Vom Milchpulver-Pionier zum Nahrungsmittelriesen: 150 Jahre Nestle

1866 erfindet Henri Nestle im Schweizer Vevey sein Milchpulver für Babys, die von ihren Müttern nicht gestillt werden können. Damit legt er den Grundstein des Unternehmens Nestle. 150 Jahre später bereitet sich der Waadtländer Nahrungsmittelriese auf seine Geburtstagsfeier vor.

Heinrich Nestle wird am 10. August 1814 in Frankfurt am Main geboren. Das Städtchen Vevey am Genfersee entdeckt der deutsche Apothekergehilfe im Rahmen einer beruflichen Weiterbildung. Um sich in der Romandie zu integrieren, ändert er 1839 die Schreibweise seines Namens: Er nennt sich nun Henri Nestlé.
Mitte der 1860er Jahre entwickelt er das Milchpulver "Farine Lactee Henri Nestle". Nestles erster "Kunde" ist ein frühgeborener Säugling, der weder die Milch seiner Mutter, noch eine der konventionellen Alternativen verträgt und von den Ärzten bereits aufgegeben worden ist.
Nestles neue Formel rettet das Kind. Rasch erkennt die Öffentlichkeit den Wert des neuen Produkts. In Werbeanzeigen in Waadtländer Zeitungen ist zu lesen: "Die gesündeste und rationellste Nahrung für Kleinkinder (...), die Milch, Brot und Zucker ersetzt".
Das ist der Anfang des Erfolgs von Henri Nestle, der für seine Erfindung zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhält. Das Milchpulver wird nun in weiten Teilen Europas verkauft.
Im Jänner 1875 verkauft der Chemiker seine Fabrik für "den Preis einer Million", wie die Zeitschrift "La Revue" schreibt. Und kommentiert: "Ein schnelles Vermögen, zu dem es nichts zu sagen gibt."
Das Waadtländer Unternehmen beginnt, wie die Anglo-Swiss Condensed Milk Company, mit der Herstellung von Kondensmilch. Die im zugerischen Cham ansässige Fima ist eine Pionierin auf diesem Gebiet. 1905 fusionieren die beiden Konkurrenten. Inzwischen hat sich Nestle auch auf die Herstellung von Schokoladenmilch spezialisiert.
1913 weist Nestle einen Jahresgewinn von rund 13,5 Millionen Franken aus. Nach dem Ersten Weltkrieg verfügt das Unternehmen über 40 Fabriken und verdoppelt seine weltweite Produktion im Zeitraum von vier Jahren.
In den späten 1920er Jahren fusioniert Nestle mit der Gruppe Peter, Cailler, Kohler - Schokolade wird die zweite wichtige Sparte des Unternehmens. 1938 lanciert das Unternehmen das Kaffeepulver Nescafe. Es ist das erste Produkt des Unternehmens, das keine Milch enthält und wird zum Lieblingsheißgetränk der amerikanischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs.
Die Jahresproduktion erreicht 1943 die Schwelle von einer Million Einheiten. Bouillonwürfel und andere Gewürze von Maggi gehören seit 1947 zum Unternehmen mit dem Nest-Logo. In diesem Jahr kauft Nestle der Firma Alimentana im zürcherischen Kemptthal die Marke ab.
Die Erfolge spiegeln sich in den Umsatzzahlen des Konzerns wider. Der Verkaufserlös steigt von 100 Millionen im Jahr 1938 auf 225 Millionen im Jahr 1945. In den nächsten 15 Jahren verdoppelt er sich. Als das Unternehmen sein 100 Jahr-Jubiläum feiert, beträgt sein Umsatz bereits mehr als 6 Milliarden Franken.
Seither hört der Nahrungsmulti nicht auf zu wachsen. 1974 wird Nestle einer der Hauptaktionäre der französischen L'Oreal, Weltmarktführer der Kosmetikaherstellung. Rund fünfzehn Jahre später schluckt Nestle Thomi & Franck.
Der Beginn des dritten Jahrtausends wird geprägt vom Markteintritt in das Tiernahrungsgeschäft und der Übernahme des US-Konzerns Ralston Purina. Zudem gerät Mövenpick Ice Cream in den Besitz von Nestle.
In den nächsten Jahren folgen weitere gewichtige Akquisitionen: Novartis Medical Nutrition, Gerber (Babynahrung) und Henniez werden in den Konzern einverleibt. Zuletzt setzt der Multi zunehmend auf das Gesundheitsgeschäft.
Nach 150-jährigem Bestehen hat das "kleine Nest" von Henri Nestle nichts Bescheidenes mehr an sich: 2014 schreibt der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt einen Umsatz von 91,6 Mrd. Franken (84,3 Mrd. Euro) und einen Reingewinn von 14,5 Mrd. Franken. Weltweit beschäftigt das Unternehmen über 339.000 Mitarbeiter.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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