regimes war." Auch wirtschaftspolitisch habe sich Eucken für einen Bruch mit dem Nationalsozialismus und dessen Ökonomiemodell engagiert.

Gewürdigt werden soll Eucken am Mittwoch (13.1.) in Freiburg mit einem Festakt. Hauptrednerin ist die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Wirtschaftsliches Erfolgsmodell

Eucken schrieb mit der "Freiburger Schule" das Wirtschaftsmodell, das Deutschland prägt. Eucken hat am Schreibtisch das erarbeitet, was Ludwig Erhard später politisch verkörperte: Er schuf mit der Sozialen Marktwirtschaft das Wirtschaftsmodell der Bundesrepublik. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Wirtschaftswunder und sozialer Gerechtigkeit zum Erfolgsmodell.

Die Jugendstilvilla am Rande der Freiburger Innenstadt ist mit Eucken, der 1891 in Jena in Thüringen geboren wurde und 1950 in London starb, eng verbunden. In der badischen Universitätsstadt wirkte der Ökonom, in dem Haus waren seine Wohn- und Arbeitszimmer. Heute hat das 1954 gegründete Walter Eucken Institut in den Räumen seinen Sitz, zudem wohnt eine Tochter Euckens im Haus.

Eucken und Hayek

Mitten im Krieg schuf Eucken hier die Grundlagen für die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Er gründete in den 1930er Jahren die sogenannte Freiburger Schule, die sich dem Ordoliberalismus verpflichtet fühlt: Dieser sieht einen freien Markt vor, für die der Staat einen ordnungspolitischen Rahmen absteckt. Eucken gilt neben dem ebenfalls in Freiburg wirkenden Friedrich August von Hayek (1899-1992) als der bekannteste Vertreter dieser Wirtschaftslehre, die Deutschland heute prägt und nahezu unverändert Bestand hat.

"Ohne Walter Eucken wären der Wiederaufbau Deutschlands nach dem verlorenen Krieg und der wirtschaftliche wie soziale Aufstieg der Bundesrepublik nicht möglich gewesen", sagt Lars Feld. Der 49 Jahre alte Ökonom und "Wirtschaftsweise" ist Leiter des Walter Eucken Instituts. Dieses hat die Stärkung der freien Marktwirtschaft sowie die Debatte um Ordnungs- und Wirtschaftspolitik zum Ziel.

Für Euckens Idee müsse immer wieder neu geworben werden, sagt Feld. Sie propagiert eine Marktwirtschaft ohne Eintrittshürden, die sich innerhalb von Leitplanken bewegt, die der Staat setzt und die für soziale Gerechtigkeit sorgen sollen. Verstaatlichungen von Unternehmen oder Wirtschaftszweigen im großen Stil, staatliche Eingriffe in die Preisbildung oder ausufernde Subventionen sind demnach tabu.

Den Beginn des Eucken-Jubiläumsjahres setzt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Freiburg mit einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede. Zudem haben Wissenschafter aus Freiburg und Jena von der Familie den aus Schriften, Aufzeichnungen und Tagebüchern bestehenden Nachlass Euckens erhalten und mit der Aufarbeitung begonnen. In 15 Bänden soll er im Laufe der Jahre veröffentlicht werden, erklärt Uwe Dathe, Philosoph an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der daran federführend arbeitet. Die NS-Zeit spielt dabei eine zentrale Rolle.

Eucken und der Nationalsozialismus

"Die Veröffentlichung des Nachlasses ist ein wichtiger Schritt, weil er letzte Zweifel ausräumt, welche Rolle Eucken im Nationalsozialismus hatte", sagt Institutschef Feld. Als Anhänger des NS-Regimes galt Eucken zwar nie. Doch durch den Nachlass wird nach Ansicht von Feld und Dathe deutlich, dass der Wissenschafter ein erklärter Gegner Adolf Hitlers war. An der Freiburger Universität galt er demnach als Gegenspieler des dort lehrenden Philosophen Martin Heidegger (1889-1976), der mit Hitlers Machtergreifung Uni-Rektor und NSDAP-Mitglied wurde, 1934 vom Amt des Rektors aber zurücktrat und durch einen NS-Funktionär ersetzt wurde.

"Auch wirtschaftspolitisch engagierte sich Eucken in den sogenannten Freiburger Kreisen für einen Bruch mit dem Nationalsozialismus", sagt Feld: "Sein Konzept war explizit für eine Wirtschaftsordnung nach dem verlorenen Krieg gedacht." Die Lenkung der Wirtschaft durch den Nationalsozialismus war dem freiheitlich denkenden Eucken ein Gräuel.

Unabhängige Geister

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat Eucken fast auf den Tag genau vor zwei Jahren gewürdigt, als das Institut 60 Jahre alt wurde. "Hier in Freiburg haben unabhängige Geister, in Zeiten totalitärer Herrschaft, eine Ordnung der Freiheit entworfen", sagte Gauck damals: Eucken habe Deutsche durch seine Wirtschafts- und Sozialordnung mit Marktwirtschaft und Wettbewerb befreundet, der Bundesrepublik Freiheit und Wohlstand gebracht und so das Land erneuert.

Doch vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werde Euckens Lehre bedroht, warnt Ökonom Feld: "Von den einen, die einen zügellosen Markt mit maximalem Profit wollen, und anderen, die auf den Staat als aktiven Teil der Wirtschaft setzen." Beides gehe nicht, es brauche stets einen Ausgleich: "Das hat als einer der Ersten Ludwig Erhard erkannt." Der CDU-Politiker (1897-1977) folgte in den 1950er und 60er Jahren als deutscher Wirtschaftsminister Euckens Lehre. Und gilt so in der Öffentlichkeit als Vater der Sozialen Marktwirtschaft und des deutschen Wirtschaftswunders.

Wien (APA) - Der frühere Obmann des Rings freiheitlicher Studenten (RFS), Alexander Schierhuber, wird per 1. Juni einer von vier Geschäftsführern der Breitspur Planungsgesellschaft mbH. Einen entsprechenden Online-Bericht der "Presse" bestätigte das von Norbert Hofer (FPÖ) geführte Infrastrukturministerium auf APA-Anfrage. Schierhuber ist schlagender Burschenschafter beim Akademischen Corps Saxonia zu Wien.
 

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Ex-RFS-Chef Schierhuber wird Breitspurbahnplanungs-Geschäftsführer

Auburn Hills (Michigan) (APA/dpa) - Der Autobauer Fiat Chrysler hat in den USA rund 4,8 Millionen Autos wegen Softwareproblemen zurückgerufen. Konkret gehe es um mögliche Fehlfunktionen im Zusammenhang mit den Geschwindigkeitsreglern, die behoben werden müssten, teilte das Unternehmen am Freitag in Auburn Hills mit. Betroffen seien unter anderem Fahrzeuge der Marken Chrysler Sedan, Cherokee und Ram Pickups.
 

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Softwareprobleme: Fiat Chrysler ruft in den USA 4,8 Mio. Autos zurück

Brüssel (APA/dpa) - In Europa gelten seit Freitag einheitliche Datenschutzregeln. Nach zweijähriger Übergangsfrist ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nun in allen 28 EU-Staaten in Kraft getreten. Sie setze "einen weltweiten Datenschutz-Standard, und darauf können wir alle stolz sein", sagte EU-Justizkommissarin Vera Jourová am Freitag in Brüssel. "Sie bringt konkreten Nutzen für Bürger ebenso wie für Unternehmen."
 

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