Umfrage bescheinigt Zeitarbeitern hohe Zufriedenheit mit ihrem Job

Wien (APA) - Die Zeitarbeit oder Leiharbeit hat in Österreich einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, findet der Verband der Personaldienstleister, in dem die meisten Zeitarbeitsfirmen zusammengeschlossen sind, und hat eine Umfrage machen lassen. Diese ergibt, dass Leiharbeiter mit ihrer Arbeit zumindest gleich zufrieden sind wie die Durchschnittsösterreicher, sagt Herbert Kling, Geschäftsführer von meinungsraum.at.

Markus Archan, Präsident der Branchenvertretung Österreichs Personaldienstleister (OePDL), verweist darauf, dass Arbeiter beim Zeitarbeiter-KV mit fast 1.600 Brutto einsteigen und damit deutlich über dem angestrebten Mindestentgelt von 1.500 Euro. Bei kaufmännischen Angestellten liege das Anfangsgehalt bei etwa 1.800 Euro. Wer in einen besser bezahlten Job vermittelt wird, bekommt automatisch die entsprechend höhere Entlohnung. Außerdem habe die Branche einen eigenen Weiterbildungsfonds. "Wir machen Helfer zu Facharbeitern", sagte Archan im Gespräch mit der APA.

100.000 Menschen arbeiten in Österreich bei Zeitarbeitsfirmen, die 90 Mitglieder des OePDL decken etwa 70 Prozent von ihnen ab. Die Fluktuation ist groß, Menschen bleiben im Schnitt nur sechs Monate bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, etwa 30 Prozent schaffen den Sprung in die Stammmannschaft einer Firma. Archan, der selber bei Hofmann Personal im Management arbeitet, sieht seine Branche als eine sehr effiziente Ergänzung zum Arbeitsmarktservice (AMS). "Wir haben mehr Möglichkeiten, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern", sagt er. "Wir können viel mehr Recruiting-Kanäle ansprechen", also auch Menschen motivieren, die sich nicht beim AMS melden. Für ihre Arbeit lassen sich die Personaldienstleister einen Aufschlag von 10 bis 20 Prozent auf den Lohn des Zeitarbeiters zahlen, teilweise auch mehr oder weniger.

"Mit Vorsicht unterschreiben" würde Archan die Aussage, dass für jeden Arbeitswilligen ein Job gefunden werden könne. Mindestvoraussetzung seien Deutsch-Grundkenntnisse und ein "gutes Erscheinungsbild". Allerdings die Vorstellung, nur Montags bis Freitags von 9 bis 17 Uhr zu arbeiten sei fehl am Platz. Die Bereitschaft zu Schichtarbeit oder zum Pendeln sollte schon gegeben sein.

Und der Arbeitswille sei zunehmend ein Problem, räumt Archan auf Nachfrage ein. Natürlich gebe es genug arbeitswillige Menschen. Aber "die Einstellung zum Job hat sich geändert". Einerseits seien die Sozialleistungen oft "demotivierend hoch", nur wegen ein oder zwei hundert Euro mehr würden Menschen nicht arbeiten wollen. Aber andererseits trete der Job zunehmend in den Hintergrund, Freunde seien wichtiger als die Arbeit. Es entstehe eine "egozentrierte Gesellschaft, dass man arbeiten muss, bringen die Jungen zum Teil nicht mehr mit".

Außerdem wollen Menschen gerade mit guten Qualifikationen nur mehr dann arbeiten, wenn sie es selber wollen. "Die Menschen sind viel mündiger, sie lassen sich nichts vorschreiben." Oft wollen junge Menschen nur 30 Stunden arbeiten, haben eine Erbschaft gemacht oder werden weiter vom Elternhaus unterstützt, bis hin zum Wäsche waschen lassen. "Der Leistungswille ist geringer, man versteht nicht ganz, warum man sein Leben für den Job aufgeben muss", so Archan. Nicht selten bekomme ein Arbeitgeber die Ansage: "Ich will heute nicht." Dementsprechend müssen Unternehmen, vor allem auf der Suche nach jungen, gut qualifizierten Mitarbeitern "ihre Anforderungen nach unten formulieren".

Um dem negativen Image der Zeitarbeiter nachzugehen, haben die Personaldienstleister bei meinungsraum.at eine Studie in Auftrag gegeben, die im Juni 2018 gut 500 Zeitarbeiter und 500 andere Arbeitnehmer über ihre Arbeitszufriedenheit befragt hat. Demnach sind Zeitarbeiter im Großteil der abgefragten Punkte geringfügig bis signifikant zufriedener als die Durchschnittsösterreicher. Selbst bei ihrer sozialen Position oder ihren Rechten gegenüber dem Arbeitgeber fühlen sich demnach Zeitarbeiter besser behandelt, auch den Führungsstil der Chefs beurteilen sie besser. Gerade einmal bei der Weiterbildung sehen sie sich leicht im Nachteil. Auch nehmen sie ein höheres Unfallrisiko wahr.

Besonders groß ist der Zufriedenheitsvorsprung der Zeitarbeiter unter den Pflichtschulabsolventen. Das sei ein "Index für Dankbarkeit", sagt Kling dazu. Denn diese Menschen seien besonders dankbar, dass sie wieder eine bezahlte Arbeit haben.

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