US-Gericht verurteilte Monsanto wegen Krebserkrankung durch Glyphosat

San Francisco (APA/AFP) - Ein US-Gericht hat den Agrarkonzern Monsanto zur Zahlung von 289 Millionen Dollar (253 Millionen Euro) Schmerzengeld verurteilt, weil seine glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Krebs verursacht haben sollen. Die Mittel hätten "wesentlich" zur Krebserkrankung des ehemaligen Hausmeisters Dewayne Johnson beigetragen, befand das Geschworenengericht am Freitag (Ortszeit) in San Francisco. Johnson ist unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und macht die Herbizide von Monsanto dafür verantwortlich.

Die Geschworenen-Jury begründete das Urteil mit dem Versäumnis von Monsanto, den Kunden vor dem Krebsrisiko durch das Unkrautvernichtungsmittel zu warnen. Sie stufte dies als "Heimtücke" ein. Der 46-jährige Kläger hatte die Mittel als Hausmeister einer Schule im kalifornischen Benicia über Jahre hinweg angewendet.

Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob die in den Unkrautvernichtungsmitteln Roundup und RangerPro enthaltene Chemikalie Glyphosat möglicherweise eine krebsauslösende Wirkung hat. Monsanto, das seit Juni zum Bayer-Konzern gehört, bestreitet eine solche Wirkung seines Produkts.

Monsanto kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Die Produkte hätten "eine 40-jährige Geschichte der sichere Anwendung" und seien weiterhin ein "wichtiges, wirksames und sicheres Mittel", erklärte das Unternehmen. Die Geschworenen hätten "eine falsche Entscheidung getroffen", sagte Monsanto-Vizepräsident Scott Partridge. Monsanto empfinde zwar Mitgefühl für Johnson und seine Familie. Das Urteil ändere aber "nicht die wissenschaftlichen Befunde", die Glyphosat als harmlos beurteilten.

Auch Bayer kritisierte das Urteil. Ein Sprecher sagte am Samstag, es bestehe "kein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom", an dem Johnson leidet. Auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse, der Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit und der jahrzehntelangen praktischen Erfahrung mit dem Einsatz von Glyphosat sei Bayer überzeugt, "dass Glyphosat sicher und nicht krebserregend ist".

Unter Experten ist hochumstritten, ob Glyphosat tatsächlich Krebs verursachen kann. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht. Dagegen hatte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Dieser Befund hatte maßgeblichen Einfluss auf die Urteilsfindung in San Francisco. Klägeranwalt Brent Wisner sagte, das Urteil belege "die überwältigenden Beweise" für die Gesundheitsrisiken durch Glyphosat. Das Urteil sei nur "die Spitze des Eisbergs" - in Zukunft würden noch viele derartige Urteile fallen.

In den USA machen tausende Krebskranke Monsanto für ihr Leiden verantwortlich. Ein Bundesrichter in San Francisco hatte im vergangenen Monat mehr als 400 weitere Klagen wegen der möglichen krebsauslösenden Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels zugelassen. Für diese Verfahren könnte das Urteil vom Freitag Signalwirkung haben.

Kläger Johnson nahm das Urteil mit Tränen und Erleichterung auf. "Hier geht es nicht nur um mich", sagte er. "Diese Sache wird nun hoffentlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient."

Der Umweltanwalt Robert F. Kennedy Jr., der zu Johnsons Anwaltsteam gehört, sagte: "Die Geschworenen haben der Chefetage von Monsanto eine Botschaft gesandt, dass die Geschäfte nun geändert werden müssen." Der Konzern habe lange versucht, die kritischen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu unterdrücken - "doch die Wissenschaft war viel überzeugender", sagte Kennedy.

SPÖ-Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner forderte ein Glyphosat-Verbot in Österreich. "Die Regierung spielt mit der Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher", sagte die ehemalige Gesundheitsministerin."Es ist beschämend, dass die Regierung trotz solcher Entwicklungen keine klare Haltung zu einem Glyphosat-Verbot hat." Die Regierung soll sich für ein Anwendungsverbot für alle biologisch nicht abbaubaren Pestizide einsetzen.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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