Verdi droht mit Streiks bei Eurowings - "Jederzeit denkbar"

Frankfurt (APA/dpa) - Kunden des AUA-Mutterkonzerns Lufthansa drohen die ersten Streiks seit Frühjahr vergangenen Jahres. Im Tarifkonflikt um die rund 1.000 Flugbegleiter bei der Billigtochter Eurowings sind die Fronten so verhärtet, dass die Gewerkschaft Verdi Verhandlungen absagt und sich für Streiks rüstet.

Angesichts monatelanger ergebnisloser Gespräche "bereite man sich nun auf Arbeitskampfmaßnahmen vor", teilten sie in Berlin mit. Ein Datum wurde nicht genannt. Über Ausstände muss Verdi aber erst abstimmen.

"Es gibt keinen Grund für den Aufschub von Streiks", sagte Verhandlungsführer Volker Nüsse der Deutschen-Presse Agentur am Donnerstag. "Sie sind theoretisch jederzeit denkbar." Passagiere würden aber mit ausreichend Vorlauf informiert.

Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und Eurowings gerieten immer wieder ins Stocken, auch die 13. Runde brachte keinen Durchbruch. Zum nächsten Termin Anfang Dezember will Verdi nun erst gar nicht antreten, da kein Entgegenkommen absehbar sei. Die Airline habe zwar bei Gehältern und Betriebsrenten Verbesserungen vorgeschlagen, wolle aber Arbeitszeiten verschlechtern. "Damit provoziert die Eurowings Streiks", kritisierte Nüsse.

Verdi fordert verlässliche Dienstpläne, Arbeits- und Bereitschaftszeiten, aber auch einen schlagkräftigen Betriebsrat. Eurowings lehne dies ab und ändere Arbeitszeiten ohne tarifliche Grundlage, klagt die Gewerkschaft. So gebe es bis zu 18 Stunden lange Dienste, was Tarifverträgen widerspreche. "Die Situation ist für die Beschäftigten nicht mehr länger tragbar", erklärte die Gewerkschaft.

Eurowings reagierte auf die Streik-Ankündigung mit Unverständnis. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Verdi das Angebot nach "sehr konstruktiven Gesprächen urplötzlich ablehnt und sich vom Verhandlungstisch entfernt", hieß es in einer Stellungnahme. Die Airline warf der Gewerkschaft vor, aus eigenen Machtmotiven eine Drohkulisse aufzubauen. "Verdi eskaliert ohne Not, weil sie sich in einem Wettbewerb mit anderen Gewerkschaften für das Kabinenpersonal befindet." Man sei unverändert gesprächsbereit. Zu den Vorwürfen äußerte sich Eurowings indes nicht.

In den Verhandlungen geht es auch um Beschäftigte, die von der insolventen Air Berlin zur Eurowings kamen. Lufthansa hatte nach der Pleite im Sommer 2017 Teile von Air Berlin übernommen und Beschäftigte bei Eurowings eingegliedert. Über die Vergütungen der Flugbegleiter haben sich Verdi und die Konzerntochter geeinigt.

Eurowings fliegt von Airports wie Düsseldorf, Leipzig, Berlin-Tegel und München zahlreiche Ziele in Deutschland und beliebte Urlaubsorte im Mittelmeerraum an, ist aber auch ins Geschäft mit der Langstrecke etwa in die Karibik eingestiegen. Die Gehälter und sonstigen Bedingungen für Beschäftigte liegen aber unter jenen im Lufthansa-Konzerntarifvertrag. Bei der Übernahme ehemaliger Air-Berliner gab es darüber schon Streit.

Allerdings sind Streiks bei Eurowings noch nicht ausgemacht. Verdi muss dafür erst die Mehrheit seiner Mitglieder hinter sich bringen. Da auch die konkurrierende Gewerkschaft UFO Flugbegleiter vertritt, ist das ungewiss. Auch ist es nicht das erste Mal, dass Verdi in den Gesprächen mit Eurowings mit Streiks droht. Schon im August hatten die Arbeitnehmervertreter Ausstände ins Spiel gebracht.

Passagiere des Lufthansa-Konzerns haben schon öfter unter Streiks gelitten. Der letzte große Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft VC hatte Lufthansa 14 Ausstände in Serie eingebrockt, insgesamt waren über eine Million Kunden von Flugausfällen betroffen. Lufthansa entstand ein Schaden von mehr als 500 Millionen Euro. Im März 2017 legten die Piloten und Lufthansa den Konflikt nach langem Ringen bei.

Bei neuerlichen Streiks von Verdi wären die Folgen für Passagiere im Ernstfall wohl weit geringer, da es sich lediglich um eine Lufthansa-Tochter mit weniger Flügen handelt. Streiks in der Weihnachtszeit könnten aber Kunden empfindlich treffen und Reisepläne durcheinanderwirbeln.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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