Studie: Frühere Austro-Lohnpolitik könnte Deutschland Vorbild sein

Wien/Düsseldorf (APA) - Deutschland sollte nach Meinung von Forschern der Hans-Böckler-Stiftung bei den Arbeitskosten noch einige Jahre Aufholen. Die einseitige Orientierung an Außenhandel und Wettbewerbsfähigkeit seien unvereinbar mit Inflationszielen, wie eine heute, Montag, erschienene Studie der Stiftung zeigt. Die einstige Lohnpolitik Österreichs könnte in diesem Fall zum Vorbild für die Bundesrepublik werden.

Obwohl die Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland dank des wirtschaftlichen Booms in den letzten Jahren angezogen hat, entwickeln sich die Lohnstückkosten seit 1992 schwächer als in fast allen anderen EU-Mitgliedsstaaten. Das Inflationsziel der EZB (rund zwei Prozent pro Jahr) könne so nicht erreicht werden, so die Studie.

Die Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunktur (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat die Entwicklungen und Unterschiede der Arbeitskosten in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten untersucht. Mit Arbeitskosten von 34,60 Euro pro Stunde (dazu zählen neben dem Bruttolohn sie Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen für Aus- und Weiterbildungen und als Arbeitskosten geltende Steuern), liegt Deutschland auf Platz sechs im europäischen Vergleich.

Trotz eines stärkeren Anstiegs der Arbeitskosten in den vergangenen Jahren seien der Studie zufolge vor allem die Lohnstückkosten in Deutschland seit 1992 wesentlich schwächer gestiegen als in fast allen übrigen EU-Ländern. Deutschlands Entwicklung der Arbeitskosten sehen die Autoren damit als unvereinbar mit dem Inflationsziel der EZB. Eine langfristig "stabilitätskonforme" Wachstumsrate der Lohnstückkosten liege laut den Studienautoren bei rund zwei Prozent pro Jahr - was auch der EZB-Inflationszielrate entspricht- im langfristigen Durchschnitt seien die deutschen Lohnstückkosten seit 2000 aber nur um 1,1 Prozent pro Jahr gewachsen.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autoren eine makroökonomisch ausgerichtete Lohnpolitik, die sich an der Summe aus EZB-Zielinflation und dem Trend der Produktivitätszuwächse orientiert. Eine einseitige Orientierung auf Erfolge im Außenhandel sei hingegen aussichtslos, wie Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK, erklärt, da durch schwächere Binnennachfrage lediglich Wachstum und Beschäftigung verloren gingen.

Zum Vorbild nennen die Autoren Österreich, dessen Wirtschaftspolitik in den frühen 2000er-Jahren sich nicht allein auf die Senkung der Arbeitskosten konzentriert hätte und dementsprechend eine bessere wirtschaftliche Leistung als Deutschland erzielt hätte. Mit Arbeitskosten von 34,5 Euro pro Stunde liegt Österreich heuer gleich hinter Deutschland auf Platz sieben. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Arbeitskosten um rund 2,7 Prozent gestiegen.

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Der Streit zwischen der Ryanair-Tochter Laudamotion und der Gewerkschaft …