Wienerinnen arbeiten täglich vier Stunden unbezahlt

(APA) - Frauen in Wien arbeiten täglich vier Stunden unbezahlt, sie haben eine halbe Stunde weniger Freizeit als männliche Bewohner der Hauptstadt und verdienen, wenn sie unselbstständig beschäftigt sind, 2,40 Euro brutto weniger pro Stunde als männliche Kollegen. Diese Zahlen lieferte der erste Wiener Gleichstellungsmonitor, der am Mittwoch präsentiert wurde.

"Viele der Ergebnisse sind nicht neu, aber wir haben jetzt eine Datengrundlage in der Hand, um Unterschiede sichtbar zu machen, sie sachlich nachweisen und argumentieren zu können", erklärte Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) bei der Präsentation. Die Ergebnisse in zwölf Kategorien von Kultur über Umwelt bis Beruf sollen aber auch Handlungsgrundlage liefern, um weiter an der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern zu arbeiten.

Denn derzeit gibt es noch augenscheinliche Unterschiede, vor allem betreffend Einkommen und Arbeitszeit. Wienerinnen arbeiten im Durchschnitt sieben Stunden am Tag, allerdings nur drei Stunden am Tag davon bezahlt. Vier Stunden gehen dagegen in unbezahlte Arbeit. Zum Vergleich: Männer arbeiten 6,5 Stunden am Tag, davon vier bezahlt.

Das liegt unter anderem auch daran, dass die Hausarbeit zum überwiegenden Teil an den Wiener Frauen hängen bleibt: Sie leisten 62 Prozent der Hausarbeit. In einem Viertel der Wiener Haushalte sind Frauen sogar alleine für Staubsauger und Co. zuständig. Arbeiten Frauen, dann werden sie dafür im Durchschnitt deutlich schlechter bezahlt als männliche Kollegen: Ihr Bruttostundenlohn liegt bei 12,6 Euro, während Männer durchschnittlich 15 Euro pro Stunde verdienen. Das bedeutet eine Einkommensschere von 16 Prozent, bei Pensionistinnen sind es 33 Prozent.

Vor allem in technischen Berufen, akademischen Berufen und in der Führungsebene verdienen Wienerinnen deutlich weniger als Männer - und das obwohl das durchschnittliche Bildungsniveau der Wiener Frauen höher liegt als jenes der männlichen Bewohner der Bundeshauptstadt. "Das ist ein Einkommensunterschied, den es zu schließen gilt", meinte Frauenberger. Der Monitor helfe vor allem, spezifische Ansatzpunkte zu finden. Zum ersten Mal seien etwa Vergleichsdaten aus Kollektivverträgen ausgewertet worden.

Neben der Einkommensschere ist der Frauenstadträtin aber vor allem auch die unbezahlte Arbeit von Frauen ein Dorn im Auge: "Es gilt daher mindestens so viel in die Halbe-Halbe-Debatte zu investieren." Hoch auf der Agenda der Stadträtin steht zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vor allem der Ausbau der ganztägigen und ganzjährigen Betreuung. Aber auch ganz andere Bereiche der Hauptstadt wurden unter die Lupe genommen: So sind etwa nur 34 Prozent der Gemeinderäte weiblich, auch in sportlichen Vereinen und Verbänden sind Frauen unterrepräsentiert. Dafür besuchen sie deutlich häufiger als Männer Kurse an den Volkshochschulen und nutzen mehr öffentliche Verkehrsmittel.

Alle drei Jahre soll der Gleichstellungsmonitor wiederholt werden. "Die Stadt Wien stellt sich selbst einer Wirkungsanalyse", meinte die Frauensprecherin der Wiener Grünen, Martina Wurzer. Der Monitor soll künftig als "zentrales Navigationsinstrument" in der Frauenpolitik dienen. Für die Ergebnisse wurden allerdings keine neuen Daten erhoben, sondern verfügbare recherchiert und in neuem Licht zusammengestellt, erklärte Andrea Leitner vom Institut für Höhere Studien, die das Projekt betreute. Dabei hätten sich auch Datenlücken aufgetan - beispielsweise gebe es keine Angaben zur Zahl der männlichen und weiblichen Profisportlerinnen.

Der erste Gleichstellungsmonitor soll jedoch nur Ausgangspunkt eines größeren Projekts sein, schilderte Frauenberger. Gemeinsam mit den Wienerinnen sollen Maßnahmen zur Gleichstellung erarbeitet werden - etwa per Online-Umfrage und in Workshops. In einem Bürgerinnenrat soll dann 2015 über die Ergebnisse diskutiert werden, die anlässlich des Internationalen Frauentags im März im Rathaus präsentiert werden.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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