Streit um Karl-Marx-Statue in Trier dauert kurz vor Enthüllung an

Trier/Peking (APA/AFP/dpa) - Zum Beginn der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Karl Marx sorgt eine seiner Geburtsstadt Trier von China geschenkte Statue weiter für Streit. Das PEN-Zentrum Deutschland forderte am Freitag, das Marx-Denkmal nicht einzuweihen, bis die Witwe des verstorbenen chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, Liu Xia, aus dem Hausarrest entlassen sei.

Er bitte "eindringlich", die Einweihung des Marx-Denkmals so lange zu verschieben, bis die chinesische Dichterin Liu Xia aus dem Hausarrest entlassen und ihr die Ausreise ermöglicht worden sei, schrieb PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer in einem offenen Brief an Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD).

"Ich bin mir sicher, dass dies auch im Sinne von Karl Marx gewesen wäre", erklärte Nestmeyer. Der Philosoph habe Pressefreiheit als "Ausdruck einer liberalen demokratischen Gesellschaftsform" gesehen. "Es wäre ein deutliches Signal, wenn Sie sich mit unserem gesundheitlich schwer angeschlagenen Ehrenmitglied Liu Xia solidarisieren würden, um damit ein Zeichen für Meinungsfreiheit zu setzen, das weit über die Stadt Trier hinausstrahlen könnte", schrieb der PEN-Vizepräsident an den Trierer Oberbürgermeister.

Die Marx-Statue soll am Samstagvormittag in Trier enthüllt werden. Zum 200. Geburtstag von Karl Marx ist in der rheinland-pfälzischen Universitätsstadt ein umfassendes Jubiläumsprogramm geplant. Die Jubiläumsfeierlichkeiten sollten am Freitagabend offiziell mit einem Festakt und einer Rede von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beginnen. Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren, er starb am 14. März 1883 in London.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) begrüßte das umfassende Jubiläumsprogramm. "Wir schaffen hier einen Rahmen, über Marx zu diskutieren, vieles über Marx zu erfahren und sich mit ihm auseinanderzusetzen", sagte Dreyer im Südwestrundfunk. Es gehe aber nicht darum, "Marx hochleben zu lassen".

Die SPD-Politikerin stellte sich auch hinter die Entscheidung der Stadt zur Aufstellung der Marx-Statue. Die Debatte im Stadtrat darüber habe sie als konstruktiv erlebt. "Wir pflegen einen guten Kontakt zu China", hob Dreyer hervor. Menschenrechtsverletzungen seien nicht zu akzeptieren, aber es sei wichtig, "dass man die Brücke eher weiter baut und das Verhältnis intensiviert".

CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer schrieb dagegen in einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post" vom Samstag: "Wenn man sich die Gesamtwirkung von Marx auf die Geschichte der Menschheit anschaut, besteht zum fröhlichen Feiern kein Anlass." Seine Ideologie und die Wirkung seines Denkens würden aus ihrer Sicht "jetzt wieder zu stark verklärt".

China will unterdessen nach dem Willen von Präsident Xi Jinping weiterhin "die Fahne des Marxismus hochhalten". Karl Marx sei "der größte Denker der Neuzeit", sagte Xi bei einer Veranstaltung in Peking. In der Großen Halle des Volkes nannte er Marx "den revolutionären Lehrer des Proletariats und arbeitender Menschen überall auf der Welt". "Trotz tiefgreifender Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft wird der Name Karl Marx immer noch überall auf der Welt respektiert und seine Theorie leuchtet immer noch mit dem brillanten Licht der Wahrheit", sagte er am Freitag in einer Rede zu Ehren von Marx. Der Marxismus hat trotz Jahrzehnten des marktgesteuerten Wachstums in China bis heute eine große Bedeutung.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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