VW-Skandal - Ein Autoriese sucht in den USA nach einer Lösung

Eine Gesamtlösung strebt der deutsche Automobilkonzern an, um den Abgas-Skandal zum Ende zu bringen. Das Paket soll auch zu erwartende Strafen enthalten. Die Investitionen in Elektromobilität sollen Teil einer Lösung sein. Weitere Klagen in Deutschland stehen an. Eines ist gewiss: Es wird teuer - für VW.

Wolfsburg. Volkswagen strebt im Dieselskandal eine Gesamtlösung mit den US-Behörden an. Neben der Reparatur der rund 500.000 Autos mit gefälschten Abgaswerten werde als Wiedergutmachung auch über Investitionen in die Elektromobilität und über den Kauf von Verschmutzungsrechten für Stickoxide verhandelt, sagte ein hochrangiger Manager der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.

Ziel sei ein Gesamtpaket, das auch die zu erwartenden Strafen für den Verstoß gegen US-Umweltrecht umfasse. Das US-Justizministerium hat Volkswagen auf bis zu 46 Mrd. Dollar (42 Mrd. Euro) verklagt. Eine Einigung mit der US-Umweltbehörde EPA gilt als Voraussetzung dafür, dass die Strafe niedriger ausfällt.

"Unser Interesse muss sein, eine Gesamtlösung auszuhandeln, die möglicherweise auch einen Großteil der zu erwartenden Strafen mit abbildet", sagte die Person mit Kenntnis der Verhandlungen. VW äußerte sich nicht zu Details der Verhandlungen. Ein Sprecher sagte lediglich, man befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit den US-Behörden.

Laut dem Insider geht es den US-Behörden auch um eine Kompensation für den überhöhten Stickoxidaustoß in den vergangenen Jahren. Deshalb werde über Investitionen in den Ausbau der Elektromobilität verhandelt, etwa in ein Netz von Ladestationen. Der Bau einer Fabrik für Elektroautos sei dagegen vom Tisch. Verschiedene Medien hatten Ende Februar berichtet, in den Gesprächen mit der Umweltbehörde EPA werde diskutiert, ob VW als Wiedergutmachung für die Abgas-Manipulationen Elektroautos in den USA bauen könne. Zu den voraussichtlichen Gesamtkosten einer Einigung in den USA äußerte sich der Insider nicht. Es werde auf jeden Fall "sehr teuer", sagte er.

Ziel sei weiter, einen möglichst großen Teil der betroffenen Autos zu reparieren. Fahrzeuge, bei denen dies nicht möglich sei, müsste VW zurücknehmen. Wieviele dies seien, sagte die Person nicht. Zuletzt war die Rede von etwa 100.000 Wagen. Die kalifornische Umweltbehörde CARB sieht nur geringe Chancen, dass VW vor Ostern noch einen Reparaturplan genehmigt bekommt. "Wir glauben nicht, dass die meisten Autos so repariert werden können, dass die Grenzwerte erreicht werden", zitierte die "WirtschaftsWoche" CARB-Geschäftsführer Richard Carey vorab aus ihrer nächsten Ausgabe. Ein Software-Update werde ebenso wenig ausreichen wie der Einbau eines neuen Katalysators. Je mehr Autos VW in den USA zurückkaufen muss, umso teurer dürfte es werden.

VW und die EPA müssen bis zum 24. März Bezirksrichter Charles Breyer in San Francisco mitteilen, ob sie sich auf einen Weg zur Reparatur der manipulierten Dieselautos geeinigt haben. Der Insider machte deutlich, dass er bis dahin noch nicht mit einem ausgehandelten Kompromiss rechnet. Neben den Strafen ist Volkswagen in den USA auch mit zahlreichen Sammelklagen konfrontiert. Auch in Europa ziehen Investoren und Autobesitzer vor Gericht und fordern Schadenersatz.

Zwei deutsche Anwaltskanzleien teilten am Donnerstag mit, eine Sammelplattform für Klagswillige habe das Volumen von 2,5 Mrd. Euro überschritten. Die Advokaten Klaus Nieding und Daniel Vos haben nach eigenen Angaben rund 6.500 Klagen von Privatanlegern mit einer durchschnittlichen Schadenssumme von 10.000 Euro gebündelt. Hinzu kämen etwa 80 institutionelle Investoren, die im Schnitt jeweils etwa 30 Mio. Euro vom Wolfsburger Autobauer forderten.

Der VW-Konzern hatte vor fast sechs Monaten zugegeben, Abgaswerte durch eine Software geschönt zu haben. In den USA, wo der Skandal aufflog, sind davon 480.000 Fahrzeuge der Marke VW betroffen. Bei weiteren rund 80.000 größeren Autos mit einem von Audi entwickelten Motor hat die EPA eine Softwarefunktion beanstandet, die den Behörden nicht richtig gemeldet wurde. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten unterwegs, davon rund 388.000 in Österreich.

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