Strafzölle auf Auto-Importe haben in USA breiten politischen Rückhalt

Wien (APA) - US-Präsident Donald Trump droht mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU. Das ist aber kein politischer Alleingang Tumps. "Sollte Trump Strafzölle auf Autos erheben, dann wird es in den USA nicht viel Widerstand geben", sagte Michael McAdoo, Experte für Handelsfragen bei der Boston Consulting Group, im Gespräch mit der APA.

"Die Menschen täuschen sich, wenn sie glauben, Trump sei der einzige Verfechter von Protektionismus in den USA. Viele Demokraten sind sogar noch protektionistischer", so McAdoo. Und es geht um sehr viel Geld: Die USA importieren von außerhalb Nordamerikas Autos und Autoteile im Wert von 200 Mrd. Dollar (175 Mrd. Euro), die unter die angedrohten neuen Strafzölle fallen würden, die Trump mit "Gefahr in Verzug" für die USA argumentiert. Betroffen sind vor allem die EU, China, Japan und Südkorea. Nimmt man alle damit verbundenen Kosten zusammen, müssten Autofirmen außerhalb der USA, Kanadas und Mexikos bis zu 60 Mrd. Dollar an Mehrkosten schlucken - oder an die Käufer weiterverrechnen, hat BCG erhoben.

Aus Österreich importierten die USA 2017 Autos und Komponenten um 1,9 Mrd. Dollar, davon entfielen 1,5 Mrd. Dollar auf Komponenten, sagt Mcadoo. Wie hoch der Wert in Österreich produzierter Teile in deutschen oder anderen europäischen Fahrzeugen ist, lasse sich nicht so leicht abschätzen. "Wir können nicht alle Lieferketten durchschauen."

Die Experten der Beratungsfirma glauben auch nicht, dass Trump sehr lange verhandeln will, bevor er zur Tat schreitet und Zölle verhängt. "Wahrscheinlich werden erst die Zölle erhöht - wir müssen uns auf mehrere Jahre angespannter Verhandlungen mit steigenden Zöllen einstellen", sagt Nikolaus Lang, Autoexperte bei BCG.

Auch jetzt gibt es keine echten Verhandlungen zwischen den USA und der EU über Handelsfragen. "Meines Wissens gibt es zwar einzelne Gespräche auf Beamtenebene, aber keine strukturierten Verhandlungen", sagte McAdoo. Ähnlich hatte es EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström vorige Woche nach Gesprächen in Washington formuliert: "Wir verhandeln eigentlich auch nicht mit den Amerikanern. Wir diskutieren, wie man Regulierungen erleichtern kann", sagte sie danach.

Lang und McAdoo gehen davon aus, dass die USA auf die Strafzölle wohl nur dann verzichten würden, wenn sie strategisch zu dem Schluss kommen sollten, dass sie die EU und Japan als Partner gegen China brauchen. Das könnte "vielleicht" ein Argument sein.

McAdoo differenziert stark zwischen kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen der schon verhängten wie auch der erst angedrohten Zölle. So bezweifelt er, dass der aktuelle kurzfristige Anstieg des US-Handelsdefizits - trotz Strafzöllen gegen China und auf Stahlimporte - nachhaltig ist. Viele Firmen würden Importe vorziehen und Lager auffüllen, um den Preissteigerungen zuvorzukommen. Erst müsse man das Auslaufen solcher Effekte abwarten.

Ähnliches gilt für Preiseffekte: "Preisanstiege arbeiten sich durch die Lieferkette, auch wenn sie die Konsumenten vielleicht noch nicht erreicht haben", sagt McAdoo. Man müsse erst abwarten, wie die großen Unternehmen ihre Lieferketten anpassen und wo die Effekte dann niederschlagen. Wird der Stahl nach Kanada eingeführt, dort in ein Auto eingebaut und dieses dann zollfrei in die USA exportiert, dann gebe es keinen Effekt. Werde der Stahl aber in den USA in ein Auto eingebaut, dann schon. So könne der US-Strafzoll bei einem Auto voll durchschlagen und beim anderen keine Auswirkung haben. Das müsse im Einzelfall betrachtet werden.

Aber Autos, bei denen der Zoll voll durchschlägt, dürften um 2.000 bis 6.000 Dollar teurer werden. Noch nicht klar sei aber, ob Hersteller, die den Zoll (noch) vermeiden können, ihre Preise ebenfalls erhöhen oder nicht. Alle diese langfristigen Auswirkungen müssten sich erst einpendeln.

Wenig Chancen sieht BCG-Autoexperte Lang aber für Exporte der US-Hersteller nach Europa. "Die großen Autofirmen in den USA hatten nie die Produkte, die auf europäischen Märkten nachgefragt waren", sagte er. "US-Hersteller bieten vor allem Autos an, die den Modellen der etablierten europäischen Hersteller sehr ähnlich sind." Auf diesem Weg werde sich das Handelsdefizit also wohl kaum bekämpfen lassen.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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