WIIW: Investitionszuflüsse nach Osteuropa auf tiefstem Wert seit 2008

Während die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) im vergangenen Jahr weltweit um 36 Prozent gestiegen sind, haben sie in Mittel-, Ost- und Südosteuropa um 26,7 Prozent abgenommen - in den neuen EU-Ländern betrug der Rückgang sogar 43 Prozent. Das geht aus der aktuellen Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervor, die heute (Donnerstag) präsentiert wurde.

In der GUS und Ukraine war der Rückgang mit 45 Prozent noch stärker, "was vor allem auf die russischen Zahlen zurückzuführen ist", sagte WIIW-Ökonom Gabor Hunya. Am Westbalkan und in der Türkei gab es hingegen insgesamt einen Zuwachs um 48 Prozent - wobei die Entwicklung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich war. So gab es in Bosnien (-41 Prozent) und Mazedonien (-23 Prozent) deutliche Rückgänge, in Serbien (+41 Prozent), Kosovo (+115 Prozent), Montenegro (+68 Prozent) und der Türkei (+57 Prozent) jedoch starke Zuwächse.

Insgesamt haben die FDI-Zuflüsse in der Region 2015 aber den niedrigsten Wert seit 2008 erreicht. Die größte Überraschung ist für Hunya der starke Einbruch der FDI in den neuen EU-Mitgliedsländern. "Man muss aber dazu sagen, dass es 2014 einen ähnlich hohen Zuwachs gab."

Stark angewachsen sind in den letzten Jahren die Transfers von EU-Mitteln. "Früher haben wir immer gesagt, FDI seien die treibende Kraft des Wirtschaftswachstums in den neuen Mitgliedsländern. Jetzt sind es die EU-Transfers." Anders als früher habe der Umfang der FDI aber keinen unmittelbaren Zusammenhang mehr mit dem Wirtschaftswachstum. "Wir hatten voriges Jahr ein ziemlich gutes Wachstum von über 3 Prozent, und zwar in fast allen Ländern, und der Wert der Investitionen ist trotzdem zurückgegangen."

Eine Einschätzung von FDI-Daten in den neuen EU-Ländern werde immer schwieriger, so die WIIW-Experten, da Kapital, Verluste und Profite innerhalb von multinationalen Unternehmen hin- und hergeschoben würden. "Steueroptimierung hat dabei einen großen Stellenwert bekommen, was Auswirkungen sowohl für die Zuordnung zu Wirtschaftsbereichen als auch zu den Herkunftsländern der internationalen Investoren hat." Die Niederlande und Luxemburg seien Topinvestoren in der Region, "sie sind bekannt für günstige Konditionen für Firmenzentren".

Die russischen FDI sind laut WIIW in erster Linie von den Kapitaltransfers der lokalen Oligarchen bestimmt. Die Kapitalflucht in der Form von FDI-Abflüssen im Jahr 2015 wird mit rund 15 Mrd. Euro beziffert. Allerdings habe auch der Wertverfall des Rubel um 30 bis 40 Prozent dazu beigetragen.

Der Anteil Österreichs am FDI-Bestand in den Ländern der Region hat sich in den vergangenen Jahren leicht verringert, Osteuropa sei aber für österreichische Investoren nach wie vor sehr bedeutend, auch wenn ihre Bedeutung längerfristig etwas abnimmt.

Eine FDI-Prognose abzugeben sei sehr schwierig, so Hunya. "Ich liege sehr oft falsch, muss ich sagen." Das Wirtschaftswachstum dürfte heuer ähnlich sein wie 2015, "wir werden weiterhin eine ziemlich lebhafte Wirtschaft haben", befeuert durch die Inlandsnachfrage. Bei den FDI erwarte man daher keine Einbrüche.

Wien/Graz/Zürich (APA) - Das in Zürich börsennotierte steirische Unternehmen ams AG zapft den Kapitalmarkt an. Die Hightech-Firma begibt eine 350 Mio. Dollar (knapp 293 Mio. Euro) schwere Wandelanleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren (bis 28. September 2022), wie das Unternehmen mit Sitz in Unterpremstätten heute, Montag, Nachmittag mitteilte.
 

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Steirische ams platziert 350 Mio. Dollar schwere Anleihe

Washington (APA/Reuters) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Weltwirtschaft trotz vieler Risiken auf einem soliden Wachstumspfad. "Nahezu ein Jahrzehnt nach Ausbruch der globalen Finanzkrise befindet sich die Weltwirtschaft auf einem Erholungskurs", sagte der Vize-Chef des Fonds, Tao Zhang, laut Redetext am Montag auf einer Veranstaltung in Cleveland.
 

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IWF sieht Weltwirtschaft auf gutem Kurs

London (APA/dpa) - Das Beratungshaus Deloitte ist das Opfer eines ausgefeilten Cyberangriffs geworden. Vertrauliche E-Mails und Daten großer Kunden seien kompromittiert worden, heißt in einem Bericht des britischen "Guardian".
 

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Beratungsgesellschaft Deloitte wurde Opfer von Cyber-Angreifern