Unverständnis und Wut: Siemens-Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft

München (APA/dpa) - Es ist Tag eins nach der Hiobsbotschaft. Die Siemens-Mitarbeiter in Leipzig und Görlitz wissen seit weniger als 24 Stunden, dass ihre Werke mit zusammen 920 Arbeitsplätzen geschlossen werden sollen. Und in Erfurt steht das Generatorenwerk auf der Kippe. Doch statt resignierter Katerstimmung herrscht vor allem Wut.

Als Siemens die Beschäftigten am Freitag per Videoschaltung über die drastischen Sparpläne informiert, kommt es zu Protesten. In Erfurt verlassen rund 500 Mitarbeiter aufgebracht die Versammlung. In Görlitz muss das Treffen kurzzeitig unterbrochen werden, weil die Mitarbeiter spontan ihrem Ärger Luft machen. Hunderte Menschen versammeln sich für wenige Minuten vor dem Werkstor und trommeln und trillern. Wut auch in Berlin: Rund 1.300 Beschäftigte protestieren auf dem Firmengelände gegen die Pläne des Konzerns. In der Hauptstadt will der Konzern 870 Arbeitsplätze streichen.

Die Wut über die geplante Schließung des Werks in Görlitz sei "nicht mehr messbar", sagt Betriebsratsvorsitzender Ronny Zieschank. Ein Zitat von Unternehmensgründer Werner von Siemens macht hier die Runde: "Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht."

Doch genau so kommt bei Vielen an, was Siemens jetzt plant. Weltweit will der Elektro-Riese 6.900 Stellen streichen - davon gut die Hälfte in Deutschland. Auch 200 Jobs in Wien sind betroffen. Dabei schreibt das Unternehmen satte Gewinne.

Eines der Sorgenkinder ist allerdings die seit Jahren schwächelnde Kraftwerkssparte Power & Gas. Für große Turbinen finden sich laut Siemens nur noch schwer Abnehmer. Das sorgt für Preisverfall und Überkapazitäten. Am schlimmsten treffen die Sparpläne nun den Osten Deutschlands.

Die Beauftragte der deutschen Bundesregierung für die Neuen Länder, Iris Gleicke, betont: "Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen wären für Ostdeutschland verheerend." Siemens müsse seiner sozialen Verantwortung nachkommen. "Ich erwarte, dass Siemens gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen einen fairen Interessenausgleich mit den betroffenen Standorten und Arbeitnehmervertretungen vereinbart."

Ein Ingenieur macht am Werkseingang in Leipzig seinem Ärger Luft: "Ich habe den Eindruck, dass Siemens mit aller Kraft versucht, seine riesengroßen West-Standorte zu halten." Dafür opfere der Konzern Arbeitsplätze im Osten. Hier in Leipzig werden hauptsächlich Kompressoren entwickelt und produziert. Und die kommen längst nicht nur in Kraftwerken zum Einsatz, sondern auch beispielsweise in Klärwerken oder Autofabriken. "Wir sind auf zwei Jahre ausgebucht", sagt der Ingenieur, der seinen Namen nicht nennen will. Die Schließung sei völlig unverständlich.

In der stark wachsenden Stadt Leipzig gibt es immerhin große Arbeitgeber, bei denen die Noch-Siemens-Mitarbeiter wohl unterkommen könnten. Da ist BMW, da ist Porsche, da ist Amazon. Und über die Branchen hinweg herrscht Fachkräftemangel. In Görlitz sieht die Sache anders aus. Schon jetzt liegt die Arbeitslosigkeit in der Stadt bei mehr als 13 Prozent. Viele Arbeitsplätze in der regionalen Zulieferindustrie hängen an Siemens. Noch dazu steht das Görlitzer Werk des Zugbauers Bombardier auf der Kippe.

"Es besteht die Gefahr, dass die Siemens-Fachkräfte abwandern und dass die Region noch mehr ausblutet", sagt dazu der Präsident des sächsischen Mittelstandsverbands (BVMW), Jochen Leonhardt. Es brauche eine "konzertierte Aktion", um die Menschen nach den Werksschließungen in regionalen Betrieben unterzubringen.

Noch will die IG Metall allerdings nicht aufgeben. Für das Leipziger Werk solle mit Hilfe einer externen Unternehmensberatung ein Zukunftskonzept erarbeitet werden, sagt Gewerkschaftssekretär Steffen Reißig von der IG Metall. "Die Schließung ist eine unternehmerisch falsche Entscheidung." Das werde auf Dauer auch die Siemens-Führung verstehen. Jetzt werde die Belegschaft erst einmal hoch professionell weiterarbeiten. Nicht aus Solidarität zu Siemens, sondern zu den Kunden.

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

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Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

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Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne