Wann startet EZB Mega-Geldschwemme? - QE-Details Donnerstag erwartet

Frankfurt/Nikosia - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird in den nächsten Tagen die Schleusen für ihre Ende Jänner angekündigte Geldflut öffnen. Das scheint sicher. Bis jetzt hat EZB-Präsident Mario Draghi jedoch nur die Eckdaten seines gut eine Billion Euro schweren Anleihen-Kaufprogramms umrissen.

Die Investoren an den Finanzmärkten erwarten, dass Draghi am Donnerstag in Zypern Klarheit schafft - nach der ersten von zwei EZB-Ratssitzungen im Jahr, die nicht in Frankfurt am Sitz der Notenbank stattfinden. Die Börsianer wollen wissen, welche Wertpapiere mit welchen Laufzeiten und in welchem Umfang Draghi kaufen will. Und: Wann fällt der Startschuss?

Draghi hatte Anfang des Jahres angekündigt, dass er im Kampf gegen eine brandgefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen mehr als eine Billion Euro in das Finanzsystem der Eurozone pumpen will. An der Zinsschraube kann er nicht mehr viel drehen: Mit 0,05 Prozent liegt der Schlüsselsatz bereits an der Nulllinie. Daher will die EZB in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere erwerben, also Geld in die Wirtschaft pumpen, um die Inflationsrate wieder in Richtung ihrer Zielmarke von knapp unter zwei Prozent anzuheben. Das Volumen der Geldschwemme: 1,14 Billionen Euro. Bis September 2016 sind 60 Mrd. Euro pro Monat veranschlagt.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert wird Draghi in Zypern betonen, dass das Anleihen-Kaufprogramm - im Fachjargon "Quantitative Easing" (QE) genannt - unbefristet ist. "Damit hält er die Fantasie an den Märkten auf weitere Maßnahmen aufrecht." In einer Reuters-Umfrage war vor wenigen Tagen immerhin die Hälfte der 81 teilnehmenden Volkswirte der Auffassung, dass die EZB ihr Programm über den September 2016 hinaus verlängern muss. Im Februar lag die Teuerung in der Eurozone bei minus 0,3 Prozent und damit nicht mehr ganz so niedrig wie zu Jahresbeginn.

Bei dem bald beginnenden Kauf von Staatsanleihen wird nach Einschätzung der Helaba die Deutsche Bundesbank stark gefordert sein - die die Maßnahme eigentlich ablehnt. "Während sich Mario Draghi bei der nächsten Sitzung entspannt zurücklehnen kann, wartet auf Jens Weidmann und seine Bundesbank ab März viel Arbeit", schätzt Helaba-Ökonom Ulf Krauss. "Das monatlich gehandelte Volumen von 400 bis 500 Mrd. Euro an deutschen Staatsanleihen dürfte der Bundesbank zu Beginn des Programms genügend Möglichkeiten eröffnen." Doch was ist, wenn die Preise der Papiere wegen der EZB-Aktion in die Höhe schießen und immer weniger Anleihen am Finanzmarkt verfügbar sind?

Damit nicht genug: Schwer im Magen liegen den Währungshütern weiterhin das Sorgenkind Griechenland. Erst am Wochenende hatte dessen Finanzminister Yanis Varoufakis die Rückzahlung von Bonds in Höhe von 6,7 Mrd. Euro in Frage gestellt, die von der EZB gehalten und im Sommer fällig werden. Für Varoufakis wird es nämlich trotz des jüngsten Deals mit den anderen Euro-Staaten eng. Schon im März muss das hochverschuldete Land 1,6 Mrd. Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen und im April 800 Mio. Euro für Zinsen berappen. Im Juli und August braucht Varoufakis dann etwa 7,5 Mrd. Euro für die von der EZB gehaltenen Bonds und andere Zinsverpflichtungen.

Wegen der Krise sind die griechischen Banken inzwischen von der normalen Refinanzierung durch die EZB abgeschnitten. Aktuell läuft sie über Notfallhilfen der Zentralbank in Athen, die diese auf eigenes Risiko an die Institute leistet. Der von der EZB dafür genehmigte Rahmen liegt aktuell bei 68 Mrd. Euro. Im Blickpunkt dürfte bei der Sitzung des EZB-Rats auf Zypern daher auch stehen, ob die Euro-Notenbank diesen Rahmen aufstockt. Oder ob sie sogar die bis zur jüngsten Zuspitzung der Hellas-Krise geltenden Sonderregeln für den Einsatz griechischer Bonds als Sicherheiten bei Refinanzierungsgeschäften wieder genehmigt: Manche Beobachter bezweifeln das allerdings.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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