US-Banken und Steuerreform: Vor der Party kommen die Abschreibungen

Washington (APA/dpa) - Die Banken und Donald Trump - das schien von Anfang an zu passen. Die Wahl des Immobilien-Moguls zum US-Präsidenten ließ die Aktien der Geldhäuser kräftig steigen, Trump scharte Größen der Wall Street um sich und kündigte an, die Regeln an den Finanzmärkten zu lockern. Die große Hoffnung der Branche war aber von Anfang an eine massive Steuersenkung.

Die ist nun da - bei Goldman Sachs und Co sollten also eigentlich die Korken knallen. Stattdessen warnen die Finanzriesen vor Milliardenlasten. Wie passt das zusammen?

Auch wenn die Banken - wie die meisten US-Unternehmen - auf längere Sicht profitieren dürften, belasten die neuen Steuergesetze zunächst die Bilanzen. So warnte Goldman vor schwachen Zahlen im Schlussquartal, weil eine Sonderlast von rund 5 Mrd. Dollar (4,2 Mrd. Euro) wegen der Steuerreform verbucht werden müsse.

Die Citigroup stellte gar eine Abschreibung von 20 Mrd. Dollar in Aussicht. Die größte US-Bank JPMorgan Chase, die am Freitag den Zahlenreigen eröffnet, rechnet mit rund 2 Mrd. Dollar.

Experten bleiben jedoch gelassen mit Blick auf die Zumutungen, vor denen Banken und andere Finanzkonzerne wie der Kreditkarten-Gigant American Express warnen. "Anleger sollten sich einfach nur auf das Kerngeschäft konzentrieren", rät Ken Leon vom New Yorker Analysehaus CFRA. Bei den Abschreibungen handelt es sich um buchhalterische Einmaleffekte, die das Geschäft nicht direkt beeinflussen und nicht zahlungswirksam sind. Börsianer interessieren sich in der Regel viel mehr für Zahlen, die um solche Sonderfaktoren bereinigt sind.

Und auf längere Sicht müsse sich sowieso niemand Sorgen machen, meint Leon: "Wir werden 2018 blendende Ergebnisse sehen." Zudem würden die Banken durch die Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent ohnehin massiv profitieren. Für Aktionäre zähle letztlich nur, was die Gesetzesreform für die künftigen Renditen bedeute - und hier gebe es allen Grund zum Optimismus. An der Börse ließ man sich von den Gewinnwarnungen bisher denn auch nicht aus der Ruhe bringen - die Aktien der US-Banken reagierten kaum.

Wie kommen die enormen Abschreibungen zustande? Zum einen können Banken US-Steuern nicht mehr so stark durch frühere Verluste - etwa aus der Finanzkrise - drücken. Das trifft die Citigroup sehr stark, aber auch Konkurrenten wie die Bank of America, Barclays, Credit Suisse oder die Deutsche Bank. Deutschlands größtes Geldhaus rechnet mit einer Abschreibung von 1,5 Mrd. Euro.

Zum anderen werden Gewinne, die bisher im Ausland geparkt und so dem US-Fiskus entzogen wurden, mit einer einmaligen Sondersteuer zwischen 8 und 15,5 Prozent belegt. Das dürfte Goldman und JPMorgan die Bilanzen verhageln.

Letztlich fallen aber auch die Abgaben auf außerhalb der USA gebunkertes Vermögen nicht so stark ins Gewicht. Unternehmen verbuchen zwar einmal im Voraus hohe Abschreibungen, können die Beträge dann jedoch bis 2025 in bis zu acht Raten abbezahlen.

Fest steht indes: Die Quartalszahlen werden diesmal deutlich unübersichtlicher ausfallen als sonst. Denn die Steuerreform lädt zu allen möglichen Bilanzkniffen ein. So könnten Banken beispielsweise die Gelegenheit nutzen, auf den letzten Drücker Ausgaben geltend zu machen, die 2017 noch zu einem höheren Steuersatz abgeschrieben werden können.

Frankfurt (APA/Reuters) - Börsianer dürften in der neuen Woche bange Blicke nach Frankfurt werfen. Dort entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag über ihren weiteren geldpolitischen Kurs und hat damit auch das Wohl und Wehe des Aktienmarktes in der Hand. Erwartungen, dass die Zentralbank bald die Zinsen erhöht, hatten den Euro zuletzt auf ein Drei-Jahres-Hoch getrieben und den Dax zeitweise ausgebremst.
 

Newsticker

EZB-Chef Draghi hält die Anleger in Atem

Bochum/Essen (APA/Reuters) - Thyssenkrupp-Gegner und -Befürworter haben sich anlässlich der Haufversammlung von Thyssenkrupp wegen der Zerschlagung des Mischkonzerns nichts geschenkt. Wie erwartet gab es scharfe Kritik von Investoren am Kurs von Vorstandschef Heinrich Hiesinger, der kein Freund einer Aufspaltung ist.
 

Newsticker

Heftiger Schlagabtausch der Investoren auf Thyssen-HV

München (APA/Reuters) - Nach Schätzungen von Versicherungsmathematikern kommen auf die Assekuranz nach dem Orkan "Friederike" in Deutschland Zahlungen von rund 800 Mio. Euro zu. Das ergebe sich aus dem Modell, mit dem die Kölner Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) die Kosten von Stürmen in Deutschland berechnet, erklärte Versicherungsmathematiker Onnen Siems am Freitag.
 

Newsticker

"Friederike" verursacht 800 Millionen Euro Schaden