Uniprofessor kritisiert Verbund: "Klimaneutrales Gas" gibt es nicht

Wien - Ein Wiener Universitätsprofessor und Gerichtssachverständiger kritisiert den börsennotierten Verbund wegen seiner Werbeaussage zu "klimaneutralem Gas". Diese Wortschöpfung sei eine "naturwissenschaftliche Unmöglichkeit", denn beim Verbrennen von Erdgas werde CO2 ausgestoßen, was zur Erhöhung der Temperatur der Erdatmosphäre beitrage.

Christoph Mandl sieht darin eine Täuschung nach Strafgesetzbuch (StGB) und hat deswegen sogar eine Anzeige gegen Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber eingebracht. Der Techniker stößt sich auch daran, dass der Verbund den "Unsinn" mit einem Zertifikat des deutschen TÜV Nord untermauere, der den Konzern berechtige, das Prüfzeichen "klimaneutrale Gasverbrennung" für Werbezwecke zu nutzen, wie er Anzengruber und zugleich auch Medienvertretern schrieb.

Für den Verbund entbehrt eine Strafanzeige jeder Grundlage, so eine Sprecherin am Dienstag auf APA-Anfrage. In den Werbemitteln und auf der Homepage erkläre das Unternehmen "leicht verständlich und in transparenter Weise", was "Klimaneutralität" bedeute: "Durch die Verwendung von Gas entstehen CO2-Emissionen. Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen diese Emissionen an einem anderen Ort wieder eingespart werden." Der Verbund schaffe den "CO2-Ausgleich für das Verbund-plusGas durch die Investition in saubere Energiegewinnung." Auf der Homepage wird als Beispiel das Wasserkraftwerk Ashta in Albanien genannt.

Das Unternehmen, so Sprecherin Ingun Metelko, verwende sogenannte CER (Certified Emission Reductions). "Das sind Minderungszertifikate aus Clean-Development-Mechanism-Projekten, einer der drei vom Kyoto-Protokoll vorgesehenen Mechanismen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen."

Die Verwendung des Begriffs "klimaneutral" sei somit keine "Täuschung" - "schon gar nicht tatbestandsmäßig im strafrechtlichen Sinn", so Metelko.

Laut Mandl indes ist nicht einmal unverbranntes Erdgas klimaneutral. "Völlig verschwiegen und damit ebenfalls eine Täuschung ist die Tatsache, dass Erdgas auch dann Treibhausgas, und zwar Methan, emittiert, wenn es nicht verbrannt, sondern nur gefördert, transportiert und gelagert wird", heißt es in seiner Anzeige. "Das Treibhauspotenzial von 1 kg Methan ist, auf einen Zeitraum von 100 Jahren betrachtet, 28-mal höher als das von 1 kg Kohlenstoffdioxid."

Wer sich zu oft über Lärm aufregt, kann vor Gericht den kürzeren ziehen.

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