Studie - Standort Österreich ist nur Mittelmaß

Wien (APA) - Als Wirtschaftsstandort ist Österreich laut Beratungsfirma Deloitte bestenfalls Mittelmaß, dabei wären die Chancen für Veränderungen derzeit günstig. "Das makroökonomische Umfeld ist das beste seit der Finanzkrise, wir dürfen keine Zeit verlieren", mahnte Bernhard Gröhs, CEO und Partner von Deloitte Österreich, vor Journalisten in Wien umfassende Reformen ein.

Die Steuerquote sei zu hoch, die Regulierung bremse Unternehmer zu stark aus und die Bildung gehöre modernisiert. Weitere Hebel für ein attraktiveres Wirtschaften und die Sicherung von Jobs sind seiner Ansicht nach forcierte Forschung und Innovation sowie verstärkte Digitalisierung.

"Die nächsten zwölf Monate sind entscheidend - Ausreden gibt es keine mehr", meinte Gröhs. Andere Länder wie etwa die skandinavischen Länder entwickelten sich weitaus dynamischer. "Österreich muss sich unter den Top-5 in Europa wiederfinden", so der Deloitte-Österreich-Chef. Als Vorbilder nannte er die Schweiz, Schweden, Finnland, die Niederlande und Dänemark.

Weiters führte er Israel als "Aufsteiger" an, der sich aber noch nicht unter den Top-10 weltweit befände. Das Land sei "ein Spitzenstandort, was Digitalisierung und Innovation betrifft - Tel Aviv und seine Gründerzentren gelten als Silicon Valley - und Israel hat auch eines der besten Gesundheitssysteme". "Man hat Mut zum Fortschritt bewiesen und das brauchen wir in Österreich auch."

Über alle untersuchten Standortfaktoren hinweg liegt Österreich laut "Deloitte Radar 2018" bei insgesamt 3 von 5 Punkten. "Das ist zu wenig, weil wir die dynamische Entwicklung anderer Standorte sehen", betonte Gröhs. Das "größte Potenzial für Verbesserung" sehe er eindeutig auf der Kostenseite: Als Chance erachtet Deloitte das Ziel der Regierung, die Abgabenquote von aktuell knapp 43 Prozent auf 40 Prozent zu senken. Damit käme Österreich auf das Niveau von Deutschland, das - trotz niedrigerer Steuerquote - schon seit Jahren Budgetüberschüsse erziele. Hierzulande kämpft man - trotz hoher Steuern, niedriger Zinsen und guter Konjunktur - nach wie vor mit einem milliardenschweren Defizit.

Einen "kleineren Raum" für eine Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes böten Innovation und Digitalisierung. Angepackt werden müsse zudem das Problem mit dem massiv spürbaren Fachkräftemangel, der sehr stark mit dem Bildungsbereich zu tun habe. "Wir haben keine soziale Durchlässigkeit im Bildungssystem", konstatierte Deloitte-Österreich-Partnerin Gundi Wentner.

Bei der Bewertung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich durchleuchtete Deloitte insgesamt sieben ihrer Meinung nach wesentliche Faktoren. Bei den "Kosten" (Steuern und Abgaben) holt sich Österreich nur 1,5 von 5 möglichen Punkten - das ist eine Spur besser als im Jahr davor (1 Punkt). Die Lohnnebenkosten müssten dringend gesenkt und die Kalte Progression müsse abgeschafft werden. Betreffend der Verfügbarkeit von Arbeitskräften zeigt sich ein Verharren bei 2 von 5 Punkten.

Beim regulatorischen Umfeld gibt es 2,5 Punkte (2017: 2 Punkte). "Regulierung trifft immer die Kleinen und Mittleren", betonte Gröhs. "Wir dürfen kein 'Gold Plating' (Übererfüllen von EU-Vorschriften, Anm.) machen, dass wir noch eins draufsetzen und es noch schwieriger machen als es in anderen EU-Ländern ist." Als Negativbeispiel nannte er die misslungene Arbeitszeitflexibilisierung, "wo wir 2017 eine Blockade hatten und noch keine Lösung gefunden haben".

Für das politische und makroökonomische Umfeld erhält Österreich unverändert 3 von 5 Punkten, mit einem positiven Ausblick. Grund dafür sind das starke Wirtschaftswachstum von zuletzt 2,9 Prozent und "der kontinuierliche Rückgang bei der Arbeitslosigkeit". "Wir bauen aber mittlerweile auch eine gefährliche Sockelarbeitslosigkeit auf, mit der man sich näher beschäftigen muss", räumte der Deloitte-Chef ein.

Eine relativ gute Bewertung von 3,5 Punkten gibt es für den Faktor Unternehmensinfrastruktur, im Jahr davor gab es hier aber noch 4 Punkte. "Wir hoffen, dass bei der Breitbandinitiative etwas weitergeht", so Gröhs mit Blick auf die neue Wirtschaftsministerin und frühere A1-Chefin Margarete Schramböck (ÖVP). Wie schwierig ein Vorwärtskommen bei der Infrastruktur sei, zeigten etwa die Dritte Piste für den Flughafen Wien-Schwechat oder der Ausbau der 380-kV-Hochspannungsleitung, die vor allem auch für energieintensive Unternehmen essentiell ist.

Recht zufriedenstellend schneidet Österreich mit nach wie vor 4 Punkten im Bereich Digitalisierung, Innovation, Forschung und Technologie sowie mit 4,5 Punkten bei der Lebensqualität ab (2017: 5 Punkte). Die Forschung sei "in einer ausgezeichneten Verfassung", so Gröhs. "Die Innovationskraft ist hoch und auch bei der Forschungsquote liegen wir im Spitzenfeld in Europa - geschlagen nur von Schweden", sagte Deloitte-Österreich-Partnerin Barbara Edelmann. "Die Erhöhung der Forschungsprämie von 12 auf 14 Prozent ist zu begrüßen."

In puncto Lebensqualität braucht dem aktuellen "Deloitte Radar" zufolge verstärkte Anstrengungen in den Bereichen Einkommensverteilung und Arbeitsplätze, im Umweltschutz sowie bei der Stärkung des subjektiven Sicherheitsempfindens.

Wien (APA) - Die tschechische Sazka-Gruppe hat vom Bankhaus Schellhammer & Schattera Anteile an der Casinos Austria AG (CASAG) übernommen und ihre Beteiligung damit auf 38,29 Prozent aufgestockt. Der seit längerem bekannte Schritt sei formal abgeschlossen, teilte Sazka am Freitagnachmittag mit.
 

Newsticker

Sazka hält nun 38,29 Prozent an Casinos Austria

Wien (APA) - Der "Kurier" nennt Details zum Abschlussbericht der "Soko Meinl" zu den Ermittlungen im Anlageskandal rund um die Meinl European Land (MEL) des Bankers Julius Meinl. "Vorbehaltlich gutachterlicher Feststellungen beträgt dem Verdacht nach der Schaden am effektiven Vermögen der Aktionäre (...) 1,69 Milliarden Euro", heißt es im Abschlussbericht, so "kurier.at" Freitagabend.
 

Newsticker

Causa Meinl European Land - Anlegerschaden von 1,69 Mrd. Euro

London (APA/awp/sda) - Die Billigfluglinie Easyjet zeigt sich im Streit mit der Gewerkschaft SSP/VPOD gelassen. Man habe die Anliegen der Gewerkschaft zur Kenntnis genommen, teilte die Airline am Freitag als Reaktion auf ein Communiqué von deren Seite mit.
 

Newsticker

Easyjet in Streit mit Gewerkschaft gelassen