Wiener Arbeiterstrandbad soll zum frei zugänglichen "Paradies" werden

(APA) - Ein Teil des Wiener Arbeiterstrandbads an der Alten Donau, das Mitte der 1980er-Jahre als öffentliches Bad geschlossen und daraufhin verpachtet wurde, soll zur frei zugänglichen Wiese werden. Damit müssen die rund 200 verbliebenen Kabinen- und Kabanennutzer - die Bauten werden abgerissen - weichen. Stadt und Arbeiterschwimmverein (ASV) wollen diese nun mit einem Lösungsvorschlag besänftigen.

23.000 Quadratmeter umfasst der betroffene Abschnitt des ehemaligen Arbeiterstrandbads, der westlich an das Strandbad Alte Donau angrenzt. Seit seiner Schließung ist es an den ASV verpachtet. Die Verträge laufen nun aus. Die Stadt will aus diesem Anlass die Möglichkeit ergreifen, dieses "Paradies" bis zum Frühjahr 2015 allen Wienern kostenlos und ganzjährig zugänglich zu machen anstatt weiter einigen Menschen exklusiv vorzubehalten, wie Gerald Loew, Leiter der Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer), im APA-Gespräch betonte. Der ASV habe sich aufgrund der hohen Instandhaltungskosten gar nicht mehr um eine Vertragsverlängerung bemüht, so Vereinsobfrau Claudia Millmann zur APA.

Im Zuge der Umgestaltung - die Kosten will man im Rathaus noch nicht beziffern - werden auch die 200 Kabinen und acht Kabanen, also kleine Hüttchen, am Gelände geschleift. Sie seien mangels Investitionen in den vergangenen Jahren baufällig geworden, so Loew.

Die Kabinenmieter sind freilich alles andere als begeistert und machen ihrem Unmut bereits seit einiger Zeit u.a. via Petition Luft. "Für diese Menschen haben wir nun eine Lösung", betonte Loew. Konkret sollen sie im nahe gelegenen Sportbadareal des ASV unterkommen. Der ASV ist Pächter einer 18.700 Quadratmeter großen Fläche mit Wasserzugang, die für Trainings- und andere Vereinsaktivitäten genutzt wird. Interessierte können um 40 Euro pro Jahr Vereinsmitglied werden und damit auch die Berechtigung erwerben, das Gelände mitzubenutzen, sagte ASV-Obfrau Millmann. Dort gebe es noch freie Kästchen, die Kabinen ähnlich seien, für zusätzlich 90 Euro pro Jahr. Außerdem stehen 36 Kabinen auf dem Grundstück, die derzeit aber alle belegt sind.

"Wenn nun der große Ansturm kommt, überlegen wir, die Kästchen-oder Kabinenkapazität auszubauen", versprach Millmann. 70 der rund 200 Arbeiterstrandbad-Fans hätten bereits eine Mitgliedschaft. Mit Kabanen kann man beim ASV allerdings nicht aufwarten. Wobei: Das Mitgliedsrecht steht freilich jedem Wiener offen - also nicht nur den nun "heimatlosen" Kabinenpächtern.

Was den verwaisten Teil des Arbeiterstrandbads betrifft, soll die derzeitige Zugangsbarriere Richtung Arbeiterstrandbadstraße verschwinden und das Gelände möglichst naturnah gestaltet werden. Statt der Asphalt- und Betonwege sind Schotterpfade geplant, entlang des Schilfgürtels werden Wassereinstiege für Schwimmer geschaffen. Der Betonsteg soll nach Möglichkeit erhalten und saniert werden. Klassische Bäderinfrastruktur - also Umkleideräume, Duschen, ein Cafe etc. - wird es aber nicht geben: "Wir wollen den Bädern keine Konkurrenz machen."

Ob der Plan der Stadt sich tatsächlich umsetzen lässt, ist allerdings noch nicht ganz fix. Denn Eigentümer der Fläche ist die sogenannte Donauhochwasserschutzkonkurrenz (DHK), die sich vor allem um die Erhaltung von Schutz- und Dammbauten kümmert. Neben der Stadt Wien sind auch das Land Niederösterreich und der Bund Teil des Gremiums. Die Pläne Wiens will man in der nächsten Sitzung Anfang Oktober vorstellen. "Ich nehme aber an, dass wir dort offene Türen einrennen", gab sich Loew zuversichtlich.

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