Ukraine - Österreichischer Protagonist in russischem Propagandafilm

Moskau/Wien - Von bösen Ukrainern, die Menschenrechte ignorieren und Kriegsverbrechen verüben, erzählt der TV-Spielfilm "Kriegskorrespondent", den der russische Fernsehsender NTW Sonntagabend ausstrahlte. Der junge Wiener Schauspieler Wolfgang Cerny spielt die Hauptrolle: Als US-Journalist wird er dabei zum Opfer westlicher Medienzensur und kann seine "Wahrheiten" letztlich nur noch im Internet veröffentlichen.

Die Handlung des TV-Spielfilms basiert auf den Abenteuern von Graham Philipps, eines britischen Bloggers und Russia-Today-Mitarbeiters, der sich durch eine Nähe zu pro-russischen Aufständischen sowie eine sehr einseitige Berichterstattung aus dem ostukrainischen Kriegsgebiet auszeichnet. Philipps war im Juli von ukrainischen Behörden zur Persona non grata erklärt und des Landes verwiesen worden. Kurze Zeit später reiste er jedoch über Russland erneut in die "Donezker Volksrepublik" ein und veröffentlicht weiterhin Videos aus dem umkämpften Gebiet.

In dem TV-Film ergeht es dem von Wolfgang Cerny gespielten US-amerikanischen Kriegskorrespondenten Matt McCue ähnlich wie dem Vorbild Philipps - auch was Übertreibungen betrifft. Gleich in der ersten Szene berichtet McCue in einem Live-Einstieg beim US-Sender WOX von 400 Toten im Gewerkschaftshaus in Odessa. In der historischen Wirklichkeit waren hier nach offiziellen Angaben Anfang Mai 48 Menschen zu Tode gekommen.

Für seine angeblich wahren Berichte, die sein amerikanischer TV-Sender aus Zensurüberlegungen jedoch nicht mehr ausstrahlen will, wird der fiktive Matt McCue kurz danach vom ukrainischen Geheimdienst entführt, wochenlang eingesperrt und schließlich ausgewiesen.

Anschließend taucht McCue jedoch im Süden Russlands auf. Hier wird er Zeuge, wie ukrainische Truppen ein Flüchtlingslager auf russischem Territorium beschießen, er sieht wie als Unmenschen dargestellte Ukrainer Gefangene foltern, mit schweren Waffen auf Zivilisten feuern und mit Phosphorbomben Kriegsverbrechen begehen. Schließlich findet der Journalist heraus, dass Flug MH17 im Juli nicht von pro-russischen Separatisten, sondern von ukrainischen Freiwilligenverbänden abgeschossen wurde.

Zwischenzeitlich wird er mit Zustimmung eines amerikanischen Diplomaten vom ukrainischen Geheimdienst gefoltert.

Im medialen Mainstream gibt es für seine Enthüllungen jedoch keinen Platz mehr, auch ein arabischer Fernsehsender möchte nicht mehr mit McCue zusammenarbeiten, und dem amerikanischen Journalisten bleibt nur noch die Veröffentlichung im Internet.

"Kriegskorrespondent" arbeitet zentrale Sujets der russischen Ukraine-Propaganda ab, der österreichische Schauspieler selbst artikuliert in seiner Rolle über weite Strecken die Positionierungen der russischen Führung. Das betrifft sowohl die Betonung von Verbrechen der ukrainischen Seite, als auch den im Film artikulierten Vorwurf, dass internationale Medien ihre Berichterstattung zugunsten der Ukraine zensurieren. "Selbst westliche Experten sprechen davon, dass westliche Massenmedien in Bezug auf die Ukraine eine parallele Realität schaffen", hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Anfang Dezember 2014 kritisiert.

Er sei sich sicher, hatte Darsteller Wolfgang Cerny im Vorfeld auf Facebook geschrieben, dass "Kriegskorrespondent" polarisieren werde. Seine Agentin Daniela Fruhmann erklärte auf APA-Anfrage, dass der Schauspieler zu politischen Themen keine Statements abgebe.

Hinter der Spielfilmproduktion und insbesondere auch der sonntäglichen Primetime-Ausstrahlung von "Kriegskorrespondent" lassen sich jedenfalls propagandistische Motive vermuten. "In diesem Jahr haben sich die landesweit ausstrahlenden Fernsehsender aus Massenmedien in Kriegsmittel verwandelt", hatte die TV-Kritikerin Irina Petrowskaja dieser Tage im liberalen Fernsehsender Doschd erklärt.

NTW legte am Sonntag nach dem Film jedenfalls noch deutlich nach: Es folgte die Ausstrahlung einer Sendung über aktuelle CIA-Aktivitäten in Estland. Gegen Russland gerichtete Operationen seien jedoch, so die gute Nachricht, von einem geschickten russischen Doppelagenten im estnischen Geheimdienst vereitelt worden.

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