Wirtschaftsdelegierter: Russlands Wirtschaft unerwartet stark

Wien - "Die wirtschaftliche Lage in Russland ist nicht einfach, ist sehr komplex, aber sie ist nicht so schlimm und so schlecht, wie sie in vielen Berichten dargestellt wird und wie sie vielleicht von vielen erwünscht wäre", sagte Österreichs Wirtschaftsdelegierter Dietmar Fellner am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Politisch hätten die wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen nicht die erhoffte Wirkung gezeigt, meinte Fellner. "Das Abkommen von Minsk, auf das sich ja alle Hoffnungen stützen, war kein Ergebnis der Sanktionen, sondern das Ergebnis einer hochgradigen Diplomatie- und Dialogbereitschaft und enormen Bemühungen von Frau Merkel und Herrn Hollande, aber nicht ein Ergebnis der Sanktionen, wie viele es versuchen darzustellen."

"Unsere Sanktionen treffen eigentliche die russischen privaten Klein- und Mittelbetriebe", sagte Fellner, "sowieso nur ein zartes Pflänzlein", das nur 30 Prozent zum BIP beitrage. Diese könnten sich bei Kreditzinsen zwischen 23 und 25 Prozent nicht mehr finanzieren. "Die Sanktionen, die wirklich getroffen haben, waren die Finanzsanktionen", weil sich die russischen Banken nicht mehr günstig in den USA und Europa refinanzieren könnten.

Große Staatsbetriebe wie Rosneft, Gazprom oder Aeroflot würden bei Bedarf Geld vom russischen Staat bekommen, dessen Devisenreserven zwar von 480 auf 380 Mrd. Dollar (360,12 Mrd. Euro) geschrumpft, aber immer noch ansehnlich seien. Damit könne man den Rubel steuern und notleidenden Banken zu Hilfe kommen. Der Rubelkurs habe sich erholt, "die Menschen wechseln sogar schon wieder von ihren Dollarkonten auf Rubelkonten".

Die Weltbank rechne damit, dass die russische Wirtschaft heuer um 3 bis 4 Prozent schrumpfen werde. "Der Bürgerkrieg, Medienkrieg und Wirtschaftskrieg kosten zusammen so viel Geld, dass auch das auf die Wirtschaft zurückschlägt." Alles hänge aber von der Entwicklung des Ölpreises ab. Selbst wenn der Ölpreis niedrig bleibe, werde die russische Wirtschaft im nächsten Jahr laut Weltbank-Bericht nicht mehr schrumpfen, sagte Fellner.

Das russische Staatsbudget sei ausgeglichen, "das Einzige, wo Putin sich nicht spielen darf", wären soziale Kürzungen, so Fellner, da wäre die Geduld der Bevölkerung schneller zu Ende. Aber Kürzungen bei den Pensionen oder Sozialleistungen seien ohnehin nicht geplant.

Gelitten haben unter den Sanktionen und der russischen Wirtschaftskrise Österreichs Exporte nach Russland, die gegenüber dem Rekordjahr 2013 um 8 Prozent zurückgegangen seien, "was keine Katastrophe ist". Für heuer erwartet Fellner einen weiteren Rückgang der österreichischen Russland-Exporte um mindestens 25 Prozent. "Mitgefangen, mitgehangen", sagte er mit Verweis auf die Russland-Sanktionen. "Aber innerhalb der EU-Länder haben wir schon einen besonderen Status. Man schätzt, dass wir hier nicht die Scharfmacher spielen."

Insgesamt hätten die Sanktionen dazu geführt, dass Russland versuche, seine Importe aus Europa durch Einfuhren vor allem aus China, Südkorea und Indien zu ersetzen. "Ich bin seit sechs Jahren in Moskau und habe noch nie so viele Chinesen in Moskau gesehen wie jetzt."

Ein wichtiges Großprojekt in Russland ist die Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft in drei Jahren. "Da sind derzeit Auftragsvergaben im Gange." Am Donnerstag sei eine 25-köpfige österreichische Wirtschaftsdelegation zu Sondierungsgesprächen in Moskau.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma