Wirtschaftsdelegierter: Tschechiens Industrie im Aufwind

Wien (APA) - Die tschechische Wirtschaft ist im Aufwind: Das Vertrauen der Konsumenten sei wieder zurückgekehrt, der Einzelhandel lege zu, die Industrie laufe ausgezeichnet und auch der tschechische Bankensektor sei kerngesund, berichtete der österreichische Wirtschaftsdelegierte Christian Miller am Donnerstag vor Journalisten in Wien.

Ein wichtiger Indikator für die tschechische Wirtschaft sei die Autoindustrie, erklärte Miller, und die Autozulassungen seien um 16 Prozent gestiegen. "Wenn ich wenig Vertrauen habe, kaufe ich mir ein neues Sakko. Wenn ich mehr Vertrauen habe, kaufe ich mir ein Auto. Und wenig ich sehr viel und langfristig Vertrauen habe, investiere ich in eine Wohnung. Beim Auto sind wir jetzt gelandet, das ist die gute Nachricht."

Die Industrie sei in Tschechien tief verwurzelt, "Tschechien war Österreichs Industriegebiet", sagte Miller. Ein Drittel der Exporte gehe nach Deutschland, wo man nur mit Top-Produkten reüssieren könne. Dazu braucht es aber auch beste Vormaterialien und Maschinen. "Das ist ein Punkt, wo wir Österreicher super ins Spiel kommen."

Die endgültigen Zahlen der österreichischen Exporte nach Tschechien für das vergangene Jahr würden noch nicht vorliegen, "mag sein, dass wir eine rote/schwarze Null rauskriegen". Aber die Industriezulieferungen seien zum Teil substanziell gestiegen. "Österreichische Unternehmen liefern an die tschechische Industrie nahezu so viel wie in den ganzen afrikanischen Kontinent." Österreich sei auch nach Holland und Deutschland der drittwichtigste Investor in Tschechien.

Für das Industrieland Tschechien seien die Exporte der Motor der Wirtschaft. Die tschechischen Ausfuhren seien in den ersten drei Quartalen des Vorjahres auf Euro-Basis um 7 Prozent gestiegen und auf Basis der abgewerteten Krone sogar um 15 Prozent.

Die Bauwirtschaft sei früher ein Sorgenkind gewesen. Aber in den ersten drei Quartalen haben sie um 3,9 Prozent zugelegt. Auf der Autobahn von Brünn nach Prag gebe es auf 110 km sieben oder acht Baustellen, "jeder zweite Kilometer ist eine Baustelle". Das bedeute natürlich auch Arbeit für österreichische Baufirmen.

Von der EU bekomme Tschechien 20 Mrd. Euro, nach 26 Mrd. Euro in der vergangenen Periode, sagte Miller. "Damit haben die öffentlichen Bedarfsträger Geld zum Investieren." Dieses Geld werde vor allem in die Infrastruktur und Kommunaltechnik fließen.

Die tschechische Wirtschaft sei im Vorjahr nach vorläufigen Zahlen um 2,4 Prozent gewachsen, für heuer werde ein ähnlicher Wert erwartet.

Mit dem Beitritt zur Eurozone wird sich auch die Regierung des sozialdemokratischen Premiers Bohuslav Sobotka (CSSD) mit seinem Finanzminister Andrej Babis noch Zeit lassen, glaubt Miller. "Die Entwicklung des Euros in letzter Zeit hat dazu geführt, dass der Euro in Tschechien nicht der größte Sympathieträger und das größte Ziel in der Bevölkerung ist."

Die neue Regierung stehe der Euro-Einführung zwar grundsätzlich positiv gegenüber, aber die Nationalbank habe angekündigt, die Währungsinterventionen bis 2016 fortzusetzen. Danach müsste Tschechien zwei Jahre im Wechselkursmechanismus sein. "Das heißt: Wenn man heute begänne, dann wäre das 2018 - aber das wird's nicht spielen."

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro