US-Strafzölle - Wifo: Ökonomisch nicht sinnvoll

Wien/Washington (APA) - Die kurzfristig geplante Einführung von Importzöllen auf Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump lässt die Wogen international hochgehen - das Vorgehen ist höchst umstritten. "Ich halte die Maßnahme aus ökonomischen Überlegungen für nicht sinnvoll", sagte Außenhandelsexperte Harald Oberhofer des Forschungsinstituts Wifo und der Wirtschaftsuni (WU) Wien zur APA.

"Von einem Handelskrieg wären letztlich alle Seiten negativ betroffen, auch die USA", ortet Oberhofer eine Abwärtsspirale. Sobald die internationalen Handelspartner zum Gegenschlag ausholen und ihrerseits Strafzölle auf US-Produkte einheben, "wird das auch andere Branchen in der US-Wirtschaft betreffen, weil sie höhere Zölle zahlen müssen". Das könnte die amerikanischen Exporte gehörig dämpfen, da sich die amerikanischen Produkte in den Zielländern verteuern würden.

Zudem vergesse die aktuelle US-Politik, dass die angekündigten Einfuhrzölle auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent) auch direkt negative Effekte auf die amerikanische Bevölkerung nach sich zögen - in Form von höheren Preisen für Produkte wie etwa Autos und in Form von Arbeitsplätzen. Letztere könnten infolge von höheren Produktionskosten und gebremster Nachfrage in den betreffenden Branchen bedroht sein.

Produkte auf Stahlbasis werden jedenfalls teurer: "Der Zoll wird so wirken, dass die Stahlpreise in den USA generell steigen", erwartet der Wifo-Experte. Die Stahlproduzenten in den USA könnten höhere Preise verlangen. Dadurch erhöhten sich die Produktionskosten. Besonders massiv bekäme das die Automobilbranche zu spüren. Der japanische Autohersteller Toyota hat nach Trumps Ankündigung am Donnerstagabend postwendend vor höheren Autopreisen in den USA gewarnt.

In Europa ist vor allem die deutsche Stahlindustrie von den neuen Zöllen "sehr stark betroffen". Immerhin ist Deutschland einer der Top-10-Stahllieferanten der USA. Deutschland stellte 2017 laut schottischem Analysehaus Wood Mackenzie 3,7 Prozent aller US-Stahlimporte im Volumen von 35,6 Millionen Tonnen und rangierte damit weltweit an achter Stelle. Am härtesten trifft es aber Kanada, das mit 16,7 Prozent der Stahllieferungen in die Vereinigten Staaten den mit Abstand größten Anteil stellt. "Hinzu kommt die Facette, dass die Neuverhandlung der NAFTA (Nordamerikanischen Freihandelszone bestehend aus Kanada, USA und Mexiko, Anm.) gerade passiert."

Von österreichischer Seite ist die voestalpine der größte Stahlkonzern, der in den USA - aber auch in Mexiko - aktiv ist, vor allem als Automobilzulieferer. "Der Fall ist hier ein bisschen anders, da die Voest in den USA direkt vor Ort produziert", erklärte Oberhofer. Für die Fertigung dort muss das Unternehmen keine Strafzölle zahlen. Konzernchef Wolfgang Eder teilte der APA Donnerstagabend mit, dass die voestalpine "mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht berührt" sei.

"Ich glaube, der US-Präsident testet aus, wie weit er gehen kann, ohne Gegenreaktionen zu bekommen", sagte Oberhofer und rief den vor rund einem Monat verhängten US-Importzoll auf Solarpaneele und Waschmaschinen in Erinnerung. "Bei Stahl war das absehbar, dass gerade die EU reagieren muss", meinte er weiter. Denn die weltweite Überproduktion auf dem Stahlmarkt - vor allem durch China - erweckt die Sorge Europas, dass durch die US-Zölle noch mehr Stahl auf den europäischen Markt drängt und den Preisdruck weiter erhöht.

Die globale Rohstahlproduktion verdoppelte sich zwischen 2000 und 2016 laut World Steel Association fast von 849 Mio. auf 1,63 Mrd. Tonnen. Der Produktionsanteil Chinas legte im Berichtszeitraum von rund 15 auf knapp 50 Prozent zu, jener der EU-28-Länder schrumpfte indes von fast 23 auf 10 Prozent. Die EU produziert rund drei Viertel für den Eigenbedarf.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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