US-Wirtschaft gewann stark an Schwung

Washington (APA/dpa/Reuters) - In den USA hat sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal dank satter Zuwächse beim privaten Konsum nahezu verdoppelt. In den Monaten April bis Juni habe die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um auf das Jahr hochgerechnete 4,1 Prozent zugelegt, so das Handelsministerium am Freitag in Washington nach einer ersten Schätzung. Dies ist das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2014.

Zum Jahresauftakt war die amerikanische Wirtschaft nur um revidiert 2,2 Prozent (zuvor 2,0) gewachsen. Analysten hatten für den Zeitraum April bis Juni mit einem etwas stärkeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,2 Prozent gerechnet. Eine der tragenden Säulen des Aufschwungs bleibt der private Konsum, der im zweiten Quartal um vier Prozent zulegte.

"Es läuft rund in der US-Wirtschaft", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Wachstumsdaten. Seiner Einschätzung nach habe die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zum Aufschwung beigetragen. Auch in den kommenden Monaten sei weiter mit einem kräftigen Wachstum zu rechnen. "Die BIP-Zuwachsraten können also auch in den kommenden Quartalen stark bleiben - wenn nicht Donald Trump die Suppe mit seinen Strafzöllen versalzt", sagte Gitzel.

Dagegen zeigte sich Experte Christoph Balz von der Commerzbank eher skeptisch. Für ein weiterhin starkes Wachstum müssten erhebliche Reserven an Arbeitskräften mobilisiert werden. In den USA habe der Arbeitsmarkt sein Potenzial aber nahezu ausgeschöpft und stärkere Zuwächse bei der Produktivität seien nicht in Sicht. So lautete die Prognose des Commerzbank-Experten: "Wir erwarten für die kommenden Quartale ein wieder langsameres Wachstum, aber keinen Sturz in die Rezession."

Ein starkes Anziehen der Konjunktur im zweiten Quartal ist nicht ungewöhnlich in der größten Volkswirtschaft der Welt. In den vergangenen Jahren war das Wachstum zum Jahresbeginn mehrfach vergleichsweise schwach ausgefallen und die Konjunktur hatte erst im weiteren Verlauf des Jahres spürbar an Fahrt gewonnen.

In den USA werden die Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese sogenannte Annualisierung verzichtet. Wachstumszahlen aus den USA sind deshalb optisch höher und nicht unmittelbar mit europäischen Zahlen vergleichbar.

Um das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft zu verringern, ist die amerikanische Notenbank entschlossen, die Zinszügel weiter zu straffen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in diesem Jahr noch zwei Mal nachlegen. Derzeit liegen die Leitzinsen in einer Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Jüngst hatte Trump mit der Tradition von US-Präsidenten gebrochen und die politisch unabhängige Fed wegen der Zinsschritte öffentlich kritisiert.

Die Schelte Trumps kommt für die Fed zur Unzeit. Denn für die Notenbank rücke nun die schwierige Frage in den Mittelpunkt, wo der Gipfel sei, sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. "Die Fed muss die Frage beantworten, wann sie mit Zinserhöhungen aufhört." Nächste Woche entscheidet sie erneut über ihre Geldpolitik.

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