Studie: Globalisierung lässt vor allem Industrieländer profitieren

Gütersloh (APA/AFP) - Die internationale Verflechtung der Wirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem den Industrieländern deutliche Wohlstandsgewinne beschert. So habe sich in Deutschland das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zwischen 1990 und 2016 in Folge einer voranschreitenden Globalisierung jährlich um rund 1.150 Euro erhöht, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Freitag mit.

Insgesamt hätten sich die BIP-Zuwächse pro Kopf für diesen Zeitraum auf rund 30.000 Euro summiert. "Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart de Geus. "Protektionismus ist der falsche Weg."

Der Globalisierungsreport, der alle zwei Jahre von der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wird, untersucht für 42 Industrie- und Schwellenländer, wie sehr sie international verflochten sind und wie stark dies die nationalen Volkswirtschaften wachsen lässt.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass grundsätzlich alle untersuchten Länder profitieren - die Industrieländer aber viel stärker als die großen Schwellenländer. Hier war der Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens durch die Globalisierung am geringsten, wie es in der Studie heißt. Deutschland gehört laut der Untersuchung zu den zehn Ländern, die am stärksten von der zunehmenden Globalisierung profitieren und landet auf dem sechsten Platz.

Am stärksten profitieren die Schweizer: Das reale BIP pro Einwohner sei dort globalisierungsbedingt zwischen 1990 und 2016 um rund 1.900 Euro pro Jahr gewachsen, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. Beim Schlusslicht Indien stieg es hingegen nur um durchschnittlich 20 Euro pro Jahr. Auch China (80 Euro pro Jahr) und Mexiko (120 Euro pro Jahr) verzeichnen nur unterdurchschnittliche absolute Zuwächse.

Grund für diese niedrigen Raten in den Schwellenländern ist den Studienautoren zufolge allerdings vor allem das geringe Ausgangsniveau des BIP pro Kopf zum Startpunkt der Messung - diese Nationen schneiden bei den absoluten Zuwächsen also insgesamt schlechter ab als Industrieländer.

Als eine der größten Baustellen der Globalisierung gilt aus Sicht der Bertelsmann-Stiftung die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne zwischen Industrie- und Schwellenländern und innerhalb einzelner Staaten. Hier sei es nötig, eine internationale Wirtschaftsordnung zu fördern, "die nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern auf gemeinsame, verbindliche Regeln und Standards setzt", forderte Cora Jungbluth, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung. Nur so ließen sich Globalisierungsgewinne möglichst breit verteilen.

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