Stromimporte lassen Leitungen glühen - Aber keine Blackout-Gefahr

Wien - Die Stromimporte steigen heuer auf ein neues Rekordhoch. Bis 11. Dezember wurde mit 10,7 Terawattstunden (TWh) der Vorjahreswert bereits um rund 5 Prozent übertroffen. Mit Einfuhren wird laut einer Hochrechnung des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) rund ein Fünftel des heimischen Stromverbrauchs gedeckt. Im Zeitraum Jänner bis November betrug der Anteil schon fast 20 Prozent.

Die bisher höchste Importleistung gab es am 10. März 2014 um 11:30 Uhr mit rund 5,3 Gigawatt (GW), damals wurden fast zwei Drittel (60 Prozent) des Stromverbrauchs durch Einfuhren gedeckt. Grund für die steigenden Importe ist vor allem, dass Strom am deutschen Großhandelsmarkt - infolge der mit Förderung massiv ausgebauten Erneuerbaren - billiger ist als in Österreich und daher auch in unser Land drängt.

APG-Vorstandschefin Ulrike Baumgartner-Gabitzer erwartet noch einen weiteren Anstieg der seit 2011 kontinuierlich gekletterten Stromimporte und dann eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Es werde aber "nicht unendlich" hinaufgehen, sagte sie im APA-Gespräch, auch weil mit der heimischen Eigenerzeugung gegengehalten werde, etwa der Wasserkraft.

Die hohen Stromimporte und das verstärkte Auftreten von Leistungsspitzen vor allem durch volatile Windstrom-Erzeugung haben zu einem massiven Anstieg bei den zur Netzstabilisierung notwendigen Eingriffen geführt. Die Zahl der sogenannten Intra-Day-Stopps an den österreichischen Grenzen, mit denen der Handel eingeschränkt und damit der freie Markt behindert wird, hat sich verachtfacht.

Heuer wurden bis 3. Dezember bereits 128 solche Eingriffe getätigt. 2013 waren es im Gesamtjahr nur 83 und 2011 erst 15. Die APG habe die steigenden Netzeingriffe gut im Griff, betonte Baumgartner-Gabitzer. Eine Blackout-Gefahr sieht sie aktuell nicht. "Ich glaube nicht, dass wir in ein Blackout laufen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Alle uns bekannten Risiken versuchen wir auszuschalten."

Für stabile Netze und damit eine sichere Stromversorgung müssen Verbrauch und Erzeugung im Gleichgewicht sein. Da bereitet der APG als Regelzonenführer für das Höchstspannungsnetz Kopfzerbrechen, dass thermische Kraftwerke ohne langfristige Vorankündigung, wie sie in Deutschland Vorschrift ist, vom Netz gehen und den Betrieb einstellen können, falls sich dieser nicht mehr rechnet. "Wir wollen unter Einbindung des Regulators eine Regelung, die uns Rechtssicherheit gibt, nämlich eine gesetzliche Meldepflicht", so die APG-Chefin. Es gehe im Strombereich um Arbeit zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Das bedeute, dass übers Land verteilt mindestens drei große kalorische Standorte zur Verfügung sein müssten.

Die Netze müssten für die Versorgungssicherheit verstärkt ausgebaut werden, so Baumgartner-Gabitzer. "Daran führt kein Weg vorbei." Die APG investiert allein im kommenden Jahr rund 140 Mio. Euro, für Erneuerungen und Sanierungen und auch Umspannwerke. Diese Größenordnung erwartet die APG-Chefin auch für die nächsten Jahre. Bis zum Jahr 2024 sei ein Investitionsvolumen von rund 2 Mrd. Euro vorgesehen.

Die geplante Salzburg-Leitung, mit der der 380-kV-Ring in Österreich geschlossen wird, bedeute einen weiteren Kostenaufwand von 650 Mio. Euro, wodurch die Investitionen in den kommenden Jahren im Schnitt ansteigen würden. Der Genehmigungsbescheid aus der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) könnte Ende des ersten Quartals 2015 erfolgen, der Baubeginn nach dem Instanzenzug dann im Jahr 2018.

Die Einführung der "intelligenten Stromzähler" (Smart Meters) sei für die Netzstabilität grundsätzlich positiv, obwohl sie eher ein Thema der Verteilnetze seien. Das sei auch bei Photovoltaik der Fall, während den Windstrom stärker die Übertragungsnetze, also die APG, zu spüren bekämen. Zudem gehe man davon aus, dass die installierte Windkraft in Österreich verdoppelt wird.

Angesichts der steigenden Volatilitäten versuche die APG auch, die Ausgleichsmaßnahmen möglichst kostengünstig zu optimieren. Natürlich würden die Re-Dispatch-Kosten steigen, "ganz klar, weil die Volatilität steigt". Aber man versuche, diese Kosten zu minimieren und bei der Regelenergie mehr Wettbewerb zu haben.

Die APG ist eine 100-Prozent-Tochter des Verbund, aber seit längerem vollständig "unbundled". Sie ist als Betreiberin des Übertragungsnetzes und Regelzonenführerin der Ostregion für die Netzstabilität verantwortlich. Das APG-Leitungsnetz ist 6.777 Kilometer lang. Transportiert wurden im Vorjahr darüber etwas mehr als 43.000 Gigawattstunden (GWh). Der Umsatz betrug 574 Mio. Euro. Beschäftigt sind bei der APG aktuell rund 490 Mitarbeiter.

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