Vorsichtige Annäherung der asiatischen Riesen China und Indien

(APA/dpa) - Chinesische und indische Flaggen wehen einmütig über dem Fluss Sabarmati in Ahmedabad. Hier empfängt der neue indische Premierminister Narendra Modi seinen Gast aus China: an der idyllischen Uferpromenade seiner politischen Heimatstadt, und nicht etwa in der Hauptstadt Neu Delhi. Gemeinsam sitzen Modi und Chinas Staatschef Xi Jinping während des Sonnenuntergangs in einer Hollywood-Schaukel, dann spazieren sie - in fast identische Westen gekleidet - am Wasser entlang.

Dabei gingen die beiden asiatischen Giganten in den vergangenen Jahrzehnten keineswegs immer im Gleichschritt voran. Ständige Konkurrenz prägte vielmehr das Verhältnis der beiden Milliardenvölker. Sie rangen um politischen Einfluss in der Region, rüsteten ihr Militär hoch und schielten auf die Entwicklung und Wirtschaftskraft des Nachbarn. In allem hat China dabei die Nase immer weit vorn.

Trotzdem begegnet der Hindu-Nationalist Modi seinem Amtskollegen nun auf Augenhöhe. "Die zeitgleiche Wandlung unserer beiden Länder, in einem noch nie da gewesenen Umfang und einer in der Geschichte einmaligen Geschwindigkeit, schafft gewaltige Möglichkeiten", sagte Modi. Es sei ja wohl Konsens, dass das 21. Jahrhundert ein Asiatisches werde. "Zusammen können wir Geschichte schreiben und eine bessere Zukunft für die ganze Menschheit schaffen", erklärte er.

Die derzeitigen Spannungen zwischen den beiden Atommächten sprach Modi hingegen nicht an. So ist etwa die Tausende Kilometer lange Grenze im Himalaya noch immer nicht festgelegt. 1962 verloren die Inder dort einen Krieg, und in regelmäßigen Abständen - zuletzt wenige Tage vor dem Treffen - berichten indische Medien über chinesische Soldaten, die einfach über die Grenze marschieren. Sogar Camps und Straßen hätten die Chinesen schon in den umstrittenen Regionen angelegt. Hinzu kommt ein Streit ums Wasser, da mehrere indische Flüsse in China entspringen.

Auch im Indischen Ozean belauern einander die Riesen. Die expansionistische Außenpolitik Chinas, die auf Inseln im Pazifik immer wieder für Ärger sorgt, bereitet den Indern Kopfzerbrechen. Ehe Xi Jinping nach Indien flog, machte er Abstecher auf die Malediven und Sri Lanka. Dort, quasi im Hinterhof Indiens, versprach er weitere Häfen, Brücken und Flughäfen. Und er warb auch für die Errichtung einer neuen "maritimen Seidenstraße" im Indischen Ozean.

Während also China die Wiederbelebung der Handelsstraße nach Afrika vorantreibt, bemüht sich Indien in anderen Teilen Asiens um Verbündete. Modi war seit dem Amtsantritt vor vier Monaten auf Charme-Reisen in Bhutan, Nepal und Japan, wo ihn Premierminister Shinzo Abe mit einer herzlichen Umarmung, Tempel-Touren und einer Tee-Zeremonie empfing. Indiens Präsident war gerade in Vietnam, während die Außenministerin nach Bangladesch und Myanmar eilte.

Trotz allem ist Xi Jinping nun in Indien - und landete just an Modis 64. Geburtstag. Im Gepäck dürfte er milliardenschwere Geldversprechen haben, vor allem für Indiens marode Infrastruktur wie Schienennetze und Straßen. Auch Industriezonen wollen die Chinesen den Indern bauen, während diese auf Geschäfte für ihre IT-und Pharma-Firmen hoffen. In einem Beitrag für die Zeitung "The Hindu" pries Xi Jinping die Möglichkeiten einer Verbindung der "Werkbank der Welt" und des "Büros der Weltwirtschaft".

Doch: Nur durch etwas mehr Investitionen und Handel ließen sich die Spannungen nicht abbauen, meint Srikanth Kondapalli, Professor für China-Studien an der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu Delhi. Bisher seien nur insgesamt 350 Unternehmen über die Grenze hinweg aktiv - nichts im Vergleich zu etwa den 80.000 japanischen Unternehmen in China. "Ich sehe nicht, wie die wirtschaftlichen Beziehungen derzeit eine Basis für Frieden sein könnten", sagt er.

Frankfurt (APA/Reuters) - Die deutsche Commerzbank verfolgt ihre Pläne für eine europäische Onlinebank nicht weiter. "Wir haben inzwischen entschieden, das Projekt Copernicus nicht fortzuführen", sagte Privatkundenchef Michael Mandel in einem im Intranet der Commerzbank veröffentlichten Interview, das die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.
 

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