Weniger Mittel aus Ländlicher Entwicklung bedeuten weniger Grünland

Wien (APA) - Im Agrarsektor herrscht Verunsicherung wegen des nächsten EU-Agrarbudgets, in dem von Brüssel Kürzungen vorgesehen sind. Besonders besorgt ist Österreichs Bauernschaft bezogen auf die Geldtöpfe der Ländlichen Entwicklung. Die Landwirtschaftskammer beauftragte nun beim Wifo eine Studie "EU-Agrarpolitik: Mehrwert der Landwirtschaft", die am Mittwoch bei der "Klartext"-Reihe der LKÖ thematisiert wurde.

Franz Sinabell vom Wifo erläuterte aus der Studie, dass die Landwirtschaft ein Wirtschaftsbereich ist, in dem die Produktivität besonders rasch zunimmt. Die elementare Funktion sei die Versorgung mit Nahrung und Rohstoffen. Ernährte eine Agrar-Vollarbeitskraft im Jahr 2000 noch 76 Personen, so waren es im Vorjahr bereits 117 Menschen. Ohne Mittel aus der ländlichen Entwicklung würde es laut dem Experten definitiv weniger Grünland geben.

"Wenn es weniger Unterstützung im Berggebiet gibt, dann werden wir das in Österreich sehen, was wir in Italien außerhalb Südtirols und Frankreich beobachten: Nämlich den Rückzug der Landwirtschaft und damit auch der Dörfer und Infrastruktur aus Berggebieten", so Sinabell. Das habe wiederum Kausalwirkungen mit dem Tourismus. Ohne Programm der Ländlichen Entwicklung wäre die Wertschöpfung um 1,6 Mrd. Euro und die Beschäftigung um etwa 30.000 Menschen gesunken, zeigt ein mittleres Szenario zur Evaluierung des Programms laut dem Wissenschafter.

Auch die Innovationskraft im Agrarbereich sei deutlich höher, als gemeinhin bewusst. Das sei wichtig, um die Produktivität zu steigern. Die Wertschöpfung in der Landwirtschaft stagniere jedoch, während sie in den vor- und nachgelagerten Bereichen steige. "De facto spezialisieren sich die Betriebe", schließt Sinabell daraus.

Produktion und Verarbeitung finden im ganzen Land statt. "Das ist wichtig. In Österreich gab es ein relativ stärkeres Wachstum ländlicher Regionen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft verglichen zu fast allen anderen EU-Staaten." Die agrarische Qualifikation könnte aber noch gesteigert werden, so Sinabell. Er brachte auch einen Vergleich, der aufhorchen lässt: War 1990 eine Mechanikerstunde noch mit 100 Kilogramm Rohmilch gleichwertig, so waren es 2016 schon 400 Kilo Rohmilch.

Der neue Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (ÖVP) sah in seinen Ausführungen den Mehrwert, für den die Bauern sorgten, "nur bei einem Teil angekommen, wenn es um Lebensqualität geht". Es werde nur ein Teil über den Erlös der marktfähigen Produkte abgegolten. "Bauern liefern mehr, als beim Produktpreis zum Ausdruck kommt." Daher sei der zweite Teil der Abgeltung aus der öffentlichen Hand für Leistungen, die im öffentlichen Interesse liegen, ein zentrales Element der Einkommen.

"Wenn die EU für weniger Geld mehr Leistungen fordert, dann ist das ein Ding der Unmöglichkeit", sagte Moosbrugger. "Es braucht einen stärkeren Schulterschluss mehrerer Akteure, die von den bäuerlichen Leistungen profitieren um dieses Bewusstsein hinauszutragen - dass sonst gewisse Dinge nicht mehr finanzierbar und damit nicht mehr vorhanden sein werden." Es müsse ein reales Bild gezeichnet werden, wie Landwirtschaft funktioniert, sagte Moosbrugger auch in Richtung Handel. "Mit Nostalgie überlebt niemand. Der Mehrwert unserer Leistungen mit höchsten Tierwohl-, Klima-, Umwelt- und Produktionsstandards, die vielen zu selbstverständlich erscheinen, muss bewusster gemacht werden."

Die Wirtschaftskammer-Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Petra Nocker-Schwarzenbacher, gab sich als Verbündete der Agrarier. Die Landwirtschaft sei mit dem Tourismus in Österreich "untrennbar verbunden". Auch der Tourismus habe bestimmt einen Anteil daran, dass in Österreich ländliche Regionen stärker wachsen als in weiten Teilen Europas. Auch wenn es teilweise unterschiedliche Ansätze und Meinungen gebe seien Agrar und Tourismus keine Gegner. Landschaft und Natur seien ein wichtiger Entscheidungsfaktor für Urlauber. Die beiden Branchen sollten noch enger zusammenwachsen, so Nocker-Schwarzenbacher.

Herausforderungen sind laut Sinabell, die "Wahl zwischen einer Economy of Scale (Skaleneffekt, Anm.) und einer Economy of Scope (Verbundvorteil, Anm.), also die Wahl zischen vertikaler Integration (vertikale Unternehmenskonzentration, Anm.) und Outsourcing (Auslagerung, Anm.)". Die gesellschaftliche Frage laute, ob man eine Erosion der Landwirtschaft und somit auch der Landschaftspflege hinnehmen wolle.

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Der Streit zwischen der Ryanair-Tochter Laudamotion und der Gewerkschaft …