Telekom-Prozess: Kursmanipulation als Kampf "David gegen Goliath"

Mit heutigem Tag wurde der Telekom-Prozess wieder neu aufgerollt. Es geht um Kursmanipulation, infolge dessen Telekom-Manager einen Bonus ausbezahlt bekommen haben. Der Prozess startet mit der Einvernahme der vier Angeklagten. Ex-Telekom-Finanzchef Colombo meinte am ersten Verhandlungstag zu bestellten Gutachten: "Das erste Wort, das ich in Österreich gehört habe, war Gutachten". Ex-Festnetzchef Fischer meinte, man hätte den Aufsichtsratspräsidenten Michaelis anzeigen müssen. Roadshows bezeichnete er als "Bestechung". Ein Angeklagter bekannte sich als teilschuldig.

Wien. Warum haben Topmanager der Telekom Austria angebliche feindliche Attacken auf den Aktienkurs des Unternehmens nicht umgehend der Finanzmarktaufsicht und dem Aufsichtsrat mitgeteilt, sondern auf eigene Faust bekämpft? Und warum wurde Geld an der Buchhaltung vorbei im Papiersackerl am Wiener Naschmarkt übergeben? Damit befasst sich einmal mehr das Wiener Straflandesgericht.

Hintergrund ist ein Kurssprung der Telekom-Aktie nach oben im Jahr 2004, der knapp hundert Managern der Telekom Bonizahlungen von fast zehn Millionen Euro beschert hat. Dass der nötige Aktienkurs für die Ausschüttung der Boni Minuten vor Ende des Beobachtungszeitraumes gerade noch erreicht wurde, sorgte damals für kräftiges Rauschen im Blätterwald und führte schlussendlich zu einer Untreue-Anklage im Jahr 2013. Vier Angeklagte wurden schuldig gesprochen, den Kurs nach oben getrieben und damit die Telekom als Auszahler der Prämien geschädigt zu haben. Sie bekamen teils mehrjährige Haftstrafen - die im Vorjahr vom Obersten Gerichtshof teilweise aufgehoben wurden.

Seit heute, Dienstag, wird neu verhandelt. Detail am Rande: Beim Telekom-Prozess 2013 war der jetzige Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) noch Strafverteidiger des nunmehr Erstangeklagten.

Die Vier - der Erstangeklagte Ex-Festnetzvorstand Rudolf Fischer sowie Ex-Finanzvorstand Stefano Colombo, der ehemalige Telekom-Prokurist Josef Trimmel und der Broker Johann Wanovits - verteidigten sich heute vor Richter Wolfgang Etl damit, dass in der Woche vor dem Aktienstichtag der Kurs durch eine feindliche Aktion über die Deutsche Bank nach unten gedrückt worden sei. Dies habe man lediglich "korrigieren" wollen. Es sei ein Kampf "David gegen Goliath" gewesen, so einer der Strafverteidiger.

Broker Wanovits soll den Kurs in allerletzter Minute vor Verstreichen der entscheidenden Boniregelung nach oben getrieben haben und dafür am Wiener Naschmarkt von Telekom-Managern mehrere hunderttausend Euro im Papiersackerl entgegengenommen haben. Die Überreicher soll er damals aufgefordert haben, auch mal zuzugreifen - wodurch diese "mitgegangen, mitgefangen" waren.

Nach Meinung der Strafverteidiger wären die Boni so oder so ausgezahlt worden, da sonst die Manager demotiviert gewesen wären und viele das Unternehmen verlassen hätten. Das veranlasste Etl zu der Bemerkung, dass die Mitarbeiter, die nicht am Prämienprogramm beteiligt waren - 13.900 von insgesamt 14.000 Telekom-Beschäftigten - ja auch ohne Aussicht auf Boni ihren Job gemacht hätten. Beim Erstangeklagten Fischer machte der Bonus damals rund 196.000 Euro aus.

Laut Angeklagten hätte man sich zur Kurskorrektur an Wanovits gewendet, unter der Auflage dass dieser auf eigenes Risiko und auf eigene Rechnung Aktien zukauft und so den Kurs "pflegt". Warum dann Wanovits ein "Go" von Colombo für den Zukauf brauchte (O-Ton Etl: "Wenn ich mir Aktien kaufe brauche ich ja auch nicht die Zustimmung des Vorstandes"), konnte der ehemalige Telekom-Finanzchef nicht beantworten. Warum dann obendrein noch ein Gutachten angefordert wurde, ob die Boni denn ob der eigenartigen Optik und möglicher Rechtsfolgen sofort ausgezahlt werden dürfen, beantwortete der Italiener Colombo dann so: "Das erste Wort, das ich in Österreich gehört habe, war 'Gutachten'."

Fischer wiederum ließ in seiner Befragung damit aufhorchen, dass er Roadshows - also Werbetouren börsenotierter Unternehmen zu internationalen Investoren - für "eine Art Bestechung"hält, dabei würden sie aber nichts bringen. "Man hat damit keinen Erfolg", so Fischer. Dieser ließ nebenbei kein gutes Haar am damaligen Telekom-Aufsichtsratschef Peter Michaelis. Michaelis habe mit unbedarften Aussagen den Kurs der Telekom nach unten gedrückt. "Eigentlich hätten wir ihn bei der Finanzmarktaufsicht anzeigen müssen", so Fischer.

Lediglich der Drittangeklagte, Trimmel, bekannte sich heute teilschuldig, alle anderen ließen durch ihre Anwälte die Anschuldigungen zurückweisen.

Wanovits, der nach eigenen Angaben von 600 Euro im Monat lebt und 700.000 Euro Schulden hat, sich aber eine renommierte PR-Agentur für den Prozess leistet, bestätigte im ersten Prozess die Übergabe im Sackerl, bestreitet aber strafrechtliche Verwicklungen. Laut Verteidiger habe er als "David" den "Goliath" Deutsche Bank angegriffen, als über die Deutschen der Kurs der Telekom angegriffen worden sei. Weder die Finanzmarktaufsicht noch die Staatsanwaltschaft seien aber jemals dieser Causa nachgegangen, bedauert die Rechtsvertretung.

Im ersten Verfahren, dessen Urteil vom Obersten Gerichtshof (OGH) aufgehoben wurde, erhielten die Beschuldigten langjährige Haftstrafen. Der OGH will nun noch einmal durch ein Neuaufrollen des Verfahrens prüfen, ob nicht Betrug statt der ursprünglich verurteilten Untreue vorliegt. Oder überhaupt Freisprüche gerechtfertigt wären.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, neben den Aussagen von Trimmel und Wanovits werden in weiterer Folge noch einige Zeugenauftritte erwartet, unter anderem jener von Michaelis und der des damaligen Telekom-Chefs Heinz Sundt. Dieser war im Telekom-Prozess im Jahr 2013 noch Angeklagter, wurde aber dort rechtskräftig freigesprochen.

Linz (APA) - Die Österreicher überraschen zu Weihnachten im Durchschnitt sechs Personen mit Geschenken. 43 Prozent bereiten die Weihnachtseinkäufe Spaß, 27 Prozent empfinden sie eher als Belastung, der Rest ist unentschieden. Frauen und jüngeren Personen macht das Christmas-Shopping im Vergleich zu Männern und älteren Personen eher Freude. Das ergab eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes IMAS.
 

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Österreicher beschenken im Durchschnitt zu Weihnachten sechs Personen

Pfullendorf (APA/dpa) - Der insolvente deutsche Küchenbauer Alno stellt den Betrieb endgültig ein. Auch der letzte potenzielle Investor habe am Ende kein Kaufangebot abgegeben, teilte das Unternehmen am Freitag in Pfullendorf mit. Damit sei der Verkaufsprozess ohne Ergebnis beendet. Das verbleibende Vermögen werde, so weit möglich, in den kommenden Monaten verkauft.
 

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Endgültiges Aus für insolventen Küchenbauer Alno

Addis Abeba (APA/dpa) - Eine Raupenplage macht Experten zufolge fast allen Mais anbauenden Ländern in Afrika zu schaffen. Inzwischen sei der Herbst-Heerwurm (Spodoptera frugiperda) in 38 Ländern auf dem Kontinent zu finden, sagte Jean-Baptiste Bahama von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in Addis Abeba.
 

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Raupen drohen in Afrika enorme Mengen Mais zu vernichten