Wirtschaftsvisionen der Türkei durch regionale Konflikte in Gefahr

Wien/Istanbul - Die politischen Vertreter der Türkei und internationale Firmenchefs sparten am Montag beim Vienna Economic Forum (VEF) nicht am Lob für die vergangene erfolgreiche Wirtschaftspolitik der Ära Erdogan. Die Türkei habe ihren Rang als Tigerstaat nicht eingebüßt. Zweckoptimismus und Visionen herrschen vor. Der Krieg in Syrien bleibt unerwähnt.

"Wir glauben an die Visionen von 2023", erklärte der Chef der anatolischen Unternehmervereinigung ASKON, Mustafa Koca, am Montag im Rahmen des Forums, das gestern über die Rolle der türkischen Wirtschaft in der Region konferierte.

Hinter den großen Visionen für die nächsten zehn Jahre - die Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt AKP will 2023 das 100-jährige Bestehen der türkischen Republik als ihre eigene Erfolgsstory zelebrieren - bleibt wenig Spielraum für Zweifel.

Das Land will bis 2023 eine Exportvolumen in Höhe von 500 Mrd. Dollar erreichen, mehr als das Dreifache der derzeitigen Ausfuhren von rund 150 Mrd. Dollar (121 Mrd. Euro), und hat in knapp zehn Jahren seine Importe mit 650 Mrd. Dollar anvisiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll bis dorthin von derzeit rund 820 Mrd. Dollar auf das fast 2,5-Fache anwachsen.

Stolpersteine auf dem Weg dorthin gibt es viele. Dazu zählt neben der fast 10-prozentigen Inflationsrate und dem Budgetloch auch die enorme Auslandsverschuldung. Diese beläuft sich aktuellen Zahlen der türkischen Zentralbank zufolge derzeit auf knapp über 400 Mrd. Dollar. Das ist beinahe die Hälfte des BIP aus dem Vorjahr. Wobei fast 70 Prozent der Schuldenlast auf der Privatwirtschaft lastet.

Mit einem vom Westen unterschiedlichen Konkurrenzmodell könne die Türkei auch Amerika erobern, glaubt der islamisch-konservative Verbandsvertreter Koca. Vorerst strebt die Türkei, wenn es nach den "anatolischen Löwen" geht, wie die Unternehmervereinigung sich selbst bezeichnet, jedenfalls eine Vergrößerung des Handelsvolumens zwischen Österreich und der Türkei an.

Derzeit belaufe sich dieses auf knapp 3 Mrd. Euro. "Das ist für uns nicht genug", so Koca. Zudem sei die Türkei bei den österreichischen Exportländern noch nicht unter den ersten fünf gelandet.

Tatsächlich sind sowohl die Türkei als auch Österreich bei den Exporten in das jeweilige andere Land nur an 30. Stelle platziert. Österreich hat im Vorjahr Ausfuhren im Wert von 1,3 Mrd. Euro in die Türkei vorzuweisen, die Türkei hat an Österreich Waren in Höhe von 0,8 Mrd. Euro geliefert.

Die Schaffung eines günstigen Klimas für ausländische Investoren schreiben sich alle, konservative und liberale Wirtschaftsvertreter in der Türkei auf die Fahnen. Davon profitieren die teilstaatliche österreichische Post, die Ende Juli 2013 mit 25 Prozent bei dem türkischen Familienunternehmen Aras Kargo eingestiegen ist ebenso wie die Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die Merger und Firmenzukäufe für internationale Partner über die Bühne bringen.

Laut Willibald Plesser, Partner der Kanzlei im Bereich Gesellschaftsrecht und M&A (Mercer & Akquisitionen), ist die Türkei mit seinen niedrigen Lohnkosten und steigendem Privatkonsum weiter ein lukratives Geschäftsfeld für Investoren. Ähnlich sieht dies auch der türkisch-stämmige ThyssenKrupp-Chef der Türkei, Cetin Nazikkol: "In der Türkei zu produzieren, ist so billig wie in China." Aber das hohe Haushaltsdefizit sei ein Risikofaktor, betonte Plesser.

Zwar fanden die Kriege in den Nachbarstaaten Irak und Syrien, in die die Türkei immer mehr hineingezogen wird, keine offizielle Erwähnung im Plenum. Aber die politische Instabilität in der Region macht den Unternehmern Sorgen. Plessner zufolge sind die Inbound M&A-Aktivitäten in der Türkei im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurückgegangen. Recep Tayyip Erdogans Zukunftsvisionen für die künftige Weltmacht Türkei könnten an der harten Realität regionaler Volatilität scheitern.

Madrid (APA/Reuters) - Die Korrektur der Bilanz für 2017 versetzt den Aktien von Dia einen weiteren Schlag. Die Titel der hoch verschuldeten spanischen Supermarktkette fielen am Montag um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordtief von 0,70 Euro.
 

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Spanische Supermarktkette Dia musste Bilanz 2017 korrigieren

München (APA/dpa/Reuters) - Die US-Kartellbehörde FTC hat die milliardenschwere Fusion des deutschen Industriegaseherstellers Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Industriegase-Konzern unter Auflagen genehmigt. Das teilte die Behörde am Montag mit.
 

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USA genehmigen Linde-Praxair-Fusion unter Auflagen

Wien (APA) - Die Wettbewerbsbehörde (BWB) will stärker gegen unfaire Geschäftspraktiken zwischen großen und kleinen Betrieben vorgehen. "Die Benachteiligung von marktschwachen Vertragspartnern kann zu Wettbewerbsverzerrungen führen", sagte BWB-Chef Theodor Thanner am Montag bei der Präsentation eines "Fairnesskatalogs für Unternehmen".
 

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BWB will schärfer gegen unfaire Geschäftspraktiken vorgehen