Wifo: EU muss Rezession vermeiden - Ernüchternde Europa-2020-Bilanz

Wien (APA) - Die Europäische Union (EU) muss aus Sicht des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo kurzfristig einen Rückfall der EU in die Rezession verhindern und die Absichtserklärungen für Wachstum und Beschäftigung schneller umsetzen. Langfristig seien Innovationen und hohe soziale und Öko-Standards nötig, betont das Wifo in einer "ernüchternden" Halbzeitbilanz zu den Europa-2020-Strategien.

Die Ziele bezüglich Beschäftigung und Armutsvermeidung würden aus heutiger Sicht verfehlt, die Bildungsziele dagegen erreichbar scheinen, so das Wifo am Montag. Die Energieziele könnten bei verstärkten Bemühungen noch erreicht werden, diese seien allerdings sehr niedrig angesetzt worden.

Österreich zähle in der Europa-2020-Halbzeitbilanz zu den erfolgreicheren Ländern, bleibe aber ebenfalls hinter den Zielvorgaben zum Beispiel für Forschung, Verringerung der Treibhausgasemissionen und Steigerung der Energieeffizienz zurück.

Das Ziel einer Steigerung der EU-Beschäftigungsquote auf 75 Prozent bis 2020 werde nicht erreicht - derzeit seien es 69 Prozent, das Defizit gegenüber dem Ziel betrage also 16 Millionen Personen. Und statt dass die Zahl der in der EU von Armut und Ausgrenzung Betroffenen oder Bedrohten bis 2020 um 20 Mio. sinkt, sei sie bisher um 10 Mio. auf 124 Mio. gestiegen.

Erreichbar scheine in der EU das Ziel, die Schulabbrecherquote unter 10 Prozent zu drücken und die Zahl der Hochschulabschlüsse auf 40 Prozent der Jugendlichen zu erhöhen. Die Energieziele seien wenig ehrgeizig, wegen der schwachen Wirtschaftsleistung seien sie erreichbar - aber zu gering, um die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erfüllen.

Österreich zählt laut Wifo zu den erfolgreicheren Ländern. Das ehrgeizige Ziel einer Steigerung der Beschäftigungsquote auf 77 bis 78 Prozent könnte dem Institut zufolge erreicht werden - schon 2013 lag die Quote mit 75,7 Prozent über dem EU-Ziel, und sie werde auch 2014 steigen. Die Zahl der von Armut und Ausgrenzung Betroffenen sank zwischen 2008 und 2013 um rund 130.000 - etwas mehr als die Hälfte der angestrebten Reduktion bis 2020. Der Anteil der Schulabbrecher sei wie geplant gesenkt worden.

Hinsichtlich des Anteils erneuerbarer Energie werde Österreich sein Ziel erreichen, bezüglich der Steigerung der Energieeffizienz werde das Ziel bisher aber deutlich verfehlt. Die Treibhausgas-Emissionen seien nicht verringert worden, sondern hätten zugenommen.

Die Forschungsausgaben Österreichs liegen laut Wifo nahe dem EU-Ziel, das eigene Ziel von 3,76 Prozent des BIP für F&E bis 2020, das eine Annäherung an die Spitzenländer bringen sollte, werde derzeit aber um fast 1 Prozentpunkt verfehlt,. Tatsächlich stagniere die F&E-Quote aber seit drei Jahren.

Peking (APA/Reuters) - Die chinesische Zentralbank will ungeachtet gestiegener Konjunkturrisiken durch den Handelskonflikt mit den USA vorerst auf größere Hilfen für die Wirtschaft verzichten. Stattdessen sollen die Finanzierungsprobleme von Unternehmen "effektiv gelindert" werden, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme.
 

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Chinas Notenbank verzichtet vorerst auf größere Konjunkturhilfen

Genua (APA/Reuters) - Nach dem Brückeneinsturz in Genua hat Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte den Autobahnbetreiber zu deutlich höheren Entschädigungszahlungen für die Opfer aufgefordert. Den vom Infrastrukturkonzern Atlantia angebotenen Betrag von 500 Millionen Euro nannte der Regierungschef in der Zeitung "Il Corriere della Sera" vom Dienstag bescheiden.
 

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Brückeneinsturz in Genua - Conte fordert mehr Geld von Betreiber

Wien (APA) - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) befürchtet, dass Österreich in der Grundlagenforschung den Anschluss an die internationale Spitze verliert. Um das zu vermeiden, empfiehlt das Gremium der Bundesregierung, die im Wettbewerb vergebenen Mittel für Grundlagenforschung zu steigern. So sollte das Budget des Wissenschaftsfonds FWF um 80 bis 90 Mio. Euro jährlich erhöht werden.
 

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Forschungsrat empfiehlt mehr Mittel für Grundlagenforschung